Gefeierter Countertenor Valer Sabadus' barockes Gipfeltreffen mit Bach und Telemann

Von 
Stefan M. Dettlinger
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Mannheim. Wer den Countertenor Valer Sabadus schon gehört hat, weiß, mit welcher Klarheit und Milde er Barockmusik zu singen weiß. Auf dem neuen Album mit Werken von Bach und Telemann stellt der Counterstar das einmal mehr unter Beweis. Eine echte Entdeckung sind dabei vor allem die doch eher selten zu hörenden Vokalwerke Telemanns - etwa die Arie "Lass in Augen Feuer blitzen" aus "Sieg der Schönheit". Mit dem Kammerorchester Basel unter Julia Schröder findet Valer Sabadus zu einem betörenden Groove voller Seligkeit, über den er seine edlen Töne setzt. Besonders virtuos geht es in Telemanns "Ho disarmato il fianco" zu- Hier zeigt Sabadus die Beweglichkeit seiner Stimme. Die Koloraturen sind sauber gesungen und gleichzeitig nie technisch vom  Gehalt abgekoppelt. Die Phrasierung bleibt immer beseelt und im Dienste der Musik. Ein weiterer Höhepunkt ist das "Laudamus te" aus Bachs h-Moll-Messe, in dem vor allem auch der lange Atem und die kluge Phrasierung begeistern. Julia Schröder, erste Violinistin des Orchesters, macht das gut. Die Tempi sind immer organisch gewählt, die Rhythmen nie überzogen, sondern homogen dem Atem der Musik angepasst. Wie virtuos und zugleich tränenrührend Bachs Kosmos sein kann, beweist Schröder nicht zuletzt mit einer großartigen Interpretation des E-Dur-Konzerts für Violine - besonders das dunkle Adagio in cis-Moll (was bei tiefer Stimmung fast als c-Moll erklingt) in der Mitte des Konzerts entführt den Hörer in andere Welten. Ein überaus gelungenes Album mit den beiden Großmeistern des deutschen Barock.

Cover des neuen Albums von Valer Sabadus © Sony Classical
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Ressortleitung Stefan M. Dettlinger leitet das Kulturressort des „Mannheimer Morgen“ seit 2006. Er schreibt dort in erster Linie über Musiktheater und Klassik, aber auch über andere kulturelle Thematiken. Im Zentrum seines Interesses stehen vor allem auch die politische und kulturpolitische Berichterstattung. Davor, seit 2000, war Dettlinger Musikredakteur in der Kulturredaktion des „Südkurier“ in Konstanz. Dettlinger ist von Haus aus Musiker. Er studierte an der Humboldt-Universität zu Berlin am musikwissenschaftlichen Institut bei Hermann Danuser und Wolfgang Auhagen sowie dank eines Jahresstipendiums des Deutschen Akademischen Austauschdienstes am Conservatoire National Supérieur de Musique et de Danse de Paris bei Michel Béroff Klavier. Den Beginn des Studiums absolvierte er mit dem Musiklehrer-Diplom an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart, wo er Klavier, Musiktheorie, Gehörbildung und Komposition in den Hauptfächern sowie Gesang im Nebenfach studierte. Dettlinger stammt aus Stuttgart, wo er Abitur machte und die ersten 27 Jahre seines Lebens verbrachte. Im Herbst 2016 veröffentlichte er im Wellhöfer-Verlag seinen ersten Roman "Linds letzte Laune", der in der Medienwelt spielt.