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Insekten - Unkrautgärten können Insekten Nahrung liefern – und auch der Mensch kann manche Pflanzen davon essen

Mit einem Unkrautgarten Artenvielfalt fördern

Von 
Melanie Öhlenbach
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Man könnte immer weiterkämpfen - oder Unkraut bewusst im eigenen Garten einbinden und seine Vorzüge genießen. © Robert Günther/dpa

München. Klatschmohn statt Geranie, Blutweiderich statt Begonie: Auf Katharina Heubergers Balkon wachsen Pflanzen, die es im Gartencenter nicht zu kaufen gibt. In Kübeln und Kästen gedeihen Kamille, Kornblumen, Nelken-Leimkraut und Saat-Wucherblume, Wilde Möhre, Gewöhnlicher Natternkopf und Wiesen-Salbei. Alles Pflanzen, die wir als Unkraut bezeichnen.

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Derzeit versucht die Bloggerin und Buchautorin mit Wald-Geißblatt die Hauswand noch grüner zu machen, ergänzend zur ebenfalls kletternden Alpen-Waldrebe. „Ich liebe mein Unkraut und pflanze oder säe es absichtlich“, sagt Heuberger. Auch im Garten von Elke Schwarzer findet sich so manches, was sonst eher ausgerupft wird. „Die Knoblauchsrauke hat sich irgendwann mal ein Herz gefasst und sämtliche Beete erobert. Das macht aber nichts, weil sie essbar ist und der Aurorafalter Eier an den Blüten ablegt“, sagt die Biologin und Buchautorin.

Neue Ratgeber für Wildwuchs

Wildpflanzen erobern viele Gärten und Balkone. Das war schon immer so, wenn man der Natur ihren Lauf lässt. Doch jetzt dürfen diese Pflanzen immer häufiger auch bleiben.

Auf Blogs und in verschiedenen sozialen Netzwerken wird voller Stolz Wildwuchs präsentiert. Gartenratgeber mit Unkraut im Titel werden prämiert und zu Bestsellern – und das nicht, weil sie erklären, wie man es möglichst schnell wieder loswird und aus dem Garten entfernt.

Gold-Medaille für Unkraut-Beet

Sogar in England, der Wiege der Gartenkultur, ist das wilde Unkraut inzwischen anerkannt. Bei der RHS Flower Show Tatton Park 2021 zeichnete die Royal Horticultural Society (RHS) mit „Weed Thriller“ ein Unkrautbeet aus. Darin wuchsen in dem unter anderem Unkraut wie Jakobskreuzkraut, Ampfer und Distel.

„Wir ermutigen Gärtner und Gartenbauexperten, die natürliche Schönheit und Bedeutung aller Arten anzunehmen, einschließlich derjenigen, die üblicherweise als Unkraut angesehen werden“, heißt es auf der Website.

Nahrung für Insekten und Gärtner

Für den Sinneswandel hat Katharina Heuberger eine Erklärung: die 2017 veröffentlichte Krefelder Studie, die das Insektensterben über Jahrzehnte dokumentierte und viel öffentliche Aufmerksamkeit bekam. „Seitdem kann keiner mehr sagen, er hätte von dem leisen Sterben um uns herum nichts gewusst“, sagt die Bloggerin von „Wilder Meter“.

Sie sieht ihre Balkongestaltung als Öffentlichkeitsarbeit, politisches Engagement und Demonstration dafür, was auf gerade mal drei Quadratmetern im fünften Stock möglich ist: „146 Arten sind auf meinem Balkon nachgewiesen“. Abgesehen davon haben Unkräuter auch Gärtnern viel zu bieten : Man kann sie essen. „Einige Unkräuter wie Gundermann und Vogelmiere schmecken so einmalig, dass sie von Garten-Gourmets entdeckt werden“, sagt Schwarzer, die den Blog „Günstig Gärtnern“ betreibt.

Nicht alle Pflanzen dulden

Doch wie wird der eigene Garten wilder? „Eigentlich muss man sich darüber kaum Gedanken machen, denn das Unkraut sucht sich selbst seinen Platz“, so Schwarzer. „Die Brennnessel findet zielsicher die stickstoffhaltigen Stellen im Garten, der Giersch den feuchten Schatten.“ Und wenn es doch nicht klappen will: Spezialisierte Gärtnereien bieten Wildpflanzen vorgezogen oder als Saatgut an. Bei einigen Gewächsen empfiehlt Schwarzer, aber klare Grenzen zu setzen. Dem Stinkenden Storchschnabel beispielsweise. „Bei der Zaunwinde bin sogar ich vorsichtig. Anfangs betört sie uns mit ihren wunderschönen weißen Trichterblüten, doch kann sie Stauden niederringen und treibt überall aus Ausläufern aus“, erzählt Elke Schwarzer.

Sogar auf dem Balkon möglich

Viele der anderen Wildkräuter lassen sich sogar auf dem Balkon gut halten. Katharina Heuberger empfiehlt pollen- und nektarreiche Blumen sowie Stauden und Gräser, die Schmetterlingsraupen als Futter dienen. Ein Muss sind für sie Glockenblumen, da diese Pflanzengattung von vielen verschiedenen Wildbienen und anderen Insekten genutzt werden können.

Auch auf dem Balkon siedeln sich viele Wildpflanzen von selbst an. Zum Beispiel, wenn man Maulwurfserde zum Gärtnern verwendet. So sind Persischer Klee, Acker-Gauchheil und die Raue Gänsedistel auf Heubergers Balkon eingezogen.

Grün aus dem Siedlungsraum

„Der ökologische Wert einer Pflanze an einem bestimmten Balkon-Standort kann erst nach der Saison wirklich eingeschätzt werden“, sagt sie. „Selbst unscheinbare Blüten wie die der Gelben Resede können äußerst interessante Gäste wie die Reseden-Maskenbiene anlocken.“

Heuberger ist bewusst, dass man mit einem Garten oder Balkon mit Unkraut keine Arten retten kann. „Aber man kann die Arten mit Pflanzen fördern, die auch im Siedlungsraum vorkommen. Der Balkon oder der Garten ist der Ort, wo jeder tätig werden kann“, sagt die Bloggerin Katharina Heuberger. dpa

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