Serie "Macherinnen" (Teil 2) - Stefanie Kleinsorge leitet seit 2015 die Galerie Port25 in Mannheim / Schon früh als Gründerin Erfahrung gesammelt Stefanie Kleinsorge führt die Galerie Port25 in Mannheim

Von 
Lea Seethaler
Lesedauer: 
Direktorin Stefanie Kleinsorge im Foyer der Galerie Port25 in der Mannheimer Hafenstraße. Bild: Rinderspacher © Rinderspacher

Bereits kurz nach dem Abitur hat Stefanie Kleinsorge, die heute Direktorin der Galerie Port25 ist, ein Unternehmen gegründet. Früh kam sie dabei mit Künstlern in Kontakt, weil ihr Betrieb der Druckvorstufe auch Ausstellungskataloge und Künstlerbücher herstellte. „Die Liebe zur Kunst und die Möglichkeit, frei zu denken, die sich über die Kunst erschließt“, berichtet Kleinsorge, waren ausschlaggebend dafür, dass sie sich später mit über dreißig Jahren zu einem Studium der Kunstgeschichte entschloss. Aber auch, dass sie in ihrem frühen Berufsleben an den Punkt kam, an dem ihr klar wurde, dass sie ohne ein Universitätsstudium nicht die „intellektuelle Beschäftigung“ finden würde, die sie „beruflich befriedigen konnte“.

Port25 – Raum für Gegenwartskunst

  • Seit Eröffnung im Jahr 2015 ist die Galerie eine Wirkungsstätte für Akteure der Bildenden Kunst in Mannheim.
  • Mindestens vier Ausstellungen im Jahr, die verschiedene künstlerische Positionen präsentieren und zur Diskussion stellen, werden durch Vorträge und Führungen begleitet.
  • Das Programm der Galerie in der Hafenstraße im Jungbusch ist weder an Künstler einer bestimmten Generation, noch an spezielle Medien, künstlerische Strategien oder Haltungen gebunden.
  • Auf aktuellen künstlerischen Produktionen, die in der Gegenwart relevant sind, liegt der Fokus.
  • Port25 ist Gastgeber für Veranstaltungen aus Bereichen wie Darstellende Künste und Literatur – an der Schnittstelle zur Bildenden Kunst. (see)
AdUnit urban-intext1

So studierte sie Kunstgeschichte und Religionswissenschaft und arbeitete parallel in Ausstellungshäusern und Museen mit. „Auf dieses Netzwerk konnte ich nach dem Studium zurückgreifen“, so Kleinsorge. Stationen in leitenden Funktionen im Kunstbetrieb folgten, so etwa die Geschäftsführung des Fotofestivals und die Leitung des Heidelberger Kunstvereins - bevor sie mit „Port25 - Raum für Gegenwartskunst“ nun quasi ihr eigenes Haus leitet. Dort steht im Auftrag der Stadt neben Ausstellungen der Austausch zwischen Bildendenden Künstlern aus dem Raum Mannheim - aber auch Schaffender aus der globalen Kunstwelt - im Fokus.

Unternehmerisches Denken

Zur Gründung des Unternehmens in jungen Jahren sagt Kleinsorge heute: „Das war kaum eine bewusste Entscheidung, eher eine zufällig aufblitzende Möglichkeit.“ Der Zufall könne für den Berufsweg ebenso wichtig sein, wie die bewusste Planung, findet Kleinsorge. Möglichkeiten würden sich im Laufe eines Arbeitslebens immer wieder ergeben - „die Frage ist, wie man damit umgeht.“ „Meine Devise war immer, Herausforderungen zu suchen, um an neuen Aufgaben zu wachsen“, berichtet die Port25-Direktorin.

Als geschäftsführende Gesellschafterin eines expandierenden mittleren Druckvorstufenbetriebes lernte sie nicht nur früh, wie man einen Betrieb und seine Mitarbeiter führt. Sie musste auch strategisch denken und ein Unternehmen durch systemisch schwierige Zeiten in eine gesicherte Zukunft führen. „Diese betriebswirtschaftlichen Kenntnisse kommen mir bis heute zu Gute.“ Dass sie 2015 von der Stadt Mannheim den Auftrag bekam, die Galerie Port25 zu betreiben, beschreibt Kleinsorge als „Geschenk“. „Die Galerie war ein unbeschriebenes Blatt und ich und mein Team waren die Ersten, die ihr Form verleihen konnten“, erzählt sie. Vom Konzept über das Design bis hin zum Namen - „über alles musste und durfte noch entschieden werden“. Dass Kleinsorge gerne gestaltet, merkt man ihr und ihrem Schaffen an.

AdUnit urban-intext2

Auf die Frage, ob sie es als Mann in ihrer Karriere in der Kunstbranche einfacher gehabt hätte, erwidert Kleinsorge, dass sie in einer Hinsicht ähnlich wie die meisten Männer agiere: „Ich ergreife eine Chance ohne lange darüber zu grübeln, ob ich dem gewachsen bin.“ Ein gesundes Selbstvertrauen sei sicherlich einer von vielen Gründen, warum viele männliche Kollegen es leichter hätten, in Führungspositionen zu gelangen, sagt sie. „Ein System allerdings, in welchem Männer bevorzugt Männern zutrauen Führungspositionen zu bekleiden, lässt sich ohne Reglement nur schwer durchbrechen“, findet die Port25-Chefin. Das finge schon beim Studium an, wo die meisten hochbezahlten Professuren Männer inne hätten, die ihre männlichen Studierenden für intelligenter, eloquenter oder Ähnliches hielten.

Frauen, die in der Szene in Führungspositionen streben, möchte Kleinsorge mitgeben, dass es dafür „einer großen Leidenschaft für die Sache und der Bereitschaft sich ganz und gar einzusetzen“ bedarf. „Als Frauen müssen wir in der Regel mehr und besser arbeiten, um eine vergleichbare Position mit schlechterer Bezahlung zu erreichen. Das sollten wir wissen, auch wenn wir uns weiterhin dafür einsetzen, dass sich das ändert“, konstatiert Kleinsorge. Sie motiviert junge Frauen auch, neben und nach dem Studium viele Erfahrungen im Kunstbetrieb zu sammeln und möglichst an interdisziplinären Projekten mitzuarbeiten, um den eigenen Horizont stets weit zu halten.

AdUnit urban-intext3

In der Region seien seit kurzem wieder alle großen Häuser, also die Kunsthalle, die Reiss-Engelhorn-Museen und das Wilhelm-Hack-Museum unter männlicher Leitung, zeigt Kleinsorge auf. „Erfreulicherweise werden die Positionen der Kulturamtsleitungen sowohl in Mannheim als auch in Heidelberg von Frauen bekleidet“, findet die Port25-Chefin. „Die Gründe für die Übermacht der Männer liegen meiner Ansicht nach in der Trägheit eines gesellschaftlichen Wandels“, sagt sie. Der Kunstbetrieb spiegle hier nur den gesamtgesellschaftlichen Status Quo. Das Bewusstsein sei den gesellschaftlichen Tatsachen weit voraus. „Nun gilt es, Instrumente zu etablieren, mit denen sich der Wandel vollziehen lässt“, fordert die Macherin Kleinsorge. Denn ihr ist klar: Freiwillig gibt wohl kaum jemand seinen Machtvorsprungauf. 

AdUnit urban-intext4

---------------

Zur Serie: Unter dem Titel„Macherinnen“porträtiert diese Zeitung Frauen, die in verantwortlicher Rolle das Kulturleben der Metropolregion prägen. Der besondere Fokus der Serie liegt darauf, ob sie es in ihrer Karriere schwerer hatten als Männer in vergleichbaren Führungspositionen.

Mehr zum Thema

Serie "Macherinnen" (Teil 1) Ingrid Wolschin: Saniererin und Stabilisatorin des Heidelberger Karlstorbahnhofs

Veröffentlicht
Von
Jörg-Peter Klotz
Mehr erfahren

Redaktion Redakteurin und Online-Koordinatorin der Mannheimer Lokalredaktion