Klassik - Das Hirschberger Liedfest wagt den Neustart nach dem Corona-Shutdown mit maximal 50 Zuschauern / Eröffnungskonzert mit Manuel Walser statt Daniela Sindram Wie auf einer künstlerischen Intensivstation

Von 
Hans-Günther Fischer
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Es besitzt eine gewisse Logik, in kontaktbeschränkten Zeiten – „Kunst trotz Abstand“ heißt in Baden-Württemberg ein offizieller Slogan – ein Musikgenre zu pflegen, das schon immer eher für die „Happy Few“ gemacht zu sein schien: Liedgesang. Eine intime, anspruchsvolle Kunst für Kenner. Bald ist sie in Hirschberg-Leutershausen wieder zu goutieren, beim inzwischen vierten Liedfest, und der Künstlerische Leiter Alexander Fleischer, der die drei Konzerte auch als Pianist begleitet, klingt am Telefon schon sehr euphorisch. Wir erreichen ihn bei München, wo er mit der Sängerin Daniela Sindram für den Hirschberger Eröffnungsabend probt.

Pianist Alexander Fleischer. © Walz
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Der sollte es in sich haben, denn auch Arnold Schönbergs „Buch der hängenden Gärten“ nach Gedichten aus dem gleichnamigen Zyklus von Stefan George hätte auf dem Programm gestanden – aber wie Fleischer am Dienstagabend mitteilte, ist Daniela Sindram kurzfristig erkrankt. Für sie springt Bariton Manuel Walser ein. „Mit einem Programm mit Liedern von Johannes Brahms, Sergej Rachmaninoff und Richard Strauss“ eröffne er das Liedfest. Der SWR hat geplant, das Eröffnungskonzert aufzuzeichnen – und hätte dies auch bei einem „Geisterabend“ getan.

Das Festivalprogramm

  • 12. Juni: Bariton Manuel Walser, Bariton (Brahms, Rachmaninoff und Richard Strauss)
  • 13. Juni: Sopranistin Nikola Hillebrand (Schubert, Strauss, Rihm)
  • 14. Juni: Bariton Peter Schöne (Mozart, Beethoven, Hindemith, Kurtág)
  • Pianist ist an allen Abenden Alexander Fleischer.
  • Restkarten unter ticket@hirschberger-liedfest.de oder telefonisch unter 0157/82 52 24 43. 

Kleine Gagen

Vor Publikum darf man sich noch ein wenig mehr davon erwarten. Denn die Akustik in der Alten Synagoge, wo das Liedfest von Beginn an stattfindet, ist ohnehin hervorragend, die Sängerstimmen werden weder ausgetrocknet noch im Überhall ertränkt. „Das singt sich wirklich prima“, höre Alexander Fleischer häufig von den Künstlern, die er am Klavier begleitet. Von der Synagoge seien sie geradezu begeistert.

Demnächst wird der Pianist mit Bariton Tobias Berndt hier auch eine CD mit Schuberts „Winterreise“ aufnehmen. Dabei ist Fleischer eher zufällig an diesen Ort gekommen, ein paar Jahre ist das her. Doch der Kulturförderverein in Hirschberg suchte damals einen Fachberater, und die Dinge nahmen langsam ihren Lauf. Das Festival wurde begründet, stehe allerdings bis heute „finanziell noch nicht völlig stabil“ da, auch die diesjährige Ausgabe werde wohl nicht von den Corona-Zuschüssen des Landes profitieren können. „Dezimierte Gagen“ für die Künstler seien sowieso beim Liedfest üblich. Was auch die Nationaltheater-Sängerin Nikola Hillebrand (sie pflückt am zweiten Abend „Mädchenblumen“ in einem von Werken Schuberts dominierten Liedprogramm) und Peter Schöne nicht an einer Zusage gehindert hat. Schöne, ein Bariton mit starkem Interesse an der zeitgenössischen Musik, will in der Alten Synagoge freilich auch den großen Jubilar des Jahres nicht vergessen: Beethoven.

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Alle Hygieneregeln in Corona-Zeiten werden ebenfalls beachtet, höchstens 50 Zuhörer (statt 160) sollen eingelassen und der Saal immer durchlüftet werden. Singen kann gefährlich sein, wie Frankfurter Baptisten leider nachgewiesen haben. Doch in Hirschberg kommt der Hörer gottlob nur auf eine künstlerische Intensivstation. Obwohl natürlich Schutzmasken bereitliegen.