Festival - Elfte Ausgabe von "frisch eingetroffen" zeigt bei Zeitraumexit junge Ansätze Vor allem Leben im Blick

Von
Bernd Mand
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Der Rückspiegel hilft weiter: Aline Benecke bei ihrer Performance.

© Peter Empl

Wäre dieser Text ein Katalogeintrag, würde er vielleicht die Nummer 1276 oder so tragen, und unter den Anmerkungen würde sich diese kleine Notiz finden, die das freudige Gefühl der Erleichterung erwähnt, das sich einstellte, als der Blick auf den numerischen Untertitel des Festivals fiel, der einem am Ende des ersten Abends klar machte, dass es glücklicherweise noch einen zweiten geben sollte. Welcher einem dann verdeutlichte, dass es manchmal gar nicht so schlimm ist, am Ende nicht das zu halten, was man am Anfang scheinbar verspricht.

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Die elfte Ausgabe des Festivals für junge darstellende Kunst im Künstlerhaus Zeitraumexit brachte also an den besagten zwei ausverkauften Abenden sieben momentane Positionen aus der jungen Performancebewegung in den Jungbusch und begann zunächst mit einem recht sperrigen Trio von selbstreflexiven Autismen. "No choice, don't watch this" von Peter Mills und Julia Hannukainen rief zur Untersuchung der eigenen Existenz auf, scheiterte allerdings an der allgegenwärtigen Trägheit der Masse und einem recht wirren Versuchsansatz. Irene Accardo setzte mit "2111 - a time capsule" auf die bewegte Erzählung im leeren Bühnenschwarz und ließ den Zuschauer ziemlich schnell links liegen, während sie sich in ihrer kleinteiligen Geschichte verlor. Aline Beneckes Lecture-Performance "picture this . . . Orientalism at its best" projizierte eine algerische Lebensgeschichte in Bildern und Märchenteilen, die einen letztendlich nur ob ihrer Überlänge richtig forderte und ansonsten eine träge Ansammlung von Fotografien und einer ungelenk gezimmerten Textabfolge ohne weitere Wirkung blieb.

Feinste Vogelstimmen

Mit dem zweiten Abend wendete sich allerdings das Blatt und bereits der Auftakt mit André Galeanos "Cue & Review" zeigte einen klaren Darstellungsbedarf mit ebenso klarer Haltung zur eigenen Arbeit. Was unterm Strich auch noch zu den feinsten Vogelstimmen führte, die einem seit langem untergekommen sind. "Trauer tragen" von Hendrik Quast und Maika Knoblich tauchte abenteuerlich komisch in die Welt der Trauerfloristik und stieß einen gleich hinterher in die dazugehörige Trauerfeier samt Kaffeetafel in einem bestürzend präzisen Realitätsspiel.

Markus Keim und Beate Hecher ließen einen mit "Terrain Vague" allerdings nur in der vagen Ahnung von einer Idee zurück. Dafür holten Costas Kekis und Eve Chariatte mit der Tanz-Performance "Ultra XYX" das Leben oder besser gesagt die Liebe wieder zurück auf den Spielplatz. Klein gebaut, groß gefühlt und mit viel schönem Raum für jedermanns eigene Geschichte. Für die Fußnote also: vielen Dank für den zweiten Abend.

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