Baugenehmigung ist beantragt

Von 
Peter W. Ragge
Lesedauer: 
Geht es hier im Sommer 2021 oder doch erst ein Jahr später los? Nach der Generalsanierung des Nationaltheaters soll das Untere Foyer jedenfalls tagsüber immer allen Besuchern offen stehen. © Prosswitz

Etwa 200 Unterschriften hatte Kulturbürgermeister Michael Grötsch zu leisten, 30 dicke Aktenordner füllten die ganzen Papiere. Aber jetzt ist es geschafft: Die Baugenehmigung für die Generalsanierung des Nationaltheaters wurde offiziell eingereicht. Als Absender fungiert das Kulturdezernat, adressiert ist sie an die Baurechtsbehörde. Auch wenn beide städtische Dienststellen sind, müssen sie doch den formalen Weg einhalten. Ein Termin für den Baubeginn steht bisher nicht fest.

Die Preise klettern

  • 200 Millionen Euro kostet die Generalsanierung. Dazu kommen 40 Millionen Euro für den Umbau vom Probezentrum Neckarau und ein neues Zentrallager. Gesamtbetrag: 240 Millionen Euro. Davon kommen 120 Millionen Euro als Zuschuss vom Bund und 60 Millionen Euro vom Land, den Rest trägt die Stadt.
  • Schon jetzt ist klar, dass die genannten Baukosten wohl nicht reichen. Dies liegt einmal an einer Umplanung für den neuen Orchesterprobensaal. Er solle nun komplett unterirdisch unter dem bestehenden Theatergebäude entstehen. Das wurde im Dezember 2018 mitgeteilt. Zuvor war vorgesehen, einen Neubau auf dem östlichen Theatervorplatz zu errichten, dessen Glaskonstruktion vier Meter herausragen würde. Gegen diesen massiven Baukörper gab es Einwände von Denkmalschutz und Kommunalpolitik. Die Umplanung kostete aber Geld.
  • Mit den Plänen für die Baugenehmigung wurde auch eine neue Kostenberechnung in Auftrag gegeben. Die soll im Herbst vorliegen, dann geprüft und veröffentlicht werden.
  • Die bislang vom Architekturbüro Schmucker kalkulierten Preise haben den Stand von Frühjahr 2018, sind also schon eineinhalb Jahre alt. Für Baupreissteigerungen sind da jährlich vier Prozent bis 2021 eingerechnet. Laut Statistischem Bundesamt klettern die Baupreise derzeit aber um 4,7 Prozent jährlich – Tendenz steigend. „Ein Jahr Verzögerung macht zehn Millionen“, hat Architekt Andreas Schmucker schon lange gewarnt. 
AdUnit urban-intext1

Üblicherweise dauert die Prüfung von Bauanträgen, ob alle gesetzlichen Vorschriften eingehalten sind, mehrere Monate. Im Fall des Nationaltheaters, das den Rang eines „Kulturdenkmals besonderer Bedeutung“ hat, ist zudem ausführlich der Denkmalschutz zu hören, auch wenn er bei der Planung schon einbezogen war.

Sanierungsbeginn offen

Lange war von einem Beginn der Generalsanierung zum Spielzeitanfang 2021/22 die Rede. Aber bereits in der Vorlage für die Maßnahmegenehmigung durch den Gemeinderat im Dezember 2018 hatte die Stadtverwaltung den Termin vorsichtig relativiert. Als Begründung verwies sie darauf, dass noch gar keine Baugenehmigung vorliegt und schrieb, mit dieser werde „Mitte 2019 gerechnet“. Doch die ist jetzt, Mitte 2019, erst beantragt worden. „Eventuell zusätzlich benötigte Prüffristen, Vergabeproblematiken oder Verzögerungen im Baugeschehen können zu Änderungen im geplanten Soll-Ablauf führen“, heißt es dazu 2018.

In einem früheren, dem Gemeinderat im Sommer 2018 zugeleiteten Terminplan des verantwortlichen Architekturbüros Schmucker wird für die Prüfung der Unterlagen durch die Bauaufsicht, Detailabstimmungen mit der Denkmalpflege sowie die Freigaben ein Zeitraum von neun Monaten genannt. Danach hätte der Prozess bereits im August diesen Jahres abgeschlossen sein müssen. Ab da war „Vergabe“ vorgesehen – sprich Ausschreibung und Auftragserteilung. Baubeginn sollte da bereits Anfang 2021 sein.

AdUnit urban-intext2

Dieser Plan sei „schon lange überholt“, so Architekt Marcus Augsburger, Leiter der Geschäftsstelle Generalsanierung des Nationaltheaters. Einen neuen, ebenso detaillierten Plan gibt es derzeit aber nicht. „Wir wissen noch nicht, wann es konkret, wann es definitiv losgeht“, sagt dazu Kulturbürgermeister Michael Grötsch auf Anfrage.

Derzeit gibt es nämlich mehrere Fragezeichen. Noch ungeklärt ist, ob die Stadt eine Firma als Generalunternehmer mit der Sanierung beauftragt, die dann für alles die Verantwortung trägt, oder einzelne Aufträge (sprich Sanitär-, Klima-, Maler- oder Polstererarbeiten) getrennt an kleinere Handwerker vergibt. Dazu sind Gutachten in Auftrag gegeben worden, die noch nicht vorliegen. Daraufhin will sich erst die Stadtverwaltung eine Meinung bilden. Entscheiden muss dann der Gemeinderat – wohl erst Anfang 2020.

Prozedere dauert lang

AdUnit urban-intext3

Danach werden die Ausschreibungsunterlagen vorbereitet. Das Prozedere einer europaweiten Ausschreibung der Arbeiten, das bei diesem Auftragsvolumen vorgeschrieben ist, dauert erfahrungsgemäß ein dreiviertel Jahr. Damit wäre schon das Ende 2020 erreicht.

AdUnit urban-intext4

Bis dann Angebote eintrudeln, bewertet werden und der Zuschlag erteilt wird, vergehen weitere Monate. Ob das bis zu einem Sanierungsbeginn Mitte 2021 reicht, dazu will sich derzeit niemand festlegen. Aber deutliche Zweifel sind herauszuhören. Schließlich steht nicht fest, ob es überhaupt genügend Baufirmen gibt, die sich – angesichts der guten Baukonjunktur – für die Aufträge melden. So gab es für den Umbau der Neckarauer Probebühne, der eigentlich in diesem Sommer laufen sollte, „zum geschätzten Betrag an Baukosten kein Angebot, und wenn es Angebote von Firmen gab, lagen sie weit über der Summe“, erklärt Marcus Augsburger.

Allein das könnte also ein Grund sein, dass es später los geht. „Letztlich können wir überhaupt erst Termine nennen, wenn konkrete Angebote von Firmen vorliegen und alle Ersatzspielstätten sicher sind“, so Bürgermeister Grötsch. Unverändert sei indes das Ziel, dass vier Jahre Bauzeit reichen und das Theater nicht länger geschlossen sein wird – es sei denn, es passiert während der Bauzeit etwas Unvorhergesehenes“, so Grötsch. Inzwischen ist in städtischen Veröffentlichungen auch, was auffällt, immer öfter von „mindestens“ vier Jahren Bauzeit die Rede.

„Auf jeden Fall“ werde man es aber schaffen, Mitte 2022 mit den Arbeiten zu beginnen, so Grötsch. Die Betriebsgenehmigung des Spielhauses ist wegen der Brandschutzmängel bis 31. Dezember 2022 befristet. Mitten in einer laufenden Spielzeit kann das Theater indes nicht umziehen, das wäre zu viel Aufwand. Das bedeutet Sanierungsbeginn im Sommer 2021 – oder eben, wahrscheinlicher, doch Sommer 2022.

Mehr zum Thema

Kommentar Verzögerung üblich

Veröffentlicht
Von
Peter W. Ragge
Mehr erfahren

Ersatzspielstätten Industriehalle oder „temporärer Bau“?

Veröffentlicht
Von
Peter W. Ragge
Mehr erfahren

Nationaltheater Freunde planen „Sani-Soli“

Veröffentlicht
Von
pwr
Mehr erfahren

Nationaltheater Feen als Maskottchen

Veröffentlicht
Von
pwr
Mehr erfahren

Redaktion Chefreporter

Thema : Nationaltheater Mannheim - was wird daraus?

  • Nationaltheater Mannheim Stadträte billigen höhere Kosten für Generalsanierung

    Der Kulturausschuss des Mannheimer Gemeinderats hat über den gestiegenen Etat der Generalsanierung des Nationaltheaters debattiert - und ihn ohne Gegenstimmen genehmigt.

    Mehr erfahren
  • Mannnheim Sanierung des NTM: Es dauert länger und wird teurer

    Lange schwebte die Summe von 200 Millionen Euro im Raum - mittlerweile ist klar, dass die Generalsanierung des Nationaltheaters mindestens 247 Millionen kosten wird. Umplanungen und höhere Baukosten werden als Gründe genannt.

    Mehr erfahren
  • Nationaltheater Noch viele Fragezeichen bei den Ersatzspielstätten

    Am Goetheplatz kann es erst losgehen, wenn anderswo Ersatz da ist – als Lager für Requisiten und Kulissen, für Proben und Vorstellungen. Der Sachstand im Überblick.

    Mehr erfahren