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Auf eine Kanne Tee

Manche Pflanzen können anderen Pflanzen helfen. Das ist in etwa so, als würden wir einen gesundheitsfördernden Tee trinken – oder eine stärkende Brühe als Vitamin-Cocktail

Von 
Dorothée Waechter, Simone A. Mayer
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Hausmittelchen für die Gießkanne: Brühe aus Rhabarberblättern, Kräutertees oder Jauche können die Widerstandskraft von Pflanzen stärken oder sogar Schädlinge vertreiben. © Christin Klose/dpa-tmn

Gesunde Pflanzen wachsen kräftig, blühen üppig und liefern eine wohlschmeckende Ernte. Schwache Pflanzen sind dagegen anfällig für Krankheiten und Schädlinge. Wichtige Nährstoffe können helfen. Zwei Möglichkeiten gibt es: Pflanzenstärkungsmittel aus dem Handel, quasi ein Vitamin-Präparat. Oder Sie setzen auf günstige und selbst herstellbare Hausmittel, die ebenfalls viele gute Inhaltsstoffe weitergeben. Man spricht hier gemeinhin von pflanzlichen Hilfsmitteln.

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„Traditionell werden aus Kräuterblättern, Gemüse und Blütenstauden Jauchen, Brühen, Tees, Kaltwasserauszüge und Extrakte zubereitet“, zählt die Buchautorin Natalie Faßmann verschiedene Varianten auf. Die Rezepte basieren auf altem Gärtnerwissen, sie helfen den Pflanzen in erster Linie vorbeugend. Ein Schaden oder ein Schädlingsbefall kann mit diesen selbst hergestellten Hilfsmitteln nur auf ein erträgliches Maß reduziert werden. Die Pflanzenjauche enthält viele Nährstoffe, vor allem Stickstoff und Kalium. Sie kann aber auch dazu dienen, Schädlinge abzuschrecken.

In den gängigen Rezepturen werden ein Kilogramm frische oder 100 bis 200 Gramm getrocknete sowie grob zerkleinerte Pflanzenteile mit zehn Liter Wasser vermischt. Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) rät zu Regenwasser. Der Ansatz wird regelmäßig umgerührt, damit Sauerstoff in die Mischung kommt. Dabei merkt man deutlich einen unangenehmen Geruch. „Rühren Sie einfach ein bis zwei Hände Urgesteinsmehl in die Jauche“, rät Nabu-Referentin Verena Jedamczik. Es bindet nicht nur den Geruch, sondern wertet die Jauche auch auf.

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Man lässt die Jauche rund 14 Tage lang an einem warmen Ort ziehen, an einem kühleren Standort dauert die Gärung länger. Die Jauche ist fertig, wenn sich keine Blasen mehr bilden. Viele Jauchen sind vergleichbar mit schnell wirkenden Flüssigdüngern, so Natalie Faßmann. Der enthaltene Stickstoff wird von den Pflanzen sofort aufgenommen. Brennnessel und Beinwell sind die beiden gebräuchlichsten Pflanzen zur Herstellung der Pflanzenhilfe. Brennnessel liefert neben dem genannten Stickstoff auch noch Kieselsäure und Eisen, Beinweil zusätzlich Kalium und Gerbstoffe.

Jauche schreckt Schädlinge ab

Eine Jauche aus Holunderblättern wirkt hingegen über die enthaltenen Duftstoffe: Sie schrecken Schadinsekten ab und vertreiben sie. Der Hilfsstoff vergrämt aber auch Wühlmäuse. Dazu gießt man die Holunderjauche in die Beetgänge. Eine Jauche muss verdünnt werden, entweder im Verhältnis 1:10 für das Verteilen mit der Gießkanne, so der Nabu. Oder im Verhältnis von 1:50 zum Sprühen auf die Blätter.

Auch ein Tee verbessert die Widerstandskraft der Pflanze oder wehrt Schädlinge ab. Für ihn werden die Kräuter mit kochendem Wasser in gleichem Verhältnis wie für die Jauchen übergossen und müssen anschließend 15 bis 20 Minuten ziehen – wie Tee für uns Menschen eben auch. Natalie Faßmann rät, den Topf mit einem Deckel zu verschließen, damit die leichtflüchtigen, ätherischen Öle vom Deckel in das Gefäß zurücktropfen und nicht verdunsten und verloren gehen. Tees werden unverdünnt angewendet. Ackerschachtelhalme zum Beispiel eignen sich dafür. Sie stärken die Zellwände der Pflanzen, beugen Pilzbefall vor und geben Kalium und Saponin ab.

Ein Klassiker ist der Zwiebeltee, mit einem leicht abgewandelten Rezept. Der Nabu rät, 75 Gramm Zwiebel und Blätter mit zehn Liter Kochwasser zu übergießen und das Ganze zehn Minuten lang ziehen zu lassen. Alle zwei Wochen unverdünnt auf die Pflanzen aufgesprüht, soll dieser Tee gegen Pilzbefall wirken.

Für eine Brühe werden die Pflanzenteile zunächst 24 Stunden in kaltem Wasser eingeweicht. Anschließend wird das Gemisch für 15 bis 30 Minuten gekocht. Dann im Verhältnis 1:10 vorbeugend zur Abwehr gegeben oder im Verhältnis 1:20 zur Blattdüngung versprüht. Ein beliebtes Hausmittel ist die Brühe aus Rhabarberblättern aus zum Beispiel 500 Gramm Blätter und drei Liter Wasser. Sie wird unverdünnt gegen Lauchmotten und Schwarze Bohnenlaus verwendet.

Beim Kaltwasserauszug wird auf das Erhitzen verzichtet. Die Pflanzen weichen einen bis drei Tage in kaltem Wasser. Diese werden anschließend abgeseiht und der Auszug pur oder im Verhältnis 1:1 mit Wasser verdünnt angewendet. Ein gerne gegebener Tipp ist der Kaltwasserauszug von Kamillenblüten, mit dem Samen vor der Aussaat gebeizt werden, um einen Befall der Sämlinge mit Pilzen zu verhindern. Der Nabu rät zur Schafgarbe für den Auszug, ebenfalls zur Vorbeugung von Pilzen sowie von saugenden Schädlingen.

Hilfsmittel aus dem Garten

Für diese natürlichen Hilfsmittel lassen sich viele Pflanzen im eigenen Garten ernten. Brennnessel und Schafgarbe beispielsweise, also etwas, was viele Gartenbesitzer eh nicht im Garten haben wollen. Sie kann man den Sommer über ernten, trocknen und einen Vorrat einlagern. „Wer in der Natur erntet, muss das Bundesnaturschutzgesetz beachten“, sagt Verena Jedamczik. Es ist verboten, wildlebende Pflanzen von ihrem Standort zu entnehmen – ausgenommen für den persönlichen Bedarf und unter Berücksichtigung einiger Bedingungen. Voraussetzung ist beispielsweise eine maßvolle Ernte und die vorherige Prüfung, dass sich keine Tiere wie Schmetterlingsraupen darauf befinden. Weiterhin zählt es zur Grundhygiene im Garten, zum einen nur gesunde Pflanzenteile und zum anderen keine Samenstände zu ernten. Dann können die abgesiebten Pflanzenteile von Jauche, Tee, Brühe und Kaltwasserauszug bedenkenlos auf den Kompost gegeben werden.

Übrigens: Verena Jedamczik rät, zwischen einer Spritzung mit einem pflanzlichen Präparat und der Ernte der so gestärkten Pflanze ein bis zwei Wochen zu warten. Manche Bestandteile sind giftig, etwa Rainfarn. „Und Jauchen beeinflussen mit ihrem Geruch den Geschmack“, so die Nabu-Referentin.

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