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Ein Garten für die Nase

Viele Pflanzen bleiben nicht wegen ihrer schönen Blüten oder ihres tollen Wuchses in Erinnerung – sondern wegen ihres intensiven Dufts, den sie zu manchen Jahres- oder Tageszeiten versprühen

Von 
Dorothée Waechter
Lesedauer: 
So riecht der Sommer: Pflanzen bieten oft eine wunderbare Duftvielfalt – von frisch und würzig bis schwer wie ein Parfüm. © Me Lukashevich/Westend61/dpa-tmn

An einem lauen Sommerabend, wenn die Sonne allmählich untergeht, breitet sich das süßliche, schwere Parfüm der Duftenden Nachtkerze aus. Es dauert nun nicht lange, bis bei ihr die ersten Nachtschwärmer ankommen, um die frisch geöffneten Blüten zu bestäuben. Die Pflanze ist nur eines von vielen grünen Beispielen, die einen besonders intensiven Blütenduft verströmen. Das ist zum einen lebensnotwendig für viele Pflanzen, denn damit locken sie Nützlinge an oder wehren Fressfeinde ab. Und zum anderen dient der Duft als Form der Kommunikation von Pflanzen untereinander. Positiver Nebeneffekt: Wir Menschen profitieren von den duftenden Bewohnern unserer Gärten. Sie werden umso mehr zu einem sinnlichen Erlebnis.

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„Es arbeiten nicht nur Augen, Mund, Ohren und Haut als Sinnesorgane, sondern auch die Nase“, sagt Sarah Stiller. Die Buchautorin und Bloggerin aus München geht das ganze Jahr über gerne bewusst durch ihren Garten. Rosen-, Flieder- und Holunderblüten nimmt ihre Nase dabei sofort wahr, sagt sie. Sie riecht auch Bärlauch und mit etwas mehr Aufmerksamkeit lassen sich die Blätter von Schwarzen Johannisbeersträuchern wahrnehmen. Allerdings muss man der Duftentfaltung manchmal auf die Sprünge helfen. Duftgeranien oder Tomaten zum Beispiel entfalten das Parfüm der Blätter erst durch Berührung.

Ein Beet, eine Duftrichtung

Sarah Stiller rät, sich bei der Planung eines Beetes aber nur für eine Duftrichtung zu entscheiden. „Zitronige, würzige oder schwere süßliche Düfte sollte man nicht miteinander vermischen.“ So fällt es leichter, einzelne Duftpflanzen gezielt in eine vorhandene Planung zu integrieren. Will man verschiedene Richtungen erschnuppern, so verteilt man sie besser an verschiedene Stellen im Garten.

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„Farblich ist es eigentlich nicht allzu schwer, Blumen mit duftenden Blüten in die Gartengestaltung zu integrieren“, sagt Sarah Stiller. Häufig sind es Pflanzen mit weißen oder unscheinbaren Blüten, die ein feines Parfüm einsetzen, um auf sich aufmerksam zu machen. Als Beispiele nennt sie den Duftsteinrich (Lobularia maritima) und die Orangenblume (Choisya ternata). Die einjährige Resede (Reseda odorata) trägt an den kerzenförmigen Blütenständen winzige cremefarbene Blüten, die meist erst der Nase und dann dem Auge auffallen.

Karen Schoebel ist es wichtig, dass Duftpflanzen an einem Sitzplatz gut zur Geltung kommen. „Die entspannende Wirkung des Blütenparfüms kann man in der ruhigen Atmosphäre gut spüren“, findet die Gärtnermeisterin und Inhaberin einer Duftgärtnerei in Bergen an der Dumme (Niedersachsen). Allerdings muss man hier bedenken, dass die Pflanzen nicht immer gleichbleibend duften: Wie die Blüte und Präsenz einzelner Pflanzen wandelt sich auch das Duftspektrum von Frühling bis Herbst.

Während im Frühling die Duftveilchen (Viola odorata) ihr feines Parfüm verströmen, übernimmt zum Beispiel der blaublühende Wald-Phlox (Phlox divaricata) im Frühsommer. Im Anschluss erfüllen Levkojen (Matthiola incana) die Luft. Und die Duftnote eines Gartens ist nicht zu allen Tageszeiten gleich: Während Frühlingsblüher wie Hyazinthen (Hyacinthus orientalis) und Tulpen (Tulipa) schon am Vormittag duften, entfalten die sommerlichen Nachtdufter erst in der abendlichen Dämmerung ihr Parfüm. Zu Letzteren gehören neben den Nachtkerzen (Oenotherea), die Mondviole (Lunaria annua) und die Wunderblume (Mirabilis jalapa).

Im Nutzgarten integrieren

Auch die Witterung spielt eine Rolle: Sonneneinstrahlung fördert die Duftentwicklung, Wind nicht. „Nur, wenn es windstill ist, bleibt die Wolke mit den ätherischen Ölen an einer Stelle“, sagt Sarah Stiller.

Duftpflanzen brauchen kein eigenes Beet. Sie lassen sich auch gut in den Nutzgarten integrieren. „Zwischen Reihen von Salat, Gemüse und Obst sollten die Duftpflanzen verwendet werden, um Nützlinge und Bestäuber anzulocken“, rät Stiller. Im Frühling kann man in den schattigen Bereichen nahe dem Kompost Nachtviolen (Hesperis matronalis) pflanzen und an einem Drahtgitter Duftwicken (Lathyrus odoratus) in die Höhe ziehen. Die Bartnelke (Dianthus barbatus), eine beliebte Schnittblume, braucht nur in der ersten Sommerhälfte etwas mehr Platz. So dient sie geschickt als Platzhalter für späte Kohl- und Salatsorten.

Adieu Motten und Mücken

Andere Pflanzen halten im Gemüsebeet Schädlinge fern, zum Beispiel der Lavendel verschiedene Läuse. Aber vor allem der für uns meist sehr herbe und eher als unangenehm empfundene Geruch der Studentenblumen (Tagetes) leistet im Gemüsebeet Dienste bei der Schädlingsabwehr.

Übrigens: Mücken und Motten lassen sich vom Schlafzimmer und auch der Terrasse fernhalten, wenn man die Weihrauch-Pflanze (Plectranthus coleoides) in die Kästen am Fenster setzt, rät Gärtnermeisterin Karen Schoebel.

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