Klassik - Die Deutsche Staatsphilharmonie blickt optimistisch auf die nächste Spielzeit mit 117 Konzerten und einer Tournee mit Star-Tenor Jonas Kaufmann Staatsphilharmonie plant und denkt „als ob“

Von 
Stefan M. Dettlinger
Lesedauer: 

Der Intendant spricht und trägt Galakleidung vorm Bildschirm. Der Chefdirigent lässt sich einen Corona-Bart stehen und aus USA per Video zuschalten. Fragen von Journalisten sind im Live-Chat oder per Telefon möglich. Hier ist es kurz nach 11 Uhr, 5 o’clock a.m. in Florida.

Chefdirigent Michael Francis. © Broede
AdUnit urban-intext1

Es sind neue digitale Zeiten, an die wir uns da gewöhnen. Und Intendant Beat Fehlmann hat für diese erste digitale Pressekonferenz der Deutschen Staatsphilharmonie (DSP) sogar Ermunterndes parat: „Wir tun so als ob.“ Das sagt er – charmant – beim Mannheimer Fernsehsender RNF und meint damit natürlich: Wir planen die nächste Saison so, als gäbe es Corona dann nicht mehr.

Und trotz der Krise blickt er optimistisch auf das 101. Jahr des Bestehens. Die Saison soll am 4. September mit dem Minifestival „Modern Times“ losgehen, das, schon eine Tradition, die Musiker aus Ludwigshafen in den Pfalzbau, die Friedenskirche sowie in Mannheims Rosengarten und Capitol bringen wird.

117 Konzerte an 31 Spielstätten in der Region, im In- und Ausland seien geplant – 52 sind Eigenveranstaltungen, 65 Gastkonzerte. Fehlmann und Chefdirigent Michael Francis setzen weitgehend auf die gewohnten Reihen bei der BASF, im Pfalzbau und auch im Mannheimer Rosengarten. Die Festivals werden fortgeführt. Neu ist ein Akzent auf den Jubilar 2020: Ludwig van Beethoven. Ihm widmet das Orchester zusammen mit dem Mannheimer Pianisten Kai Adomeit einen auf mehrere Jahre angelegten Zyklus mit allen Solo- und Kammermusikwerken Beethovens, wie das Orchester mitteilt. Los geht es am 16. Oktober.

AdUnit urban-intext2

Beethoven ist weiter ein Schwerpunkt. So werden etwa die Sinfonien aufgeführt – in der Bearbeitung von Spätromantiker Gustav Mahler. Neu ist, dass die sogenannten Keynote-Konzerte am Abend vor den großen Philharmonischen Konzerten in kleinem, intimem und lockerem Rahmen ein festes Format werden. Der Erfolg spricht laut Fehlmann für sich.

Zu wenig Reaktion von der Kamera

Bemerkenswert ist zudem die seltene Aufführung von Karlheinz Stockhausens „Gruppen für 3 Orchester“ (8.11.) im Mannheimer Mozartsaal. Dabei kooperiert die DSP nicht mit den Orchestern des Rhein-Neckar-Deltas, sondern mit den Theaterkollegen aus Kaiserslautern. Eine achtteilige internationale Tour führt die Musiker zusammen mit Star-Tenor Jonas Kaufmann auch nach Mannheim (18.12.). Insgesamt wirkt das Programm, durch das ein Zugvogel als grafisches Leitthema fliegt, traditionell und progressiv zugleich.

AdUnit urban-intext3

Positive Meldungen setzen sich auch finanziell fort. Der rund zehn Millionen schwere Etat wird genau so gehalten wie der Stellenplan mit 86 Musikerinnen und Musikern. „Ich gehe davon aus, dass der Haushalt ähnlich aussehen wird wie in diesem Jahr“, sagt der Intendant in die Kamera, „wir haben den Wunsch auf Erhöhung geäußert, den Antrag auch gestellt, denn wir wissen: Unser Geld wird nicht ausreichen.“ Da ist sich Fehlmann genau so sicher wie dabei, dass er kein Fernsehmoderator mehr werden will. Die Kamera, so sagt er, gebe ihm zu wenig Reaktion zurück.

Ressortleitung Stefan M. Dettlinger leitet das Kulturressort des „Mannheimer Morgen“ seit 2006. Er schreibt dort in erster Linie über Musiktheater und Klassik, aber auch über andere kulturelle Thematiken. Im Zentrum seines Interesses stehen vor allem auch die politische und kulturpolitische Berichterstattung. Davor, seit 2000, war Dettlinger Musikredakteur in der Kulturredaktion des „Südkurier“ in Konstanz. Dettlinger ist von Haus aus Musiker. Er studierte an der Humboldt-Universität zu Berlin am musikwissenschaftlichen Institut bei Hermann Danuser und Wolfgang Auhagen sowie dank eines Jahresstipendiums des Deutschen Akademischen Austauschdienstes am Conservatoire National Supérieur de Musique et de Danse de Paris bei Michel Béroff Klavier. Den Beginn des Studiums absolvierte er mit dem Musiklehrer-Diplom an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart, wo er Klavier, Musiktheorie, Gehörbildung und Komposition in den Hauptfächern sowie Gesang im Nebenfach studierte. Dettlinger stammt aus Stuttgart, wo er Abitur machte und die ersten 27 Jahre seines Lebens verbrachte. Im Herbst 2016 veröffentlichte er im Wellhöfer-Verlag seinen ersten Roman "Linds letzte Laune", der in der Medienwelt spielt.