Mystery aus deutschen Landen

"HINTER KAIFECK": Esther Gronenbaum pendelt zwischen Grusel- und Kriminalfilm

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Hinterkaifeck ist zunächst einmal ein bayerischer Einödhof, nahe Schrobenhausen, mitten im deutschen Spargelland. Ein Ort, den man landläufig nicht kennt, nicht kennen braucht. Dennoch ist der Weiler weit über die Grenzen der Republik bekannt. Wegen des sechsfachen Mordes, der sich hier 1922 ereignet hat. Eine Bauernfamilie ist mit der Spitzhacke ausgelöscht worden - vom Täter fehlt bis heute jede Spur. Da wundert es nicht, dass zum Thema schon viel recherchiert und geschrieben wurde, zum Beispiel vom Journalisten und Denkmalpfleger Peter Leuschner ("Hinterkaifeck - Deutschlands geheimnisvollster Mordfall") und der Schriftstellerin Andrea Maria Schenkel ("Tannöd").

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Die von Leuschner eingebrachte - und abgewiesene - Plagiatsklage gegen die Krimi-Autorin sorgte für weiteres Aufsehen. Nun ist, ganz logische Verwertungskette, das Kino dran. Ehe im November Bettina Oberlis "Tannöd" mit Julia Jentsch und Monica Bleibtreu anläuft, begibt sich aktuell Benno Fürmann ("Nordwand") nach "Hinter Kaifeck". Als Fotograf Marc verschlägt es ihn mit seinem Sohn Tyll (Henry Stange) in das Titel gebende Dorf. Hier trifft er im Gasthof auf die aufgeschlossene Bauerntochter Juliane (Alexandra Maria Lara), die ihm vom mörderischen Geheimnis dieses Ortes erzählt. Womit Regisseurin Esther Gronenborn, 2001 für "alaska.de" mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet, den Ton setzt: Mystery aus deutschen Landen ist angesagt, souverän umgesetzt, was schon der historische Prolog eindrucksvoll belegt. Sind Personen und Ort einmal etabliert, setzt der - für eingefleischte Fans vielleicht etwas zu leicht durchschaubare - Krimiplot ein, den die "Tatort"-erfahrenen Drehbuchschreiber Sönke Lars Neuwöhner und Christian Limmer bestens im Griff haben.

Irgendwie scheint Marc mit dem Verbrechen, das vor 80 Jahren geschah, im Zusammenhang zu stehen. Aber wie? Unheilvolle Visionen plagen ihn, rigider Katholizismus, Aberglaube und die Verschlossenheit der Dörfler machen ihm schwer zu schaffen. Immer wieder zieht es ihn zu dem im Wald gelegenen Hof, den einstigen Tatort - ein geradezu teuflisches Anwesen, dessen Existenz mit Ausnahme von Juliane die verschworene Dorfgemeinschaft geradezu leugnet.

Zunächst nimmt einen die düstere Stimmung gefangen. Christoph Valentiens Kamera macht die Schauplätze zu klaustrophobischen, bedrohlichen Orten, die ihre Bewohner geradezu gefangen halten. Dazu passen die Schreckensbilder in Marcs Kopf, die via Tonspur mit gruseliger Musik (Alexander Hacke) und wohl kalkulierten Soundeffekten verstärkt werden. Derweil hält Gronenborn alle Fäden fest in der Hand, weiß Fürmann zu führen und das Sympathiepotenzial Laras zu nutzen.

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Den Konventionen des Genrefilms folgt die Regisseurin, treibt die Story geradlinig dem spannenden Finale entgegen. Die Helden kämpfen um ihr Leben, die Rätsel werden (teilweise) gelüftet und die Bösen (zumindest ihre Nachfahren) bestraft. Gebhard Hölzl