AdUnit Billboard

„Ein CO2-freies Schiff ist keine Vision mehr“

Daniel Skjeldam setzt sich für eine klimaneutrale Kreuzfahrt ein. Im Gespräch erklärt der Chef der norwegischen Reederei Hurtigruten, warum er von LNG nicht viel hält und was man stattdessen tun sollte.

Von 
Susanne Hamann
Lesedauer: 

Herr Skjeldam, Sie gelten als Kritiker der Flüssiggas-Technologie (LNG) auf Kreuzfahrtschiffen. Warum?

AdUnit Mobile_Pos2
AdUnit Content_1

Daniel Skjeldam: LNG ist keine grüne Technologie, weil es einen großen Methanausstoß und damit erhebliche Emissionen verursacht. Es wurde zwar lange als grüne Technologie angesehen, es wird aber nicht die Lösung auf dem Weg zum emissionsfreien Schiffsantrieb sein. Viele Reedereien haben auf Flüssiggas gesetzt, allerdings eher aus Kostengründen, da LNG so viel billiger war als Diesel. Daher war die Amortisationszeit von LNG-Antrieben bei vielen Betreibern kürzer als die von Dieselantrieben.

Daniel Skjeldam engagiert sich in der Kreuzfahrtbranche für Umweltschutz. © Hurtigruten

Was ist Ihrer Meinung nach der richtige Weg zur grünen Kreuzfahrt – Biodiesel, Methanol, Batterien, Brennstoffzellen?

AdUnit Mobile_Pos3
AdUnit Content_2

Skjeldam: Solange es noch keinen emissionsfreien Antrieb gibt, halten wir eine Kombination aus verschiedenen Technologien für die beste Lösung. Deshalb setzen wir auf energieeffizientere Motoren und investieren in Biodiesel, in Landstromanschlüsse und in Batterien auf unseren Schiffen. Außerdem rüsten wir nach und nach unsere Schiffe auf: Momentan wird das Postschiff „MS Richard With“ mit neuen Motoren und einem Hybridantrieb ausgestattet. Unsere Schiffe werden mit einem Mix aus Marinediesel und Biodiesel betrieben, der aus Lebensmittelabfällen hergestellt wird. Durch die Kombination aus dem umweltfreundlicheren Treibstoff und der Umrüstung wird die „MS Richard With“ ab dem Sommer 2022 das umweltfreundlichste Schiff an der norwegischen Küste sein – mit rund 25 Prozent geringeren CO2-Emissionen und 80 Prozent weniger Stickoxidemissionen.

Über den Wandel hin zu mehr Nachhaltigkeit wird in der Kreuzfahrtbranche schon lange geredet, passiert ist noch nicht viel. Werden die steigenden Energiekosten Ihrer Meinung nach den Prozess beschleunigen?

Skjeldam: Die steigenden Energiepreise sind eine Herausforderung für die Branche, die den Wandel sicher beschleunigen können. Das ist langfristig etwas Gutes, wir befürchten aber, dass die hohen Kosten kurzfristig eher dazu führen, dass nicht-grüne Energie stärker genutzt wird. Durch die Folgen der Coronapandemie und des Krieges in der Ukraine erhöht sich der Druck, Kosten zu sparen. Viele Reedereien beginnen, ihre Antriebe nachhaltiger zu gestalten, aber die Entwicklung neuer Technologien und die Umrüstungen älterer Schiffe sollten viel schneller gehen.

Der Kreuzfahrtweltverband Clia peilt das Jahr 2050 für eine CO2-freie Seefahrt an. Was meinen Sie: Wann wird es das erste komplett emissionsfreie Schiff geben?

AdUnit Mobile_Pos4
AdUnit Content_3

Skjeldam: Für uns bei der Hurtigruten Group ist die Entwicklung emissionsfreier Schiffe ein wichtiges Thema. Wir haben uns mit dem norwegischen Forschungsinstitut SINTEF (Anmerkung: Die Abkürzung bedeutet übersetzt Stiftung für industrielle und technische Forschung) zusammengetan, um bis 2030 das erste komplett emissionsfreie Postschiff zu entwickeln. Ein CO2-freies Schiff ist keine Vision mehr, es ist damit ein konkretes Projekt geworden. Wahrscheinlich wird der Antrieb eine Kombination verschiedener Energieformen werden. Aktuell sind wir in der Vorphase und verschaffen uns einen Überblick, später wollen wir noch weitere Partner einbinden, die auf das gleiche Ziel hinarbeiten.

Daniel Skjeldam

Der 1975 in Trondheim geborene Norweger ist seit 2012 Vorstandsvorsitzender der Hurtigruten Group. Die Reederei, deren Geschichte bis ins Jahr 1893 zurückreicht, gilt als Vorreiter in der Kreuzfahrtbranche und verfolgt ein konsequentes Umweltschutz- und Nachhaltigkeitskonzept (www.hurtigruten.de).

Hurtigruten betreibt Postschiffe entlang der norwegischen Küste sowie einige kleine Expeditionsschiffe. Das Hybridschiff „Fridtjof Nansen“ wurde kürzlich von der Ratingagentur Scope ESG Analysis zum nachhaltigsten Schiff der Welt gekürt. Drei Schiffe der Postschiff-Flotte werden gegenwärtig mit Batteriepaketen ausgestattet. SUR

AdUnit Footer_1
AdUnit Mobile_Footer_1