Gut eingepackt in den Winter

Die kalte Jahreszeit rückt näher, doch das heißt nicht, dass die Gartenarbeit damit zu Ende ist. Es gibt viel zu tun: Beete anlegen, Frühlingsblüher setzen, Gehölze pflanzen.

Von 
Melanie Öhlenbach
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Wer Pflanzen warm einpackt, kann sie so vor der Kälte schützen. © Andrea Warnecke/dpa-tmn

Die kühlen Herbstnächte deuten es an: Der Winter steht vor der Tür. Spätestens ab November beginnen daher viele Gartenbesitzer, ihr grünes Paradies für die kalte Jahreszeit vorzubereiten und Pflanzen ins Haus zu holen. Mechtild Ahlers von der Niedersächsischen Gartenakademie hält jedoch nichts von solch festen Terminen.

Tipps

Wolfgang Palme: Ernte mich im Winter – Einfach immer frisches Gemüse. Löwenzahn, 2019. 176 Seiten, 24,90 Euro.

Info: Noch mehr Tipps unter www.nabu.de

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„Gerade in Zeiten des Klimawandels lässt sich nicht an einem Kalender, sondern nur an der Natur ablesen, ob und wann der Winter kommt“, erläutert die Beraterin. Für die Pflanzen kann Engagement zur falschen Zeit sogar gefährlich sein. „Werden Pflanzen zu früh eingepackt, leiden sie und werden anfällig für Schädlinge.“

Sie rät, ob für Oktober, November oder Dezember: Nähert sich das Thermometer der Null-Grad-Grenze, muss der Gärtner einige Pflanzen in Sicherheit bringen. „Minus fünf Grad Celsius halten manche Pflanzen im Garten noch aus. Kübelpflanzen sollten aber schon bei plus fünf Grad Celsius eingepackt werden, denn die empfindlichen Wurzeln brauchen spätestens dann draußen einen Kälteschutz“, sagt Ahlers.

Laub als Schutz vor Kälte

Wie ein Garten dann winterfest gemacht werden muss, hängt letztlich von dessen Gestaltung und Bepflanzung ab. „Wer landschaftsgerechte Pflanzen in seinem Garten hat, muss sich wenig Gedanken machen. Sie sind robust und von Natur aus winterhart“, erklärt Ahlers.

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Anders sieht dies bei wärmeliebenden, frostempfindlichen Gewächsen wie Kamelien, veredelten und nicht ausreichend tief gepflanzten Rosen sowie manchen mediterranen Kräutern aus. Sie müssen entweder drinnen überwintern oder im Kübel gut mit Laub und Jute vor der Kälte geschützt werden.

Von Noppenfolie rät Mechtild Ahlers ab. „Wir sollten auf abbaubare und umweltverträgliche Materialien setzen, die unsere Umwelt und den Boden nicht weiter belasten“, sagt die Expertin. Außerdem kann Plastik die Luftversorgung kappen und die Pflanzen zum Schwitzen und folglich zu frühem Austreiben bringen.

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Ein natürliches Isoliermaterial steht im Herbst in Fülle zur Verfügung: Laub. Es lässt sich auf den Beeten verteilen. Der Naturschutzbund Deutschland – kurz Nabu – vergleicht die Laubschicht mit einer wärmenden Decke, die den Boden gegen den Frost isoliert. Gerade empfindliche Bäume und Sträucher wie flachwurzelnde Johannis- und Stachelbeeren könnten diesen Schutz bei Kälte gut gebrauchen.

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Was den Beeten gut tut, kann für Rasen jedoch fatal sein. Er darf nicht von Blättern bedeckt sein. „Rasen kann unter Laub ersticken. Er braucht Licht und muss immer gut durchlüftet sein, damit sich keine Pilzkrankheiten bilden“, betont Ahlers.

Abgeblühte Stauden sollten Hobbygärtner dagegen nicht im Herbst, sondern im Frühjahr schneiden. So können Insekten in den hohlen Stängeln und den Blattachsen überwintern.

Ahlers rät, für den idealen Zeitpunkt eines Rückschnitts im Frühjahr auf die sogenannten phänologischen Zeigerpflanzen zu achten. „Wenn die Forsythien blühen, ist der Saftstrom in allen Pflanzen gewährleistet und sie haben genug Kraft um auszutreiben.“

Spätherbst und Winter sind aber nicht eine Zeit der Ruhe – es gibt im Garten weiterhin etwas zu tun. Laut Nabu lassen sich nun Hügel- und Hochbeete anlegen, Frühlingsblüher setzen und Gehölze pflanzen.

Butterkohl ernten

Es kann auch noch geerntet werden: Pflücksalate wie Lollo- und Eichblattsalate, Feldsalat, Gartenkresse, Rucola, Asia-Salate wie Mizuna, Blattsenf und Pak Choi sowie Winterkohl-Arten wie Rosen-, Palm-, Grün- und – Wolfgang Palmes Tipp – Butterkohl. „Butterkohl ist ein vergessenes holländisches Hausgartengemüse. Die Sorte Bloemendaalse Gele ist wunderbar winterfest und schmeckt großartig“, sagt der Buchautor von der Höheren Bundeslehr- und Forschungsanstalt für Gartenbau in Wien.

Aus seiner Sicht spricht einiges dafür, den Garten in der kalten Jahreszeit weiter zu nutzen. „Genussgärtnern im Winter macht Spaß: Es gibt kaum Schädlinge, wenig Arbeit, aber eine reiche Ernte“, schwärmt Palme. „Das Frischgemüse aus dem eigenen Garten schmeckt im Winter doppelt so gut, hat gesunde Vitamine und tut mit seinem leuchtenden Grün nicht nur dem Körper, sondern auch der Seele gut.“

Sowohl Freiland- und Hochbeete als auch Frühbeet- und Balkonkästen sind seiner Ansicht nach für das Wintergärtnern geeignet – solange sie an einem möglichst sonnigen Standort sind. Mit den Vorbereitungen muss man jedoch schon im Sommer oder sogar im Frühling beginnen. Die Planung lohnt sich – nicht zuletzt, weil der Garten so in der sogenannten toten Jahreszeit lebendig wirkt.

Neben Butterkohl gehören Batavia-Salate sowie Radieschen zu Palmes Favoriten für die Winterernte. „Frisch geerntete Winterradieschen sind der Hit auf der weihnachtlichen Festtafel. Sie schmecken süßlich und leuchten mit den Christbaumkugeln um die Wette.“

Ohne eine Ernte hat ein Garten ab dem Spätherbst seinen Reiz. „Wir sollten lernen, den Garten in dieser Jahreszeit mit anderen Augen zu betrachten“, sagt Ahlers. „Mit Raureif bedeckte, abgeblühte Sonnenblumen, aus denen sich Spatz und Stieglitz Nahrung holen, haben ihren ganz eigenen Zauber.“ dpa-tmn