Musik im Park - 5000 Zuschauer feiern die kompakte Show des französischen Nouvelle-Chanson-Stars Zaz zum Festivalabschluss Zaz liefert in Schwetzingen alle Hits im Schnelldurchgang

Von 
Matthias Mühleisen
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Für eine Künstlerin, die ihre Merchandising-Einnahmen einer basis-ökologischen Organisation zukommen lässt, die ein neues Gesellschaftsmodell propagiert, gibt sich Zaz äußerst wirtschaftsfreundlich. Weil montags alle wieder früh raus müssen, läuft ihre Open-Air-Party im Schwetzinger Schlossgarten auf höherer Drehzahl, und nach gut anderthalb Stunden sind 20 Titel durch und ihre 5000 Zuhörer kommen nach dem Finale von Musik im Park noch halbwegs im Hellen zurück zum Auto.

Zaz in Aktion. © Dorothea Lenhardt
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Die scheinen damit d’accord zu sein - Pfiffe oder andere Unmutsäußerungen ob der kürzesten Dauer aller fünf Vorstellungen im kurfürstlichen Park bleiben aus, vielmehr wird Isabelle Geffroy minutenlang frenetisch gefeiert, als sie nach einer einzigen Zugabe mit ihrer Band zurück auf die Bühne kommt - um zu lächeln und zu winken, nicht, um noch etwas zu spielen. Die 39-Jährige hat offenbar alles geliefert, worauf sich die Fans gefreut hatten.

Zum Konzert

  • Zaz alias Isabelle Geffroy (39) kündigte angeblich schon als Vierjährige an, sie wolle Sängerin werden, und belegte mit sieben den zweiten Platz eines Rundfunk-Castings.
  • Sie studierte Gesang in Bordeaux, sang in einer Latin-Rockband und in einem Pariser Cabaret. 2009 gewann sie einen Talentwettbewerb in Frankreich, 2010 erreichte ihr selbstbetiteltes Debutalbum Platz eins in den französischen Albumcharts.
  • Setliste in Schwetzingen: Hauptteil 1. Si c’était à refaire“, 2. Nos vies, 3. Plume, 4. La fee, 5. Demain c’est toi, 6. Qué vendrá, 7. Si jamais j’oublie, 8. On s’en remet jamais, 9. Les passants, 10. Comme ci, comme ca, 11. Paris sera toujours Paris, 12. Ma valse, 13. Le long de la route, 14. J’aime, j’aime, 15. Eblouie par la nuit, 16. Je veux, 17. Pourquoi tu joues faux, 18. Toute ma vie, 19. A perte du rue.
  • Zugabe: 20. On ira.

Und weil sie in ihrem größten Hit dazu aufruft, alle Klischees zu vergessen, verzichtet sie auch darauf, diesen für den fulminanten Schluss zu reservieren: Nach einer guten Stunde leitet eine drängende Mandoline „Je veux“ ein - und damit den Showdown für die Französisch-Textkenntnisse im Auditorium. Denn hier nicht mitzusingen, wäre ein Affront. Aber das Tempo und die vielen Worte . . .

Zum Glück gibt es ja die „Pa-da- da-da-da-da-da“-Passagen, die auch mit knapperer Kenntnis der Nachbarsprache zu absolvieren sind. Zaz selbst ermutigt mit „La la la“-Vorgabe, nur aus voller Kehle sollte es halt kommen. Dabei variiert sie ihren Text von „Je veux“ (Ich will) zu „On a“ (wir haben) Liebe, Freude, gute Laune - und das ist nicht übertrieben an diesem tropisch warmen Sommerabend.

Ein-Wort-Kommandos kommen an

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Generell zeigt sich die Nouvelle-Chanson-Vertreterin als Ein-Wort-Aficionado: Ihre Appelle „Lautäääär!“, „Singön!“ und beim rhythmischen „Pourquoi tu joues faux?“ (warum spielst du falsch) auch „Tanzön!“ verhallen nicht ungehört.

Zweimal richtet Zaz aber doch ganze Sätze auf Deutsch an die Menge: „Wir neigen dazu, unsere eigenen Träume zu vergessen, heute Abend möchte ich euch dazu einladen, euch an eure Träume zu erinnern - denn das ist wichtig“, sagt sie vor ihrem Stück „La fee“. Und bevor sie mit „Demain c’est toi“ die berührende Ballade an das Kind anstimmt, das sie vielleicht noch bekommen wird, mahnt sie: „Kinder sind unsere Zukunft, aber um sie zu beschützen, müssen wir zuerst lernen, auf uns selbst aufzupassen.“

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Für mehr Philosophie ist kein Platz im Programm, in dem zehn Titel des im November 2018 erschienenen Albums „Effet mirroir“ (Spiegeleffekt) dominieren. Die thematische und musikalische Experimentierfreude darauf schlägt sich im Konzert nieder. Der Hommage an die Lebensfreude der Menschen auf Kuba im tanzbaren „Qué vendrá“ steht „On s’en remet jamais“ (Wir erholen uns nie) zum Attentat auf die Pariser Musikhalle Bataclan gegenüber.

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Vom Album über die französische Hauptstadt bringt die im Glitzerpaillettenkleid herumwirbelnde Sängerin nur „Paris sera toujours Paris“ mit, „Comme ci, comme ca“ hebt sich mit Gypsy-Swing ab. Typisch französisch kommt „Les Passants“ mit Kinderreim daher, während „Eblouie par la nuit“ oder das abschließende „On ira“ solide Rocknummern sind, die so richtig unter den freien Himmel passen.

Wer Zaz ins Gesicht blicken will, muss sich den Weg durch die wogende Menge bahnen: Die Videofläche auf der Bühnenrückwand zeigt psychedelische Farbspiele, geometrische Figuren, Mond und Galaxien, doch nie die abenteuerlustige Sängerin aus Tours, die „Je veux“ auch auf dem Mont Blanc aufgenommen hat.

Kratzig-raue Stimme

Für ihre „Zazimut“-Stiftung, die Nongovernment-Organisationen unterstützt, habe sie keine örtlichen Partner gefunden, berichtet Zaz. So bleibt der Unterhaltungsfaktor im Vordergrund, für den sie ihre einzigartige kratzig-raue Stimme schonungslos einsetzt. Vielleicht rührt die zeitliche Begrenzung ja auch aus dieser Belastung.

Schwetzingen Zaz bei Musik im Park 2019

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Lenhardt
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Redaktion Redakteur im Bereich Hockenheim und Umland sowie Speyer