Nationaltheater Oper-Arien statt Oktoberfest-Orgien

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Stefan M. Dettlinger
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Werden sich bald trennen: Opernintendant Albrecht Puhlmann (links) und Generalmusikdirektor Alexander Soddy. © Stefan Dettlinger

Mannheim. Mannheims Opernintendant Albrecht Puhlmann hat bestätigt, was seit einiger Zeit erwartet wurde: Auf dem Platz des Mannheimer Oktoberfestes in der Nähe des Technoseums wird die vierte Spielstätte der Mannheimer Oper während der Sanierung des Haupthauses am Mannheimer Goetheplatz installiert werden. Dort wird laut Puhlmann für fünf Jahre eine provisorische Ersatzspieltstätte errichtet. Nachdem es vom Besitzer des Trafowerks in Käfertal überzogene finanzielle Vorstellungen gegeben habe, sei der "entscheidende Premierenspielort" damit gefunden worden, so Puhlmann im Interview mit Matthias Bretschneider von den Freunden und Förderern des Nationaltheater Mannheim in der virtuellen Begegnung, an der mehr als 80 Freundinnen und Freunde teilgenommen haben. "Am Oktoberfestplatz werden wir für fünf Jahre einen provisorischen Theaterstandort hinstellen. Wir werden dort auch große Wagner- und Verdi-Opern spielen", sagte er und verwies darauf, dass "eine Attraktivität" geschaffen werden müsse, um die Menschen, die dorthin fahren, nicht zu enttäuschen.

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Bei der provisorischen Spielstätte war zuletzt von der Prüfung einer Leichtbauhalle aus Stahl und Aluminium mit der nötigen Wärmedämmung und Akustik gesprochen worden. Der Geschäftsführende Intendant Marc Stefan Sickel kündigte Anfang Februar an, es werde eine „finale Präsentation der Interimskonzeption“ in den gemeinderätlichen Gremien der Stadt beginnend ab Ende März geben. Nun tagt, auf Anfrage der Grünen und der SPD, der Kulturausschuss bereits am Mittwoch, 3. März.

Gleichzeitig sagte Puhlamann in Bezug auf die Corona-Pandemie auch, dass klar sei, "dass wir bis Ostern nicht spielen werden". Eine Schließung des Hauses am Goetheplatz bis Ende März war ohnehin klar. Somit ist mit einer Öffnung des NTM frühestens erst nach dem 6. April zu rechnen.

Puhlmann warf auch einen Blick in die Spielzeit 2021/22. "Auch die nächste Saison wird keine normale Saison sein", sagte er. Es stehe der Abschied des überaus geschätzten Generalmusikdirektor Alexander Soddy an, bevor man das Haus für die Sanierung verlassen werde, so Puhlmann.

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Bislang war bekannt, dass die Oper des NTM den Pfalzbau Ludwigshafen für Repertoirevorstellungen nutzen werde. Im Rokokotheater des Schwetzinger Schlosses werde es Puhlmann zufolge einen Mozart'schen Da-Ponte-Zyklus in Kooperation mit dem Mozarttheater in Prag geben - im Rahmen des Mannheimer Sommers 2024. Puhlmann sprach auch von einer (erstmaligen) Aufführung im Rahmen der Schwetzinger Festspiele. Der Musensaal des Mannheimer Rosengartens diene der Oper zu konzertanten Aufführungen - auch für Familien.

Ressortleitung Stefan M. Dettlinger leitet das Kulturressort des „Mannheimer Morgen“ seit 2006. Er schreibt dort in erster Linie über Musiktheater und Klassik, aber auch über andere kulturelle Thematiken. Im Zentrum seines Interesses stehen vor allem auch die politische und kulturpolitische Berichterstattung. Davor, seit 2000, war Dettlinger Musikredakteur in der Kulturredaktion des „Südkurier“ in Konstanz. Dettlinger ist von Haus aus Musiker. Er studierte an der Humboldt-Universität zu Berlin am musikwissenschaftlichen Institut bei Hermann Danuser und Wolfgang Auhagen sowie dank eines Jahresstipendiums des Deutschen Akademischen Austauschdienstes am Conservatoire National Supérieur de Musique et de Danse de Paris bei Michel Béroff Klavier. Den Beginn des Studiums absolvierte er mit dem Musiklehrer-Diplom an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart, wo er Klavier, Musiktheorie, Gehörbildung und Komposition in den Hauptfächern sowie Gesang im Nebenfach studierte. Dettlinger stammt aus Stuttgart, wo er Abitur machte und die ersten 27 Jahre seines Lebens verbrachte. Im Herbst 2016 veröffentlichte er im Wellhöfer-Verlag seinen ersten Roman "Linds letzte Laune", der in der Medienwelt spielt.