Wunder der Prärie - "Amazon" bietet wenig Einleuchtendes Sophies seltsame Welt

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Eine hyperintellektuelle, bizarre Atmosphäre herrschte in dieser Performance, in dem ein tiefes Schweigen des Publikums dominiert; der eine und andere Gast schließt schon mal die Augen. Soll das absurdes Theater sein? Da sich der Sinn der Veranstaltung nicht erschließt, verließ sie die Schreiberin dieser Zeilen in der Pause. Kritik am Konsum ist nicht unbedingt die innovativste Idee, dennoch wird sie immer wieder gerne in Bühnenprogramme aufgenommen. In "Amazon - River Deep" beschäftigt sich Anna Mendelssohn beim Mannheimer Performance-Festival Wunder der Prärie im Kulturhaus Zeitraumexit mit dem Online-Handel. Stellvertretend dafür steht Amazon. In einem kalt beleuchteten Raum steht ein Stuhlkreis, wie bei einer Therapiesitzung, Platz für die Performerin und den Regisseur Yosi Wanunu. Es ist die letzte Sitzung der Anonymen Shopaholics, von der Grundidee her durchaus humorvoll zu begreifen. Die Zuschauer nehmen mit auf den Stühlen Platz, werden damit zu ungefragten Leidensgenossen der Patientin. Ein ein wenig übergriffiger Einfall, nicht jeder ist kaufsüchtig und sieht sich behandlungsbedürftig.

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Im wahrsten Sinne des Wortes erfährt man schnell, was Sophie zur Gruppe brachte, denn sie redet im Stakkato los, mitunter schwer zu verstehen. Merkwürdige Gründe werden aufgeführt. So sind es die braunen Pakete, die Amazon in Massen bringt, und die sie dadurch an Weihnachten erinnern. "Alles meine Päckchen", denkt sie. Aber auch: "Ich kenne ihren Inhalt nicht." Diese Vorstellung ist schwer nachzuvollziehen, denn in der Regel weiß man schon, was man bestellt.

Gewagter Balanceakt

Ihrer eigenen Theorie widerspricht sich Sophie selber kurz danach, als sie erzählt, auf dem stillen Örtchen sitzend sei sie der Idee verfallen, auch das Toilettenpapier gleich beim Versandhandel zu bestellen, der dann, oh Wunder, in rauen Mengen Päckchen mit vorhersehbarem Inhalt lieferte. Ein Balanceakt wird vorgeführt zwischen der Lächerlichkeit des Produkts und den Auswirkungen einer Sucht. Dies ist durchaus nachvollziehbar, hätte aber analytischer behandelt werden können.

Eine weitere Theorie wird in den Raum gestellt: Die Kaufsucht wäre den Weißen zuzuordnen. Reiche Schwarze fallen ihr also nicht anheim? Ist es nicht eher eine Frage der Verteilung von Wohlstand in unsrer ersten Welt? eig