Mit leichtem Gepäck

Frankreich, Finnland, Brasilien – wie gerne wären viele von uns jetzt irgendwo, bloß nicht mehr in den eigenen vier Wänden. Da bleibt nur eins: Reisen im Kopf. Das ist gar nicht so schwer, wie es klingt. Hier ein paar ganz persönliche, aber nützliche Tipps von der Autorin einer Globetrotter-Krimi-Serie mit weltweiten Schauplätzen.

Von 
Bernadette Olderdissen
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Von Toulouse in den hohen Norden: Der Vorteil von Kopfreisen ist, dass Ortswechsel weder Zeit noch Geld kosten, wenn sie auf dem heimischen © dusanpetkovic1 - stock.adobe.com

Spannend reisen ohne Kofferschleppen“ lautete das Motto, als der erste Band meiner Globetrotter-Krimi-Serie entstand. Da war noch längst nicht abzusehen, dass Kofferschleppen eines Tages ohnehin – zumindest vorübergehend – unnütz werden würde. Dass statt eines Klicks auf den nächsten „Buchen“-Knopf erst einmal nur das Kopfkino angeknipst werden dürfte.

Zur Person

  • Bernadette Olderdissen arbeitete mehrere Jahre an ausländischen Goethe-Instituten, bevor sie sich 2017 ihren Traum erfüllte, hauptberuflich vom Reisen und Schreiben zu leben.
  • Ihre Reisereportagen erscheinen in verschiedenen Medien. Neben der Globetrotter-Serie verfasste sie einen humoristischen Italien-Roman sowie Beiträge zu Reisebüchern.
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Als Krimiautorin, deren Romane stets an authentischen Orten und in verschiedenen bereisten Ländern angesiedelt sind, klappen die Kopfreisen bei mir persönlich ganz gut. Doch man muss dazu kein Autor oder Profi-Reisender sein, das Rezept ist einfach: Man ziehe sich aus dem Schatz der Reiseerinnerungen geliebte Bilder, Szenen und Farben vor Augen und würze diese mit Gerüchen und Geschmäcken, mit Melodien oder dem Klang einer Sprache, mit dem Gefühl von Sand zwischen den Fingern oder unter den Füßen. Wer selbst gerne (Reise-)Krimis liest, der gebe nun noch ein wenig Blut hinzu, denn am Anfang steht zumeist das Verbrechen, und los geht die Reise.

Nehmen wir als erstes Beispiel Frankreich, wo Globetrotter-Krimi Nummer eins, „Mord en rose“, spielt. Französische Musik ist schnell gefunden, und schon säuselt Edith Piaf „La vie en rose“ durchs Wohnzimmer.

Ihre Stimme lässt mich durch die Backsteinhäuser des südfranzösischen Toulouse schweben, die sich jeden Tag aufs Neue in der Abendsonne verfärben: Toulouse, die rosarote Stadt, wo es aus den Bäckereien nach Baguette und Pain au chocolat duftet.

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Ich habe mir in der Bäckerei daheim ein Schokocroissant gekauft, genieße ein ganz reales Stück Frankreich. Fotos von damals rufen mir Straßennamen ins Gedächtnis zurück, die mit Rue, Boulevard oder Avenue beginnen, im Ohr habe ich den Klang der französischen Sprache, die so elegant und doch stets auf der Überholspur scheint.

Nur ein Sprung nach Brasilien

Gerade jetzt ist ein guter Moment, um die Französischlehrbücher von damals nochmals aus dem Regal zu ziehen, Worte und Sätze auf der Zunge zergehen zu lassen. Oder um bei der Kopfreise noch einen Schritt weiterzugehen und Freunden oder Bekannten im Sehnsuchtsland zu schreiben oder sie kurz anzurufen. Das Gute bei Kopfreisen ist ja, dass es weder Zeit noch Geld kostet, von Toulouse schnell in den hohen Norden zu fliehen – zum Beispiel ins finnische Turku, wo Globetrotter-Krimi Nummer zwei, „Bis der Tod dich findet“, spielt.

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Es ärgert mich, bei frühlingshaftem Schönstwetter aktuell nicht draußen sein zu können, also ziehe ich ein paar Bilder hervor, wo ich in dicker Jacke, Mütze und Handschuhen bei minus 20 Grad bibberte. Am Abend bei Kerzenlicht, mit einer dampfenden Tasse Tee auf dem Sofa, reist es sich noch schöner in eine Welt aus schneebedeckten Straßen.

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Woran denke ich als Erstes bei Finnland? Gleich nach dem Schnee und der Kälte an Salmiakeis, das die Finnen selbst im Dezember schlecken. Und an Runeberg-Törtchen, eine der finnischen Nationalsüßspeisen, die sich gut nachbacken lässt. Zu hören gab es dagegen in Finnland nicht viel, die Menschen sprechen nur, wenn nötig.

Oder doch – da ist das Knacken von Holz, wenn man sich nackt in der Sauna aneinanderkuschelt. Ich schließe die Augen, spüre wieder die Wärme. Und denke daran, wie meine Protagonistin Kira eine Leiche in der Sauna entdeckt. Und wenn die Decke daheim besonders tief hängt und ich ganz weit weg möchte, dann springe ich rüber nach Brasilien. Auf eine Insel mit einem Berg, Ilha Grande, südlich von Rio de Janeiro. Heiße Tropenluft weht um die Nase, es duftet nach Meer und frischem Fisch, im Hintergrund säuselt Bossa-nova-Musik, bei der auch Globetrotter-Krimi Nummer drei, „Bossa Mortem“, entstand.

Ich stöbere wieder mal in meiner Literatur zu Brasilien, die beim Schreiben den Tisch bedeckte, denn wie immer sollten neben eigenen Reiseerinnerungen auch Hintergründe zu Land und Leuten ins Buch einfließen. Die Brasilien-Geschichten helfen meinem Kopf auf die Sprünge, erinnern mich an Anekdoten, die mir Menschen vor Ort erzählten. Und schon gehe ich nochmals auf den Segelboot-Törn mit drei Einheimischen, spüre den Wind im Haar, die brennende Sonne auf der Haut und das unbeschreibliche Gefühl von Freiheit, das wir hoffentlich alle bald wieder beschreiben dürfen.