Jazz - Jules und Valeria Maurer bei der "Vocal Night" Stimmen, die aus der Kälte kamen

Von 
Hans-Günter Fischer
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"Anfangs etwas Stimmgymnastik" sei genau das Richtige, erklärt Valeria Maurer. Und so steigt die junge Sängerin mit Scat-Passagen in den Auftritt in der Klapsmühl' ein, wo in der Reihe "Made in Mannheim" eine "Vocal Night" begangen wird. Es hilft tatsächlich: Schnell kommt Maurers Stimme auf Betriebstemperatur - eine genau und schlank geführte Stimme, die mehr von der Technik als vom Timbre lebt, doch trotzdem ihre unverwechselbaren Qualitäten hat. Valeria Maurer stammt aus Russland und hat in Novosibirsk studiert, erkennbar nicht bloß Jazz.

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Der ganz spezielle Maurer-Dreh kommt nicht bei Standards aus Amerika ins Spiel, sondern in einem Stück, das sie auf Russisch singt. Mit einem selbstverfassten Text, und den erklärt die Sängerin, die aus der Kälte kam, mit diesen Worten: "In Sibirien ist der Winter lang und dunkel. Die Laternen werfen nur ein mattes Licht, das nicht weit reicht."

Das sei wie unsere Erinnerungen an schon längst Vergangenes - die junge Dame ist also auch eine Dichterin. Dass ihre gleichfalls junge Band oft Soli spielt, wie sie in der Musikhochschule, Fachabteilung Jazz, gelehrt werden, ist nicht so schlimm. Auch daraus kann noch etwas werden.

Julia Nagele, als Sängerin kurz: Jules, hat ebenfalls viel vor sich, ist aber schon ein paar Schritte weiter. Sie kommt aus dem Singer/Songwriter-Milieu, ihre akustische Gitarre hängt ihr treu am Hals. Doch die Vokalphrasierungen in ihren englischsprachigen, stets selbstverfassten Liedern öffnen sich dem Jazz, und ihrer weichen, warmen Mädchenstimme ist der Blues nicht fremd. Jörg Teicherts E-Gitarre ohnehin nicht. Und die kleine Bühne füllt sich immer mehr.

Fast schon luxuriös

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Fünf Bläser (unter ihnen Olaf Schönborn) und vier Streicher kommen zu Jules' Band hinzu. Johannes Stange hat für diese Musiker fast luxuriöse Arrangements geschrieben, schon das erste hat diesen nach Caipirinha schmeckenden Latino-Touch. Die volle Klapsmühl' tobt. Und irgendwann könnten auf Jules auch große Hallen warten.