Handel - Auch bei Handyverträgen oder Versicherungen können Verbraucherinnen und Verbraucher etwas am Preis ändern

Zehn Tipps fürs Feilschen

Von 
Matthias Urbach
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Den Mobilfunkvertrag wechseln? Nach der Kündigung macht die Verkaufsabteilung Verbraucherinnen und Verbrauchern meist ein besseres Angebot. © dpa

Berlin. Beim Autohändler noch mal einen Rabatt einfordern? Sicher. Die Möbelverkäuferin um einen Nachlass bitten? Na klar. Aber Feilschen funktioniert nicht nur von Angesicht zu Angesicht. Auch wenn Verbraucherinnen und Verbraucher den Anbieter nur von der Hotline her kennen, lässt sich durchaus bei Vertragsverlängerungen etwas am Preis machen. Bei Handytarifen zum Beispiel oder bei der Autoversicherung, wie eine Leserumfrage des Geld-Ratgebers Finanztip offenbart. Mehrere Hundert Leserinnen und Leser haben teilgenommen – und von fast 1600 Verhandlungen mit Anbietern berichtet. Es ist zwar keine repräsentative Umfrage, aber deutet an, wie normal das Feilschen ist: In zwei von drei Fällen konnten die Verbraucher etwas heraushandeln. Mal mehr, mal weniger. Weil jedoch viele Verbraucher noch keine Erfahrungen haben, hat Finanztip ein paar Tipps zusammengestellt. Die folgenden zehn Regeln haben sich bewährt:

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Nicht mit einem schlechten Preis starten: Mit dem ersten Vertrag legt ein Kunde fest, was er bereit ist zu zahlen. Wer als neuer Kunde teuer bei einem Anbieter einsteigt, hat es später schwer, bei der Verlängerung ein günstigeres Angebot zu bekommen. Verbraucher sollten daher am besten bei einem vernünftigen Sonderangebot einsteigen. Das hat sich in der Vergangenheit besonders bei Sky bewährt, das Medienunternehmen arbeitet allerdings inzwischen nicht mehr so sehr mit Lockangeboten wie früher.

Rechtzeitig kündigen: Solange man noch kein Kunde ist, locken einen die Anbieter großzügig: Anfangs sind die Monatsbeiträge attraktiv, doch nach sechs oder zwölf Monaten steigen die Kosten deutlich. Ist die Genehmigung zur Lastschrift erst mal erteilt, setzen Anbieter darauf, dass Verbraucher sie vergessen – und weitere Preiserhöhungen nicht bemerken. Das gilt besonders für die Autoversicherung – oder Strom- und Gasverträge. Viele Verträge verlängern sich gleich um ein Jahr, manchmal steigt dabei der Preis erneut, etwa bei Handy- oder Internetverträgen. Deshalb sollten Kunden rechtzeitig kündigen. Nichts spricht dagegen, schon ein paar Wochen nach Abschluss – sobald alles rundläuft – zum Ende der Laufzeit hin zu kündigen. Das geht meist bequem per Mail.

Etwas Geduld haben: Jeder moderne Anbieter hat eine Verkaufsabteilung. Die wird nach der Kündigung irgendwann ein besseres Angebot unterbreiten, meist als Brief, oft sogar telefonisch. Egal ob 1und1, O2 oder Sky: Vier bis sechs Wochen vor Ablauf des Vertrags kommt in aller Regel ein brauchbares Angebot.

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Nicht das erstbeste Angebot nehmen: Oft rücken Anbieter nicht gleich mit dem besten Deal heraus. Kunden sollten also ruhig abwarten, wenn noch Zeit ist. Sky zum Beispiel war lange bekannt dafür, zunächst schlechtere Angebote mit der Post zu schicken. Und so folgte auf das erste Angebot oft das zweite und dritte – mit besseren Konditionen. Das klappt aber nicht immer.

Anbieter mit deren Neukundenpreisen konfrontieren: Es ist gut, vorbereitet zu sein, wenn der Kundendienst anruft. Verbraucher sollten auf der Webseite ihres Anbieters nachsehen, welche Angebote Neukunden gerade bekommen. Wer diesen Preis für die Vertragsverlängerung verlangt, hat meist gute Karten. Alternativ können es auch die Preise der Konkurrenz sein – der Anbieter weiß ja, dass der Kunde wechseln kann.

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Immer höflich bleiben, aber bestimmt: Wer keine Lust hat zu warten, kann auch selbst die Initiative ergreifen und das Gespräch mit dem Anbieter suchen. Wichtig dabei: Die Leute in der Hotline machen auch nur ihren Job. Kunden sollten ihren Wunsch und möglichen Ärger stets ruhig und nachvollziehbar formulieren. Dann ist oft einiges drin.

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Das Angebot genau vorrechnen lassen: Viele Preise setzen sich kompliziert zusammen. Deshalb sollten sich Verbraucher ein herausgehandeltes Angebot stets genau beschreiben lassen. Manchmal erhöht sich der Preis nach drei Monaten wieder. Manchmal war die Gebühr für ein Extra (zum Beispiel die zweite SIM-Karte oder die UHD-Auflösung beim TV) bislang inbegriffen und wird neuerdings extra berechnet. Kunden sollten aufpassen, dass sie am Ende nicht dasselbe zahlen, nur für etwas anderes.

Keine vorzeitige Vertragsverlängerung akzeptieren: Ein beliebter Trick der Verkaufsabteilungen ist, eine Kleinigkeit anzubieten, aber dafür die Laufzeit gleich um 12 oder 24 Monate zu verlängern. Kunden sollten das allerdings nur akzeptieren, wenn es dafür ein sehr gutes Angebot gibt, also eines, das denen für Neukunden entspricht.

Die Konkurrenz im Blick behalten: Hilft alles Feilschen nichts und die Konkurrenz hat einfach die besseren Angebote, dann sollten sich Verbraucher auch die Mühe machen und wechseln. So wird der Anbieter auf Trab gehalten – und das macht es wahrscheinlicher, dass der nächste Kunde beim Feilschen Erfolg hat.

Mit Freunden austauschen: Wer etwas heraushandelt, sollte das ruhig herumerzählen. Damit auch andere von den Erfahrungen profitieren. Allerdings reagieren auch die Anbieter immer wieder mal darauf – und ändern ihre Strategie. zrb

Dieser Beitrag erscheint in Kooperation mit finanztip.de. Der Geld-Ratgeber für Verbraucher ist Teil der Finanztip-Stiftung.