Klassik: Der Russe Andrei Gavrilov spielt mit der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz bei der BASF Pianistische Liebeserklärung an Sergej Rachmaninov

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Das Leben kann doch wirklich schön sein. Zum Beispiel im Feierabendhaus Ludwigshafen, wenn der Pianist Andrei Gavrilov das dritte Klavierkonzert von Sergej Rachmaninov so grenzenlos abgründig, so herrlich schön und pianistisch so exzessiv vorstellt. Als ob dieser Dauerbrenner, nun etwa 100 Jahre alt, taufrisch und jung daherkäme, um das Publikum zu überwältigen, wobei ihm die Deutsche Staatsphilharmonie unter Ari Rasilainen nicht nur assistierte, sondern sich regelrecht anstecken ließ.

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Andrei Gawrilow setzt - nicht nur - an diesem Abend Maßstäbe. Sein Spiel, seine Haltung und sein "Spirit" gehen von totaler Identifikation mit diesem Werk aus. Das enge Kopfmotiv, Ausgangspunkt eines pianistisch-sinfonischen Schlachtengemäldes, wirkt bei diesem Klavierspieler wie eine zärtliche Liebeserklärung an jenes seltsame Ding, das gemeinhin "russische Seele" genannt wird. Die ist bekanntlich weit und tiefgründig, Gavrilov spannt sie zwischen quirligem Leggiero und brutal-metallischen Oktavgängen, zwischen elefantöser Kadenz im ersten Satz und betender Sehnsucht im zweiten auf. Der Finalsatz spürt aus dem pittoresken Tanz heraus dem Kosmos all dessen nach, was Musik ausdrücken kann: Schmerz, Glück. Der Pianist wirkte vom Beifall beglückt und schenkte seinem enthusiastischen Publikum noch eine in glühendes Metall getauchte "Versuchung" von Prokofieff und eine verführerisch zarte Scarlatti-Sonate.

Vielleicht hätte Ari Rasilainen das Programm einfach umstellen sollen, damit das Chor/Orchesterwerk "Die Glocken" von Rachmaninov seine Eigenwirkung hätte besser entfalten können. So stand das machtvolle Stück, das vier Gedichte voller Irrlicht von Edgar Allan Poe zwischen optimistischem Vorwärtsdrang und robuster Apokalypse inszeniert, im Schatten des Klavierauftritts. Natürlich wird mit dieser Wertung den Ausführenden, neben der Deutschen Staatsphilharmonie der groß und gut besetzte Philharmonische Chor, unrecht getan. Allerdings ließen die Gesangssolisten einige Wünsche offen, wenn neben dem stabil-runden Bass Alexander Teliga die etwas enge Tenorstimme von Mika Pohjonen und die flackernden Sopran-Register von Melanie Maennl nicht ganz den Erwartungen gerecht wurden. BE