„WIR sagen Danke!“ - Bei Rolf Stahlhofens Online-Festival für die Helden der Corona-Krise schalten sich Stars wie Chris de Burgh, Cliff Richard, Pur oder Laith Al-Deen zu „Wer singt, ist frei von Angst“

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Martin Vögele
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Der Mannheimer Sänger Rolf Stahlhofen (links, begleitet im Studio des Regionalsenders RNF unter anderem von The Wright-Thing-Gitarrist Christoph Melzer) organisierte und moderierte einen wahren Online-Festivalmarathon mit Stars wie Produzent Mousse T. – im Namen seiner Stiftung WIR (Water is Right). © Manfred Rinderspacher

Die Balkontüren öffnen, die Boxen raus schieben und mitsingen, während Musiker Gastone (alias Giuseppe Porrello) sein Stück „Shake It“ spielt – dazu ermuntert Rolf Stahlhofen das Publikum an den Empfangsgeräten aller Art, denn: „Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass das Gehirn nicht gleichzeitig Angst haben und singen kann“, meint der Söhne-Mannheims-Sänger. Das bedeute: „Wenn Ihr singt, seid Ihr frei von Angst.“ Rund 60 Minuten läuft das auf insgesamt zwölf Stunden taxierte Programm des Online-Festivals „WIR sagen Danke!“ da schon, das unter anderem über Facebook, YouTube sowie vom Rhein-Neckar-Fernsehen (RNF) übertragen wird, in dessen Mannheimer Studioräumen sich auch Sänger Stahlhofen, seine Band, Gast Gastone und die zentrale Regie befinden.

Fast elf Stunden Programm mit rund einer Million Zuschauern

  • Die Mitwirkenden: Rolf Stahlhofen und Band (Toni Farris, Christoph Melzer, Joerg Dudys, Ralf Gustke), Gastone (alias Giuseppe Porrello), Max Mutzke, Alex Diehl, Seven, Marta Jandova (Die Happy), Sebastian Fitzek, Katy Karrenbauer, Mic Donet, PUR (Hartmut Engler, Martin Ansel), Chris de Burgh, Alina, Cliff Richard, Mousse T., Roachford, Olaf Scholz, Laith Al-Deen, Doro, Katharina Heinius, Henning Baum, Nelson Müller, Paulo Mendonca, Phil Fuldner und andere.
  • Das Festival im Festival: Unter Federführung von SWR-Musikredakteurin Katharina Heinius haben zudem die Songschreiber Fee, Pohlmann, Orange Blue, Cris Cosmo, Jona Bird, Markus Vollmer, Gringo Mayer, Tom Beck und Ulrich Zehfuß Beiträge eingespielt, die nach Mitternacht als Block liefen.
  • Zum Mitschnitt: Ein Großteil des Events steht als Stream online und ist über einen Link auf Rolf Stahlhofens Facebook-Seite abrufbar.
  • Der Organisator: Rolf Stahlhofen, geboren am 21. April 1968 im oberpfälzischen Nabburg, ist einer der Sänger und frühsten Mitglieder der Band Söhne Mannheims.
  • Die Stiftung: Stahlhofen ist zugleich Initiator der Stiftung Water is Right (WIR), die sich weltweit für das Menschenrecht auf Wasser einsetzt.
  • Die Resonanz: Die fast elf Stunden Programm liefen laut Stahlhofen bis kurz vor 5 Uhr morgens und erreichten auf allen Kanälen rund eine Million Zuschauer. Wichtig ist dem Sänger im Gespräch mit dieser Redaktion, dass während der gesamten werbefreien Laufzeit nicht einmal das Wort Corona-Virus gefallen sei: „Das hatte ich allen gesagt, dass sie das Wort behandeln sollen wie den Namen Voldemort in ,Harry Potter’, der nicht genannt werden darf. (mav/jpk)
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Mit dem binnen von nur fünf Tagen auf die Beine gestellten Streaming-Festival wollen Stahlhofen und seine vielen Mitstreiter all denjenigen danken und Respekt zollen, die während der Corona-Pandemie das öffentliche Leben aufrecht erhalten – etwa Ärzte und Pflegekräfte, das Reinigungspersonal in Kliniken und Praxen, die Mitarbeiter im Einzelhandel, die Zugführer, Bus- und LKW-Fahrer. Zugleich soll eine Diskussion in Gang gesetzt werden, wie diese Akteure auch nach der Krise unterstützt werden können. Ebenso wird während „WIR sagen Danke!“ wiederholt auf die heikle Situation von freischaffenden Musikern, Künstlern, Tour- und Bühnentechnikern hingewiesen, von denen viele während der Corona-Krise ohne Einkommen bleiben. Das WIR steht aber auch für die Stiftung Water is Right, mit der Stahlhofen seit Jahren für das Menschenrecht auf Zugang zu sauberem Wasser eintritt.

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Auch Finanzminister Scholz dabei

Zu den prominenten Stimmen, die Stahlhofens Ruf gefolgt sind und aus ihren Wohnzimmern oder Studios live zugeschaltet werden, gehören Hartmut Engler und Martin Ansel von PUR, die ihren Hit „Freunde“ spielen. Metal-Ikone Doro präsentiert ihre Songs „Freunde fürs Leben“ und „Für immer“, der Mannheimer Musiker Laith Al-Deen wärmt das Zuschauer-Herz unter anderem mit seinem Stück „Kleine Helden“. Bevor nach Mitternacht erst Produzent Mousse T., anschließend Phil Fuldner oder DJ Stylewarz ihre DJ-Sets auflegen, werden zahlreiche weitere Bands und Künstler zugeschaltet – darunter Glasperlenspiel, Alex Diehl, Seven, Mic Donet und Andrew Roachford. Auch Sternekoch Nelson Müller singt, Autor Sebastian Fitzek und Schauspielerin Katy Karrenbauer lesen aus ihren Büchern, Mime Henning Baum deklamiert einen Text aus der Edda.

Per Videobotschaft beziehungsweise Live-Schalte melden sich Bundesfinanzminister Olaf Scholz, Max Mutzke, Sally Özcan und ihre Familie sowie Chris de Burgh und Cliff Richard zu Wort -–die beiden Superstars auch musikalisch. Der Ire Chris de Burgh tritt damit kurzerhand an die Stelle eines anderen Stars, wie Stahlhofen erläutert: „Mea Culpa“ müsse er in Richtung seines Freundes Peter Maffay sagen, der ebenfalls zwischenzeitlich im Line-Up geführt worden war. „Mal gucken, was wir da hinkriegen“, habe Maffay zwei Tage zuvor am Telefon zwar gesagt. Dann habe sich aber gezeigt, dass es doch nicht klappe, „dass wir live streamen können, vom Zeitfenster“, so Stahlhofen.

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„Wir haben es noch nie gemacht, es ist keine Fernsehshow“, erläutert der Söhne-Mannheim-Sänger an anderer Stelle. „Wir machen ein Online-Festival, das ist quasi das größte Kleinkunst-Festival und die größte Jamsession, die es je gab. Aber für eine Situation, die es auch vorher nie so gab.“ Da ruckelt es auch schon einmal im Ablauf und in der Streaming-Qualität. Gleichzeitig finden sich Momente, die auch die Potenziale eines solch offenen, spontan inszenierten Formats belegen.

Das zeigt sich vor allem mit der aus Tschechien zugeschalteten Die-Happy-Frontfrau Marta Jandova, die unter Zuhilfenahme von Kochlöffel und Kaffeetasse (als Mikrofon und Taktgeber) singt und obendrein ein höchst charmant produziertes Heim-Video zur neuen Die-Happy-Single „Here I Am“ zeigt. Jandova dürfte an diesem Abend mit ziemlicher Sicherheit auch die Königin der im quirligen YouTube-Live-Chat gesetzten (Emoji-)Herzen sein.

Verbindender Gedanke zählt

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Ein Streaming-Festival wie dieses kann (und will) natürlich kein Konzertgefühl ersetzen. Aber es kann im Vielklang belegen, dass sich Menschen Gedanken um ihre Mitmenschen machen, ihre Leistung und Hingabe würdigen und sich in Solidarität miteinander verbinden – genau das gelingt Stahlhofen und seinen zahlreichen Mitstreitern. Ähnlich wie 2002 bei „Menschen am Fluss“ in der Mannheimer Maimarkthalle, dem Benefizfestival zugunsten der Oderflut-Geschädigten,

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