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Freizeit

250 Kilometer Radelspaß an der Elbe

Von 
Hans-Jürgen Emmerich
Lesedauer: 
Blick auf Dom und Albrechtsburg in Meißen: Für dieses Motiv müssen Radler über die Brücke auf die rechte Seite der Elbe. © Hans-Jürgen Emmerich

Wir starten unsere mehrtägige Radtour in Schmilka, kurz hinter der tschechischen Grenze. Als Sachsens schönstes Dorf prämiert, leben hier rund 70 Einwohner in 30 Häusern. Ein ganzes Dorf für Gäste. Seit über 200 Jahren schon machen hier Menschen Urlaub an der Elbe, mit dem Auto ist das heutige Nationalpark- und Biorefugium aber erst seit 1908 zu erreichen. Bis dahin musste das Bier zu Fuß in Fässern nach Schmilka getragen werden wie Menschen auf einer Sänfte, weil es dort zwar ein Schankrecht, aber kein Braurecht gab.

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Heutzutage gibt es diese Einschränkung zum Glück nicht mehr. In einer Braumanufaktur entsteht das Naturbier, das nur begrenzt haltbar ist und in einem 2015 aufgestellten Kupferkessel reift. Während der Corona-Flaute wurde es mitunter nicht leer, jetzt fließt es wieder. Für 3,90 Euro pro Liter darf man das Bernsteinbier sogar mit nach Hause nehmen. Im großen Schanksaal soll der Maler Caspar David Friedrich einst gesessen haben, auf jeden Fall hat er hier in der Region viele Landschaftsmotive festgehalten, die man auf einem nach ihm benannten Weg auch erwandern kann.

Sieben Etappen am Elberadweg zum Miterleben

In diesen sieben Etappen ist unser Reporter Hans-Jürgen Emmerich auf dem Elberadweg von Schmilka bis in die Bauhausstadt Dessau gefahren:

 

 

Rechts oder links der Elbe radeln, diese Frage stellt sich auf jeder Etappe von Neuem. In Schmilka-Hirschmühle verbindet eine alte Fähre beide Ufer miteinander und ermöglicht so auch eine bequeme Anreise mit der Bahn. Rechts des Flusses geht es an den steilen Felswänden ehemaliger Steinbrüche nach Bad Schandau. Obwohl der Radweg nun schon seit fast 30 Jahren besteht, gibt es mitunter Lücken und fehlende Schilder. Umso hilfreicher sind aktuelle Verkehrshinweise auf einer eigenen Homepage. Denn einmal auf der falschen Seite gelandet, kann der Umweg auf die richtige Strecke schnell kilometerlang werden. Für leichtes Gepäck sorgen gleich mehrere Anbieter, die Koffer und Taschen von Hotel zu Hotel fahren, beispielsweise AugustusTours.  

Idylle vor den Toren Dresdens

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Wer die legendäre Festung Königstein besuchen will, sollte dafür mindestens drei Stunden einplanen. Und wer links der Elbe Richtung Dresden radelt, kommt zum Schloss Pillnitz und den Garten nur mit der Fähre – sofern sie gerade fährt. Wenn nicht, lockt stattdessen ein leckeres Abendessen im Fährhaus Kleinzschachwitz, gelegen in einem Stadtteil von Dresden, mit Blick auf den Fluss und das Schloss jenseits des Wassers.

Zwinger, Landtag, Semperoper, Markt und Kunsthandwerk aus dem Erzgebirge: Die Landeshauptstadt Dresden ist nicht mal eben auf der Durchreise zu erkunden. Dazu muss man irgendwann hierher zurückkehren. Doch jetzt heißt es in die Pedale treten, denn Ziel der zweiten Etappe ist Meißen. Rechts der Elbe geht es durch die sächsischen Weinberge, linkselbisch ist die Fahrt beschaulicher, führt unter anderem an dem Kulturdenkmal Gohliser Windmühle vorbei, 1832 erbaut und bis 1914 als Mühle in Betrieb. Zu DDR-Zeiten weitgehend verfallen, wurde sie 2006 rekonstruiert und beherbergt jetzt ein Museum und eine Gaststube. Wenig später taucht ein prächtig bemaltes Bauwerk mitten im Grünen auf, ein Technikgebäude mit übergroßer Darstellung einer Mahlszene mit Reben und Weinkeller.

Schließlich wartet Meißen mit Dom und Albrechtsburg. Für das beliebte Fotomotiv mit Spiegelung in der Elbe geht es auf die andere Seite, dann wieder links der Elbe weiter, vorbei an einer alten Zisterzienserklosteranlage, die heute von einem gemeinnützigen Verein gepflegt und genutzt wird. Nach 50 Kilometern auf dem Rad bietet die Elbklause direkt am Fluss nicht nur ein entspannendes Quartier, sondern auch ein leckeres regionales Abendessen: Zwei Niederlommatzscher Elbkähne (Kartoffelklöße mit Hackbratenfüllung), dazu ein Bennoschoppen vom Fass der Winzergenossenschaft Meißen.

Nudeln im Museum

Genau die richtige Stärkung für den nächsten Tag, wo es nicht nur gegen den Tacho, sondern auch strömenden Regen anzuradeln gilt. Unterwegs in Mannheims Partnerstadt Riesa ist ein Besuch im Nudelmuseum Pflicht, nicht nur wegen der leckeren Spaghetti Bolognese im Restaurant „Makkaroni“, sondern auch wegen des Einblicks in die Geschichte der Pasta und ihrer Herstellung. In Strehla soll es wieder über die Elbe gehen, doch vom Fährmann ist weit und breit nichts zu sehen. Ein aufmerksamer junger Mann hat den entscheidenden Tipp: „Sie müssen ans Fenster klopfen.“ Im Fährhaus hat sich der Kapitän der Nixe ein Nickerchen gegönnt, doch er macht die Weiterfahrt möglich in die geschichtsträchtige Stadt Mühlberg, wo Kaiser Karl V. im April 1547 die Truppen der Protestanten besiegte. Ein Thema im Museum.

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Nächster Zwischenstopp ist in Torgau, 2022 Ort der Landesgartenschau. „Nach Wittenberg die wichtigste sächsische Lutherstätte“, betont Anja Bauermeister vom Torgau-Informations-Center: „Wittenberg ist die Mutter der Reformation, Torgau die Amme.“ Vor allem an Luthers Frau Katharina erinnert hier vieles. Natürlich führt an Wittenberg kein Weg vorbei, aber krönender Abschluss der Reise ist die Bauhausstadt Dessau. Wer begreifen will, wie dessen Schule die Stadt geprägt hat, fährt nach einem Besuch von Museum und Meisterhäusern am besten in die Siedlung Törten. Hier stehen die noch immer von der Wohnungsgenossenschaft vermieteten Laubenganghäuser und 314 von Walter Gropius geplante Reihenhäuser rund um das Konsumgebäude (heute Museum).

Tipps für den Elberadweg

Tipps für unterwegs

Lage: Der hier beschriebene, rund 250 Kilometer lange Abschnitt des Elberadweges startet im Dorf Schmilka (Bad Schandau) und endet in der Bauhausstadt Dessau.

Anreise: Mit der Bahn ist Schmilka von Mannheim aus mit zwei Umstiegen in knapp sieben Stunden erreichbar, Fahrradplätze unbedingt reservieren.

Übernachten: Entlang des Elberadwegs gibt es jede Menge Hotels und Unterkünfte, die Gäste für nur eine Nacht aufnehmen (Bett and bike). Besonders originell sind die fassartigen Pods im Park in Kleindröben (allerdings ohne eigene Dusche).

Verweilen: Ein längerer Aufenthalt bietet sich in Torgau (Landesgartenschau 2022) und in der Lutherstadt Wittenberg (360-Grad-Panorama Luther 1517) sowie in der Bauhausstadt Dessau an.

Gepäckservice: Anbieter wie AugustusTours (www.augustustours.de) bieten komplette Reisen mit vorgebuchten Unterkünften aber auf Wunsch auch einen reinen Gepäcktransport von Hotel zu Hotel an.

Information: Auf einer eigenen Seite gibt es umfassende, auch tagesaktuelle Informationen und eine interaktive Karte sowie die Möglichkeit, ein kostenloses Handbuch zu bestellen (www.elberadweg.de). hje

 

Redaktion Aus Leidenschaft Lokalredakteur seit 1990, beim Mannheimer Morgen seit 2000.

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