Kolumne "Mahlzeit" Über Schwarze Löcher und 5G

Von 
Stefan M. Dettlinger
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Angst ist ein großes Thema. Lebewesen können vor allem möglichen Angst haben. Das schützt sie. Manche Menschen fürchten sich vor 5G!

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Ich bin eigentlich kein Hasenfuß. Aber als ich vor vielen Jahren „Eine kurze Geschichte der Zeit“ gelesen habe, bekam ich es mit der Angst zu tun. Stephen Hawking, der kleine Mann mit dem großen Hirn, erzählt darin so plastisch von Schwarzen Löchern, dass auch ich es verstehe. Er schreibt ihnen eine Masse zu, die so kompakt ist, dass in ihrer Umgebung eine so starke Gravitation entsteht, dass sogar das Licht angezogen wird und nicht aus dem Loch rauskommt. Deswegen sind die so schwarz.

Ich habe mich gefragt, was uns Erdlinge auf unserer Kugel eigentlich davor schützt, in den Sog eines Schwarzen Lochs zu geraten, das die Forscher, wenn es besonders groß ist, supermassereich nennen. Unsere Galaxie hat so ein supermassereiches Loch: Sagittarius A*. Sagittarius A* hat: 4,3! Millionen! Sonnenmassen! Okay, das Ding ist zwar 26 670 Lichtjahre entfernt. Aber was schert das Schwarze Loch schon das Lichtjahr. Es beherrscht das Licht! Kann es da nicht auch ein Lichtjahr beherrschen? Na ja, das alles übersteigt ohnehin meine Vorstellungskraft.

„Es ist beängstigend“, sage ich zu Alya, Bela und Caro bei unserer digitalen #mahlzeit, „ehrlich, im Gegensatz zu Schwarzen Löchern machen mir weiße Flecken ohne 5G-Empfang weniger Angst. Wie geht es euch damit?“ Blicke.

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Ich gebe zu, dass das Thema etwas schwer ist für die Diskussion bei Bulgur-Burger und Kartoffelpampe. Aber was soll ich tun? Ich bin nun mal ich! Bela, der Technikfreundlichste von uns, sagt: „Es ist ein Skandal, dass unsere Wirtschaftsministerin Nicole, äh, Hoffmeister, äh, Kraut nicht garantieren kann, dass wir 2024 keine Funklöcher mehr haben. 15 000 Haushalte sollen dann auf 770 Quadratkilometern immer noch in der Kabelzeit leben. Ba-Wü hat heute schon die meisten Löcher.“

„Na und!“, sagt Caro. Alya macht mimisch deutlich, dass sie unentschlossen ist. „5G ist die Pest“, so Caro, „ihr wisst doch, was sie sagen: Sie können damit unsere Gedanken kontrollieren. Außerdem soll G5 Massensterben bei Tieren oder Krebs bei Menschen auslösen. Nie gehört?“ Daraufhin schimpft Bela Caro Verschwörungstheoretikerin und empfiehlt, sie solle jetzt auch noch glauben, 5G sei an Corona schuld. Ich merke, dass die Sache langsam heiß wird. Ich bin von Caro auch enttäuscht. Ist sie naiv? Geht sie solchen Fake News auf den Leim? Oder sind das keine Fake News?

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Tage später recherchiere ich im Netz. „Bisher konnten Gesundheitsbeeinträchtigungen durch Mobilfunkstrahlung nicht wissenschaftlich eindeutig nachgewiesen werden“, lese ich bei der ARD. Dieses „nicht wissenschaftlich eindeutig“ ist nicht gerade beruhigend. Je tiefer ich eindringe, Studien lese und so, desto mehr wird mir bewusst, dass Schwarze Löcher vielleicht doch eher das kleine Problem darstellen. Also bei den Strahlungen gilt jedenfalls nicht: Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß. Bin ich jetzt schon verstrahlt? Ich bin eigentlich kein Hasenfuß. Eigentlich …

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Ressortleitung Stefan M. Dettlinger leitet das Kulturressort des „MM“ seit 2006.