Vitamine von der Fensterbank

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Die Ungeduld ist am Ende des Winters bei meiner gartenbegeisterten Familie groß. Buddeln, jäten, pflanzen und ernten – das hat uns schon sehr gefehlt. Zwar scheint zwischendurch schon die Sonne, doch der Boden ist vom weggetauten Schnee einfach nur durchgematscht. Also beginnen wir die Saison mit einem Projekt auf der Fensterbank. Die Kinder haben sich das Säen von Kresse gewünscht. Ein Klassiker bei uns. Doch inzwischen gibt es so viel Spannenderes: Fenchel, Kichererbsen, Senfkohl oder rote Radieschen – alles im Kleinstformat.

Die Autorin

Daniela Hoffmann ist seit 2001 Redakteurin beim „Mannheimer Morgen“ und lebt in der Pfalz auf einem ehemaligen Winzerhof. Dort ist Gärtnern zu ihrem Hobby geworden. Von Pflanz-Experimenten und Begegnungen mit Gärtnern, Floristen, Landwirten und Naturschützern erzählt sie in ihrer Kolumne.

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„Microgreens heißen diese ganz jungen Gemüse- und Kräuterpflanzen, die schon zehn bis 16 Tage nach der Aussaat geerntet werden“, erklärt mir Robert Stimac, den ich nach einer Sorte mit Gelinggarantie frage. Schließlich braucht mein Gärtnernachwuchs zum Frühlingsbeginn ein Erfolgserlebnis.

Robert Stimac und seine Geschäftspartnerin Verena Mayer bezeichnen sich als urbane Indoorfarmer und kultivieren Microgreens ganzjährig in der Mannheimer Neckarstadt. Angefangen hat auch ihre Produktion auf einer Fensterbank. Inzwischen bauen die beiden die „Greenies“ in Regalen in einem Gewerberaum an – je nach Kunden-Bedarf zwischen 20 und 30 Sorten.

Das Saatgut bringen die Unternehmer auf Kokospads aus, die in großen Plastikboxen liegen. „Ich streue unsere Kressesamen immer auf Watte, die wir zuvor mit Wasser getränkt und dann in ein flaches Glasschälchen gelegt haben“, erzähle ich Robert Stimac von unseren laienhaften Zuchtversuchen daheim. „Das funktioniert vom Grundsatz natürlich auch“, meint der Biologe. Allerdings sind die Kokos-pads ein deutlich robusteres Substrat, das leichter zu handhaben ist und den Pflänzchen etwas mehr Halt gibt.

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Bevor es losgeht, werden die Kokospads abgewaschen und über Nacht in Wasser eingeweicht. Auch manche der Mircogreen-Samen sollten eingeweicht werden – wie Erbsen und Sonnenblumen. Nach nochmaligem Durchspülen werden die Kokospads auf einen Teller gelegt und das Saatgut darauf verteilt. Dabei sollten Klümpchen vermieden werden.

In der Keimphase werden die Samen mit einer durchsichtigen Haube abgedeckt. „Das muss gar nichts besonderes sein – durchsichtige Eisverpackungen reichen völlig aus“, sagt Robert Stimac. Doch Wasser, Wärme, Sauerstoff und Licht brauchen die sogenannten Lichtkeimer.

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Nach drei bis fünf Tagen, wenn sich das erste Grün zeigt und die ersten Wurzeln ausgebildet sind, kann die Schutzhaube weg. Die helle Fensterbank ist jetzt der ideale Ort zum Wachsen. „Weiterhin jeden Tag ein Schluck Wasser, dann können die Greenies geerntet werden, sobald sie zwei Keimblätter ausgebildet haben. Einfach Stängel abschneiden und probieren“, sagt Robert Stimac.

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Radieschen, Rucola oder weißen Senf empfiehlt der Experte für die ersten Versuche zu Hause. Denn die sind einfach in der Handhabung und schon nach etwa zehn bis zwölf Tagen fertig.

Mit dem Grünkraut lassen sich Salate, Sandwiches und frisch Gekochtes toll garnieren. Noch dazu schmecken sie sehr aromatisch und stecken voller Vitamine und Mineralstoffe. Da kann ich selbst meine Kinder für gesundes Essen begeistern. Wenn das kein guter Start in das kommende Frühjahr ist..