Pop: Elf Bands treten bei Semesterabschlusskonzert der Mannheimer Popakademie in Alter Feuerwache auf   Zwischen Glamour und Klangexplosion

Von 
Martin Vögele
Lesedauer: 
Sie kommen zu fortgeschrittener Stunde und verlieren kein Wort, aber was die beiden an ihren Instrumenten zu sagen haben, bedarf auch keiner Nachfrage oder Erklärung: Rund zweieinhalb Musikstunden sind beim Semesterabschlusskonzert der Popakademie in der Alten Feuerwache Mannheim bereits vergangen, als das Tasten- und Schlagzeug-Duo Moodinies zwischen lyrischer Postrock-Kontemplation und loderndem Jazz-Inferno ein hochdynamisches Set spielt; eines, das einen nicht nur in helle Begeisterung versetzt, sondern zugleich auch an die Begrüßungsworte des Künstlerischen Direktors und Geschäftsführers der Popakademie denken lässt: „Da sind sicher wieder ein paar Geheimtipps dabei“, hatte Udo Dahmen eingangs angemerkt - mit Blick auf illustre Absolventen der vergangen Jahre wie Joris, Alice Merton oder Konstantin Gropper (Get Well Soon), welche weiland gleichfalls auf der Abschlusskonzertbühne gestanden hatten.

Ungefähr 50 Bands gebe es derzeit an der Popakademie, von denen 40 in den vergangenen Woche geprüft worden seien. Beim Semesterabschlusskonzert werde gleichsam ein „Komprimat“ aus dem in den Prüfungstagen Gesehenem gezeigt, erläuterte Dahmen, vor allem aber seien die Bands und Musiker, die aktuell ihre Abschlüsse ablegen („also sechstes Semester Bachelor, viertes Semester Master“) an diesem Abend vertreten.

AdUnit urban-intext1

Elf Bands, beziehungsweise Solo-Künstler die von Mitmusikern begleitet werden, sind es insgesamt, die bei dem prächtig gefüllten und von Janina Klabes (ihrerseits eine Akademie-Absolventin) kompetent moderierten Konzert für allerhand an- und aufregende Momente sorgen. So setzt etwa Sänger Leopold einen Glanzpunkt, der mit faszinierend androgyner Stimme und reichlich Entertainment-Grandezza glamourösen Dance-Pop bietet. Auch Vokalist Jesse Tellem, der mit dampfend rockendem Soul reüssiert, muss als geborener Bühnen-Perfomer betrachtet werden. Und ebenso dürfte einem Sängerin Juna, die ziemlich lupenreinen Energie-Pop unter zündender Zugabe von French-House-Funk präsentiert, eher früher als später an anderer Stelle wieder begegnen.

In einnehmend ruhiger Manier geleitet dagegen das Sama Duo seine Zuhörer durch mystisch verschlungene, instrumentale Weltmusik-Gefilde. Paul Jacobi liefert gefühlsbetont-souligen, Tom Hengelbrock angenehm hemdsärmelig geerdeten deutschsprachigen Pop, und Sängerin Ultramaryn reitet mit viel 80er-Verve auf der New-Wave-Welle. Als Duo Madanii schmieden Vokalistin Dena Zarrin und Beat-Kreateur Lucas Herweg eine eindrückliche westöstliche Klang-Klammer. Herweg wiederum greift am selben Abend auch unter dem Elektronik-Projekt-Alias L:Lucid zum Mikrofon, wobei er ebenso Autotune-Stimmeffekte zum Einsatz bringt, wie die Cloud-Rap-/Indie-Trap-Band Trille, die knapp fünf Stunden nach Konzertbeginn den Schlussakkord setzt - und den Besuchern damit noch einmal die bemerkenswerte stilistische Streubreite der Popakademie-Künstler vor Augen führt.