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Windanlagen für den Garten

Man sieht sie überall im Land auf Feldern und im Meer: Windräder, die Energie produzieren. Doch nur wenige Haushalte nutzen diese Technologie zur Eigenproduktion von Wärme und Strom. Warum?

Von 
Simone Andrea Mayer
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Sie sieht man selten: Kleinwindanlagen können Energie für einzelne Privathäuser produzieren. © Axel Heimken/dpa/dpa-tmn

Wann immer Wind weht, könnte man damit Strom und sogar Heizwärme für seinen eigenen Haushalt erzeugen. Denn es gibt Windräder fürs Dach oder den Garten – die Kleinwindanlagen. Kleinwindkraft- oder Kleinwindenergieanlagen, wie sie auch bezeichnet werden, kommen auf Dächer, vor allem aber auf Masten im Garten oder auf dem freien Feld. Der Wind setzt sie in Bewegung, die daraus produzierte Energie wird Strom für den Hausgebrauch verwandelt.

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„Das Grundprinzip der horizontalaxialen Windturbinen ist dasselbe in der Klein- und Mikro- wie auch der Gigawatt-Klasse auf dem Feld“, sagt Joachim Sroka vom Bundesverband Kleinwindanlagen. Aber die Größe der Anlagen unterscheidet sich gewaltig: „Klein- und Mikrowindanlagen haben Rotorköpfe mit ein bis vier Metern Durchmesser.“ Und Sroka rät zu Masthöhen zwischen zwölf und 24 Metern. Ist die Anlage maximal zehn Meter hoch, braucht man in der Regel sogar keine Baugenehmigung.

Der Strom von Kleinwindanlagen lässt sich zum Betrieb von Heizstäben im Puffer- beziehungsweise Warmwasserspeicher nutzen. Oder zum Betrieb einer Wärmepumpe. Gerade in der kalten Zeit des Jahres lässt sich mit einer Windanlage am meisten Energie erzeugen – also dann, wenn man auch Heizwärme braucht. Das ist das Problem einer Solarthermieanlage: Ihre Energie bräuchte man am ehesten auch vom Herbst bis ins Frühjahr, sie produzieren aber 80 Prozent ihres Jahresertrags von März bis Oktober.

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dpa
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„Eine Windenergieanlage ist eine relativ hohe Investition, die sich erst über längere Zeit amortisiert“, sagt Sroka. Interessenten müssen mit 5500 Euro pro kW-Leistung rechnen. „Wenn man einen ganzen Haushalt versorgen möchte – und das erst mal nur mit Strom für den eigenen Bedarf, ohne Heizung – dann braucht man allein im Winter eine Anlage mit fünf kW.“

Es kann es sein, dass man eine Baugenehmigung braucht. So steht in den Wohngebäuden meist zu wenig ausreichende Flächen zur Verfügung, um so eine Anlage installieren zu können. „Man muss baurechtlich Schattenwurf, Schallschutz und Abstandsflächen berücksichtigen. Hier gibt es momentan sehr restriktive Vorgaben“, so Sroka.

Masthöhe ab zwölf Meter

Trotzdem gibt es Möglichkeiten für den privaten Haushalt: Die niedrigen Anlagen bis zehn Meter Höhe, die genehmigungsfrei sind. Allerdings muss an ihrem Standort die Hauptwindrichtung barrierefrei sein, damit sich diese Anlagen lohnen. „Aber das ist in den seltensten Fällen der Fall“, sagt Sroka. Er rät daher zu Masthöhen ab zwölf Metern.

Beim Standorte kommt zum Tragen, was bereits für die kleineren Anlagen mit unter zehn Metern Höhe gilt: der Wind, seine Richtung und die Stärke. Der Wind braucht Anlauf: Schon ein Haus oder ein Strauch, die in der Hauptwindrichtung der Anlage liegen, verringern die Energieproduktion, erklärt die Energieberatung der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Und sogar ein Wald, der in 50 Metern Entfernung zum Haus beginnt, kann sich entsprechend ungünstig auf die Produktion von Strom auswirken.

Und dann muss ganz grundsätzlich der Wind in der Region stark genug wehen. Laut Joachim Sroka liegt die durchschnittliche mittlere Windgeschwindigkeit in Deutschland bei zwei bis acht Meter pro Sekunde. Im Norden, gerade an den Küsten, seien es sieben bis 7,5 Meter pro Sekunde, im Binnenland nur zwei bis 4,5 Meter pro Sekunde. „Ich rate dazu, keinen Standort zu wählen, wo der Wind durchschnittlich unter drei Meter pro Sekunde weht.“

Auch der Bundesverband WindEnergie und die Energieberater der Verbraucherzentrale empfehlen, die Windzone des Grundstücks bei der Planung zu überprüfen. „Generell ist Küstennähe oder eine Höhenlage von Vorteil, aber auch freie Flächen vor und hinter dem Windrad müssen vorhanden sein.“ Das kann einen signifikanten Unterschied bringen: So liefere ein guter Standort den achtfachen Ertrag gegenüber einem schlechten Standort mit einer nur halb so hohen mittleren Windgeschwindigkeit.

Stromproduktion vorrangig

Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt Lars Möller, Energieexperte der Verbraucherzentrale Niedersachsen: „Kleinanlagen machen nur in freier Gegend und dann auch möglichst hoch und nicht auf dem Dach und bei ausreichendem Dauerwind Sinn, also in der Regel fast nie.“

Für ihn bedeutet das sogar, dass die Anlagen für normale Haushalte „keine überlegenswerte Option“ sind. Er würde das Thema „nur in einem ganz speziellen Umfeld ansprechen“, etwa für Landwirte.

Es gibt auch Kleinwindanlagen fürs Dach, aber diese halten die Energieberater der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg für keine gute Idee. So würde das Gebäude dafür sorgen, dass die Windströmung verwirbelt und der Ertrag schlecht ist. Und die Vibrationen der Rotoren könnten direkt am Haus als störend empfunden werden.

Experte Sroka empfiehlt für Einfamilienhäuser vorrangig das Decken des eigenen Strombedarfs, „weil die Stromkosten derzeit noch höher sind als die Heizkosten“. Im zweiten Schritt würde er mit Überschüssen der Stromproduktion die Heizungswärme abdecken.

So oder so rät er zu einer Hybridlösung: „Wenn Sie nur auf Windenergie setzen, ist das nicht ganz ungefährlich. Denn wenn Sie mal eine Woche Flaute haben, dann bekommen Sie keine Energie. Aber in der Regel ist Flaute verbunden mit schönem Wetter.“ Hier übernimmt dann also die Photovoltaikanlage und ergänzt den Energiemix.

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