AdUnit Billboard

Hering und Historie

In der Lübecker Bucht finden Touristen traditionelle Fischerörtchen und naturbelassene Badebuchten vor. Und natürlich Fischbrötchen. Seit neuestem ist der Weg zum nächsten Imbiss sogar ausgeschildert.

Von 
Annette Frühauf
Lesedauer: 
In Scharbeutz ist die Strandkorb-Saison beendet. © Georg Wendt/dpa/dpa-tmn

Der erste Bissen macht Lust auf mehr. Schön kross ist das Fischfilet paniert, das anschließend auf der Zunge zerfällt. An Soße mangelt es dem Snack zwischen den zwei Brötchenhälften auch nicht. Ein Teil davon tropft auf die Jacke.

AdUnit Mobile_Pos2
AdUnit Content_1

Im kleinen Laden von Fisch Wöbke in Travemünde, ganz im Süden der Lübecker Ostseebucht, fällt die Entscheidung an der Theke nicht leicht. Die Auswahl an Fischbrötchen ist groß. Es gibt sie unter anderem mit Backfisch aus Scholle und Seelachs, mit Bismarckhering, geräuchertem Aal oder Krabben. Im Sommer bilden sich vor dem Fischfachgeschäft immer wieder lange Schlangen. Jetzt, in der kalten Jahreshälfte, ist es deutlich ruhiger.

Fischbrötchenstraße in der Lübecker Bucht

Anreise

Mehrmals in der Stunde gehen Bus- oder Regionalbahn-Verbindungen vom Lübecker Hauptbahnhof nach Travemünde. Je nach Verbindung braucht es für die rund 20 Kilometer lange Strecke etwa zwischen 20 und 45 Minuten.

Infoadresse

Tourismus-Agentur Lübecker Bucht, Strandallee 134, 23683 Scharbeutz (Tel.: 04503 77 94 10 0, E-Mail: urlaub@luebecker-bucht-ostsee.de, Web: www.luebecker-bucht-ostsee.de)

Zusatzinformation

Mehr zur Fischbrötchenstraße, den teilnehmenden Betrieben und zu der Route gibt es online. Die Karte liefert einen Überblick über den Streckenverlauf und die Fischbrötchenstationen. Im Herbst und Winter haben nicht immer alle Stationen geöffnet. Daher lohnt es, vorher die Öffnungszeiten zu prüfen.

Fisch Wöbke gehört wie zahlreiche andere Imbissbuden, Restaurants und Fischläden zur Fischbrötchenstraße in der Lübecker Bucht. Die kulinarische Route verläuft entlang der Küste von Travemünde über den Timmendorfer Strand bis nach Rettin. An vielen ausgesuchten Orten gibt es entlang des Weges Fischbrötchen – mal in schickem, mal in einfachem Ambiente.

Die Tourismus-Agentur Lübecker Bucht hat die Fischbrötchenstraße im vergangenen Jahr ins Leben gerufen. „Entlang der Bucht entdecken unsere Gäste dabei Regionaltypisches, auch kulinarisch“, sagt Doris Wilmer-Huperz, die das Konzept mit umgesetzt hat.

AdUnit Mobile_Pos3
AdUnit Content_2

Die abwechslungsreiche Ostseeküste der Lübecker Bucht ist besonders bei Aktivurlaubern und Familien mit Kindern beliebt. Dort, wo sich buntes Treiben in traditionellen Fischerdörfern und flach abfallende Badebuchten abwechseln, finden viele Reisende eine passende Urlaubsbeschäftigung – im Sommer wie im Winter.

An einem kühlen Spätherbsttag wie heute, an dem die Sonne immer wieder hinter den Wolken hervorblitzt, bietet sich zum Kennenlernen der rund 40 Kilometer langen, gut ausgeschilderten Fischbrötchenroute das Fahrrad an.

Bei der sportlichen Betätigung ist der Hunger vorprogrammiert. Nur gut, dass die nordische Spezialität in regelmäßigen Abständen zu haben ist.

Die Fischbrötchen sind hier Kult und bei Einheimischen wie Touristen gleichermaßen beliebt. Doch die Fischbrötchenstraße hat weit mehr zu bieten als nur die maritime Delikatesse. Die charmanten Örtchen locken mit weiteren Besonderheiten. Zum Beispiel in Travemündes Nachbarort Niendorf.

AdUnit Mobile_Pos4
AdUnit Content_3

Vom dortigen Hafen stechen früh am Morgen die Fischkutter in See – das ganze Jahr über. Mittags wird der frische Fang dann in den Fischerhütten und Restaurants zubereitet. Wer Lust auf einen Kaffee hat, findet in der Kaffeerösterei Ahoi im Hafen eine große Auswahl an edlen Bohnen. Da die aufwendig angelegte Promenade Fußgängern vorbehalten ist, geht es mit dem Fahrrad auf der Straße weiter nach Timmendorf.

Im wohl bekanntesten Ort der Lübecker Bucht lohnt sich ein Abstecher an den Strand mit Blick auf die Seeschlösschenbrücke. Auf deren Spitze steht das Restaurant Wolkenlos, dessen Markenzeichen das Pagodendach im japanischen Stil ist. Im zweiten Halbjahr 2022 soll außerdem eine neue Seebrücke fertiggestellt werden, die auf mehr als 400 Metern Rundweg für neue Perspektiven und Ausblicke sorgen soll. Sie löst die marode Brücke von 1976 ab, deren Abriss im Herbst begonnen hat.

Zurück auf die Fischbrötchenstraße, weiter nach Scharbeutz: Im Winter verwandelt sich ein Teil der dortigen Dünenmeile, genauer der Scharbeutzer Seebrückenvorplatz, in eine Eisbahn. Feuershows und Fackelwanderungen sorgen für warme Momente.

Im Ortsteil Haffkrug gibt es außerdem den Fischerei-Erkundungspfad. Schautafeln und Mitmachelemente zeigen, welche Fischarten es in der Ostsee gibt und wie das Fischerleben früher ausgesehen hat. Wer mag, kann sich mit einem Audioguide im Ohr Anekdoten von einem Küstenfischer-Urgestein erzählen lassen.

Einen guten Blick auf die Ostsee haben die Radler von der Sierksdorfer Steilküste, etwa fünf Kilometer weiter nordöstlich. Der nächste Halt ist dann Neustadt.

Bei der Ankunft im 15 000-Einwohner-Städtchen dämmert es bereits. An der Promenade erinnern Gedenktafeln an einen düsteren Teil der Geschichte Neustadts: Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs lagen hier das Frachtschiff Thielbek, das Lazarettschiff Deutschland und der Luxusdampfer Cap Arcona im Hafen. An Bord: mehrere Tausend KZ-Häftlinge. Die meisten von ihnen kamen bei einem britischen Luftangriff am 3. Mai 1945 ums Leben. Alle drei Schiffe wurden versenkt.

Ob es hilft, wieder in die Pedale zu treten, um die schreckliche Geschichte hinter sich zu lassen? Über Pelzerhaken geht es weiter bis ins Ziel nach Rettin. Der ehemalige Fischer- und Bauernort liegt friedlich und naturbelassen am nördlichen Ende der Lübecker Bucht. Die Sonne ist längst hinterm Horizont verschwunden, der letzte Fisch lange verdaut. Der Magen knurrt. Ein Glück gibt es in Rettin eine große Auswahl an Fischrestaurants und Imbissen. Die Frage ist nur: Matjes, Hering oder Krabben? dpa-tmn

AdUnit Footer_1
AdUnit Mobile_Footer_1