Rolf Miller zerhäckselt im Capitol Sätze

Von 
Jörg-Peter Klotz
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Vorweg: Das Live-Publikum zeigt sich bei populären Großveranstaltungen in der Region bis jetzt unbeeindruckt vom Coronavirus. Wie schon bei AnnenMayKantereits Konzert am Donnerstag in der SAP Arena und Felix Lobrechts Comedy-Auftritt am Samstag in der Friedrich-Ebert-Halle bleibt auch bei Rolf Millers Gastspiel im Mannheimer Capitol kein Stuhl unbesetzt.

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Der Kabarettist aus Walldürn kann über das virulente Thema auch noch lachen (lassen): „Der Kofferraum is ned gleich zugegangen. 50 Dosen Feuerzauber, 80 Ravioli“ - mit Hamsterkäufen wegen „dem Carola-Virus da“, erklärt der Kabarettist mit seinem keckernden Lachen seine leichte Verspätung. Der Saal liegt flach. Dass allen das Lachen auch vergehen könnte, stellt Miller in der Zugabe allerdings auch in den Raum: „Kann sein, dass ich noch fünf Auftritte mache, dann ist ein halbes Jahr Pause“, orakelt er mit Blick auf mögliche Verbote von Großveranstaltungen.

Was schade wäre. Denn der Abend zeigt, wie wohltuend gute Unterhaltung in angsterfüllten Zeiten sein kann. Wie gewohnt gibt Miller virtuos den Satz-Häcksler, entlarvt so allgemeine Klischees und die konkreten im Hinterkopf seiner Zuschauer, nebenbei kreiert er durch vermeintliche Wortverdreher seiner tumben Bühnenfigur wunderbare Neuschöpfungen. „Man soll Objekte nicht wie Frauen behandeln“ ist zum Beispiel ein denkwürdiger Beitrag zur #Metoo-Debatte, die Miller mit seiner breitbeinigen Fußballersitzhaltung zu konterkarieren scheint. Dann stellt er ganz normale, zur Abwechslung auch mal vollständige Sätze in den Raum, die dadurch ungeheuer mit Bedeutung aufgeladen werden: „Der Mensch ist ganz normal“ - kunstvolle Pause - „das ist das Problem.“ Einziges Manko: Da die aktuelle Rechtsextremismus-Debatte außen vor bleibt, merkt man, dass er das Programm „Obacht Miller“ schon seit 2018 spielt. 

Ressortleitung Stv. Ressortleiter Kulturredaktion