Kulturpolitik - Bundespräsident spricht mit Kinovertretern über Probleme, die durch Corona entstanden / Branche schlägt Fonds vor Steinmeier weckt neue Hoffnungen

Von 
Werner Kolhoff
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Frank-Walter Steinmeier läuft durch eine leicht erleuchtete Sitzreihe in Richtung Kameras; hinter ihm glänzt der Vorhang des Kinos „International“ in Berlin. Der Bundespräsident hat seit langem ein Faible für den künstlerischen Film. Nun will er mit seinem Auftritt das Licht der Aufmerksamkeit auf die Programmkinos lenken, deren Säle so lange dunkel bleiben mussten.

Frank-Walter Steinmeier im Berliner Kino International. © Von Jutrczenka/dpa
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Zusammen mit Gattin Elke Büdenbender redet er mehr als eine Stunde lang mit Christian Bräuer, Chef einer Berliner Kino-Gruppe, und Andreas Dresen, Erfolgsregisseur. Die Vier sitzen im Vorraum neben dem geschlossenen Tresen.

Die Initiative ging von Steinmeier aus; Bräuer, der auch den Zusammenschluss der deutschen Programmkinos leitet, war total überrascht, wie er sagt. In anderen Ländern gebe es so eine Sorge um die Kultur nicht. Die Branche ist durch Corona schwer gebeutelt. Null Umsatz in den vergangenen Monaten, und der teilweise schon erfolgte Neustart wird es nicht viel besser machen. Denn es gelten Abstandsregeln, Reservierungs-, Registrierungs- und Maskenpflicht – es war durchaus schon mal einfacher, mit der Liebsten ins Kino zu gehen.

20 Prozent Auslastung dürfe er nur haben, sagt Bräuer. „Wenn ich klug wäre, würde ich geschlossen lassen.“ Der Kinomanager hofft, dass die Leute schnell wieder Vertrauen haben, dass ein Besuch sicher ist. Aber da sind noch andere Probleme, über die Regisseur Dresen berichtet. Dass nämlich viele Drehs abgebrochen werden mussten, Teams zerfallen sind und Produzenten in Finanznöten stecken. Alle Zeitpläne für Premieren sind Makulatur. Hinter dem Kino steckt eben eine ganze Industrie, und die kann mit Corona-Abstand und Masken nicht arbeiten.

Streaming immer beliebter

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Dresen trägt eine Idee aus Österreich vor: Einen Filmausfallfonds, falls mal eine Produktion wegen einer Infektion gestoppt werden muss. Gegen Pandemien können sich Produzenten nicht versichern. Ein großes Fordern und Wehklagen ist dieses Gespräch trotzdem nicht; im Gegenteil, die Filmleute loben das Konjunkturpaket der Bundesregierung, das eine Milliarde Euro extra für Kultur vorsieht.

Bräuer hat die schlimmsten Monate mit Geldern aus aufgestockten Mitteln der Kulturstaatsministerin überstanden. „Die große Frage jetzt ist: Geht uns nach hinten die Luft aus?“, sagt er. Also: Wie schnell läuft alles wieder an? Erste Pleiten gibt es schon. „Wenn ein Haus erst mal weg ist, kommt es nicht wieder.“

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Zu allem Überfluss hat das Kino neue Konkurrenz bekommen: Das Sofa – viel mehr Leute als früher streamen jetzt Filme und Serien. Werden sie zurückkommen in die Säle? „Dafür muss es gute Filme geben“, sagt Bräuer. „Das bleibt das A und O“. Premieren, von denen viele aber verschoben sind.

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So beißt sich manche Katze in den Schwanz, und das Prinzip heißt Hoffnung. Hoffnung, die der Präsident befeuert hat. „Wir freuen uns einfach, dass sich einer für unsere Branche interessiert“, sagt Dresen. Von einem „ganz starken Signal“ spricht Bräuer.

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