Pfiffiges Tier gegen Immobilien-Hai

„Die Känguru-Chroniken“: Dani Levy hat die populäre Textsammlung seines Drehbuchautors Marc-Uwe Kling verfilmt

Von 
Gebhard Hölzl
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Dimitrj Schaad als Marc-Uwe und das Känguru in einer Szene. © X Filme/X Verleih/dpa

Dass Dani Levy Komödie kann, weiß man bereits seit seinem Erstling „Du mich auch“, entstanden 1986. Einen guten Namen machte er sich drei Jahre später mit dem WG-Ausflug „RobbyKallePaul“, für hitzige Diskussionen sorgte 2007 der böse Actionspaß „Mein Führer – Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler“. Unterhaltung mit Hintersinn zu verbinden, hat der gebürtige Baseler, Jahrgang 1957, immer schon bestens verstanden und dies beweist er nun erneut mit „Die Känguru-Chroniken“, adaptiert nach den gleichnamigen Bestsellern des Autors, Liedermachers und Kabarettisten Marc-Uwe Kling.

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Nach ihm ist auch der Held (Dimitrij Schaad) benannt, ein geplagter Kleinkünstler, der seine Wohnung mit dem titelgebenden Beuteltier teilt. Eine selbst für Kreuzberger Verhältnisse nicht übliche Wohngemeinschaft. Der droht nun Gefahr: Durch den rechtspopulistischen Immobilienhai Jörg Dwigs (Henry Hübchen), der im beschaulichen Kiez ein gigantisches Bauprojekt plant. Sehr zum Ärger des politisch im kommunistischen Lager verorteten Kängurus. Schnell ist ein genialer Abwehrplan entwickelt. Dann noch einer, weil Marc-Uwe den ersten nicht verstanden hat. Es folgt ein dritter, weil der zweite nicht funktioniert hat. Bis alles schließlich in einem großen Anti-Terror-Anschlag gipfelt. Oder so ähnlich...

Das schwierige Unterfangen, Klings wild mäandernde Bücher mit ihrer episodischen Struktur – ein wüster Mix aus Wortwitz, Parodien, Sketchen und Kalauern – zum Film umzuarbeiten, ist insgesamt gut gelungen. Levy und sein Autor Kling, haben sich eine durchgehende Handlung ausgedacht und sich dabei auf die wichtigsten Figuren der diversen Vorlagen konzentriert. Eine Reduktion, die trägt, und auch für all jene funktioniert, die ohne Vorwissen ein Kinoticket kaufen. Wobei einen gleich das dämmerungs- und nachaktive Macropodidae in seinen Bann schlägt – zum Leben erweckt von Stuntman Volker Zack, der Münchner Motion-Capture- und CGI-Schmiede Trixter („Sonic the Hedgehog“) sowie der Stimme von Schöpfer Kling.

Daneben treten unter anderem auf: Die überintegrierten türkisch-stämmigen Brüder Friedrich-Wilhelm (Adnan Maral) und Otto Von (Tim Seyfi), deren Eltern einen Billigbierladen, im Hauptstadtjargon auch als „Späti“ bekannt, betreiben. Eine wortgewaltige Kneipenwirtin (Carmen-Maja Antoni) – „Du bist hart, ich bin Herta“ –, Dwigs skrupellose Geliebte Jeanette, lustvoll gespielt von Anke Engelkes „Ladykracher“-Widerpart Bettina Lamprecht, und nicht zuletzt Marc-Uwes heimliche Flamme Maria (Rosalie Thomass), die als alleinerziehende Mutter Sohn Jesus großzieht. Schon dieses Besetzungspanoptikum verweist darauf, dass man es mit einem respektlose, wohltuend anarchischen Spektakel zu tun bekommt.

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Entsprechend entpuppt sich das trickreiche Känguru als geschickter Schnorrer, das sich zudem aufs Kicken versteht, so beispielsweise, wenn es einem Neonazi-Hund einen saftigen Tritt verpasst; trocken kommentiert versteht sich: „Diese Yorkshire-Terrier fliegen nicht so gut!“ Daneben findet sich auch noch Zeit, ein bisschen Leinwandgeschichte zu zitieren, von „Pulp Fiction“ über „... und täglich grüßt das Murmeltier“ bis hin zu „The Big Lebowski“. Das mag zwar alles nicht gerade politisch korrekt sein, unterscheidet sich aber grundsätzlich und höchst erfrischend von den miefigen heimischen Klamotten mit ihrem Schenkelklopferhumor. Den gibt es hier zwar auch – aber wohldosiert und durchaus originell eingesetzt.

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