Tanzbarer Stadionpop als Medizin

Von 
Jörg-Peter Klotz
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In zähen Zeiten kann Tanzen die beste Medizin um Mitternacht sein – und die Foo Fighters wollen mit ihrem zehnten Studioalbum „Medicine At Midnight“ dafür die musikalische Steilvorlage liefern. Das gelingt Frontmann und Ex-Nirvana-Drummer Dave Grohl und Co. auch – mit neun Stadionpophymnen zum Mitsingen und -tanzen in knackigen 37 Minuten.

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Fans ihrer härteren Gangart werden sich allerdings an ungewohnte Klänge gewöhnen müssen: Streicher etwa, angesoulte Chöre oder Grohl-Gesang auch mal im Falsett. Orientierungspunkt der Foos war hier erklärtermaßen der Pop-Soul aus David Bowies „Let’s Dance“-Phase. Aber keine Angst: Ganz ohne krachende E-Gitarrenbreitseite, Aggro-Vocals und Tempo kommt das Werk nicht aus. Die Handschrift der Band bleibt erkennbar.

Dass sie sich trotzdem zuletzt immer wieder massiv verändert – besser: entwickelt – hat, ist ein Qualitätsmerkmal. Schon beim latent progrockigen Vorgänger „Concrete And Gold“ (2017) gab es poppigere Töne. Offensichtlich ein Übergangsalbum, nachdem die Foo Fighters zuvor auf „Sonic Highways“ (2014) und vor allem dem Rock-Meilenstein „Wasting Light“ (2011) ihre laute, aggressive Seite zur Meisterschaft getrieben haben und die harmonischen Westcoast-Anklänge ihrer Frühzeit vergessen ließen.

Eine reine Partyplatte ist „Medicine At Midnight“ aber nicht. Dafür steht die klassische FF-Mixtur aus eingängigem Zuckerbrot und harter Rockpeitsche. Nur etwa im umgekehrten Verhältnis wie zuletzt. Für Raffinesse sorgt vor allem Schlagzeuger Taylor Hawkins mit Rhythmen, die nach dem Ranschmeißer „Making A Fire“ immer wieder aufmerken lassen. Und Grohl schafft es als Texter, mit einfachen Worten immer wieder auch Nachdenklichkeit einkehren zu lassen („Waiting On A War“). jpk

Ressortleitung Stv. Ressortleiter Kulturredaktion