Saale-Unstrut - Spannende und wenig bekannte Radreiseziele folgen den Spuren der Industriekultur

Themenradwege zwischen Zucker, Wein und Kohle

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tpr
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Radfahrer unter dem Thüringer Weintor in Bad Sulza starten auf dem Goethe-Radweg. © Saale-Unstrut-Tourismus

Auch in diesem Sommer wird Fahrradurlaub in Deutschland hoch im Kurs stehen. Und erneut wird es einen Run auf die berühmten Fernradwege geben. Doch es gibt Alternativen. Eines der weniger bekannten Radreiseziele ist Saale-Unstrut, Heimat des Weins und des Unesco-Welterbes Naumburger Dom.

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Eine Spezialität der „Toskana des Nordens“ zwischen Leipzig und Weimar sind ihre zahlreichen Themenradwege. Sie folgen den Spuren der Industriekultur, machen mit dem Weinbau bekannt, führen zu mittelalterlichen Burgen und archäologischen Sensationen. Der Tourismusverband stellt die sechs spannendsten Touren vor.

Der Zuckerbahnradweg geht über 37 Kilometer. Seit über 160 Jahren wird in Zeitz Zucker hergestellt. Mit dem Zug gelangten die Zuckerrüben von den Feldern einst in die Fabrik. Nach Stilllegung der Strecke Camburg-Zeitz im Jahr 2000 drohte der Verfall – und die Vergessenheit. Doch ein Förderverein engagierte sich für den Ausbau des Gleisbetts zum Radweg. 2019 wurde das letzte Teilstück fertiggestellt. Seitdem verbindet die 37 Kilometer lange Tour den Elsterradweg in Zeitz mit dem Saaleradweg in Camburg. Lohnende Zwischenziele sind Schloss Droyßig mit Restaurant, Park und Bärengehege sowie Burg Camburg.

Highlights für Familien sind der Bärentatzenweg in Droyßig und der Parcour für traditionelles Bogenschießen im Stöbener Wald bei Camburg. Die Jugendherberge Kretzschau bietet das passende Übernachtungspaket für abenteuerhungrige Familien im Wildwest-Camp.

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Auf ein weiteres Stück Zeitzer Industriegeschichte stoßen Radfahrer auf dem etwa 20 Kilometer langen Recarbo-Kohleradweg, der an einem radelnden Maulwurf zu erkennen ist. Er führt durch das älteste Braunkohlerevier Mitteldeutschlands zwischen Zeitz und Weißenfels. Für die Strecke sollte ein Tag eingeplant werden, denn spannende Erlebnisorte laden zum Stopp ein. Dazu zählt die Brikettfabrik Herrmannschacht in Zeitz, deren Geschichte bis in das Jahr 1876 zurückreicht. Gäste können sie auf geführten Rundgängen besichtigen, sobald das Museum wieder öffnen darf. In Deuben kann auf Voranmeldung das Bergbaumuseum besucht werden. Tagebaugeräte in Miniaturformat und ein nachgebauter Tiefbaustollen machen Bergbaugeschichte lebendig.

Endpunkt ist der Erholungspark Mondsee. Hier erinnern Wandelgänge mit 15 Steinplatten in einem Labyrinth aus Hainbuchenhecken an 15 verschwundene Orte. Sie mussten nach 1941 dem Tagebau weichen. Auch der Erholungspark selbst war einst Teil eines Tagebaus. Aus dem sichelförmigen Restloch entstand durch Flutung Ende der 1980er Jahre der Mondsee. Heute genießen hier Badegäste, Surfer und Camper ihre Auszeit vom Alltag.

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Einen Einblick in das kleine Weinanbaugebiet an der Weißen Elster erhalten Radfahrer auf der 17 Kilometer langen Weinroute zwischen Zeitz und Trebnitz. Schon im Mittelalter bauten Mönche des Klosters Posa Wein an. 1997 begannen zwei Einheimische, die Tradition wieder aufleben zu lassen. Seitdem wurden Weinhänge rund um die Stadt aufgerebt. Weingüter entlang der Route laden auf Voranmeldung zum Verkosten ihrer Weine ein. Ein Ziegenhof bietet regionale Produkte. Traditionell wird am 1. Mai angeradelt und am 3. Oktober abgeradelt. Ob diese Termine stattfinden können, erfahren Gäste auf der Webseite. Da die Weinroute entlang von Landstraßen führt, empfiehlt sich zwischen den beiden Terminen den verkehrsärmeren Elsterradweg auf der gegenüberliegenden Flussseite zu nutzen.

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Parallel zur Weinroute an der Weißen Elster verläuft der Elsterradweg. Start des rund 250 Kilometer langen Fernradweges ist an der Quelle des Flusses in Tschechien, das Ziel liegt an der Mündung der Weißen Elster in die Saale bei Halle. Ein besonders familienfreundlicher 130 Kilometer langer Abschnitt führt von Wünschendorf bei Gera bis nach Halle. Zahlreiche Erlebnisse am Wegesrand sorgen für zusätzliche Motivation. Dazu gehören der Baumwipfelpfad in Zangenberg im Zeitzer Forst und das Schloss Moritzburg Zeitz mit Kinderwagenmuseum und Schlosspark.

Hätte Johann Wolfgang von Goethe das moderne Fahrrad kennen gelernt, er wäre sicherlich begeistert seinen persönlichen Radweg gefahren. Der 86 Kilometer lange Goetheradweg verbindet seine Wirkungsstätte in Bad Lauchstädt mit Halle und Bad Sulza, zwei Orte, die er ebenfalls besuchte. Höhepunkt der Tour ist die Goethestadt Bad Lauchstädt. 1802 eröffnete der Dichter hier ein Theater, dessen historische Bühnentechnik noch heute genutzt wird. Auf Voranmeldung begleitet eine Gästeführerin als Christiane Vulpius ab Mai Besucher durch die historischen Kuranlagen des einstigen Modebades.

Zielort des Goetheradweges ist die Kurstadt Bad Sulza, in der eine Kopie von Goethes Gartenhaus zu besichtigen ist. Wohltuend nach einer langen Radtour ist der Besuch der Toskana Therme im Ort, sobald diese wieder öffnen kann. Im Liquid Sound Tempel schweben Gäste im Thermalsolewasser nahezu schwerelos zu Unterwassermusik. Zur Einkehr an der Strecke laden der Weinberg am Geiseltalsee, die Straußwirtschaft Köhler Wölbling sowie Boys Gutsausschank an der Unstrut ein.

Infos zu den Touren gibt es unter www.saale-unstrut-tourismus.de/touren. tpr