Das Porträt - „Erzähl mir was“-Gewinner Hans-Jochen Hüchting schreibt Geschichten, die Zuversicht und Werte vermitteln „Nicht resignieren, sondern tun“

Von 
Martin Vögele
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Eine ungewöhnlich ergreifende wie tiefgreifende emotionale Balance hat Hans-Jochen Hüchting in seiner Erzählung „Gesa“ gefunden. Es ist die Geschichte eines großen Verlustes – ein Mann, Hinnerk, verliert seine Frau Gesa nach mehr als 40 Ehejahren an den Tod. Das ist zutiefst traurig und melancholisch – aber birgt zugleich eine lebensbejahende Kraft, denn der Protagonist gibt nicht auf, sondern blickt der Zukunft in ungebrochen-aufrechter Haltung entgegen. Mit „Gesa“ hat Hans-Jochen Hüchting den dritten Preis des Schreibwettbewerbs „Erzähl mir was“ dieser Redaktion gewonnen.

Hans-Jochen Hüchting belegte beim Schreibwettbewerb „Erzähl mir was“ den dritten Platz. © Privat

Hauptfiguren frei erfunden

Präsident der TSG Weinheim

  • Hans-Jochen Hüchting wurde 1942 in Aschersleben geboren. Er studierte Jura und promovierte, ergriff aber nie einen juristischen Beruf, sondern ging in die Wirtschaft.
  • Er arbeitete zunächst in einem Hamburger Handelsunternehmen, kam dann nach Weinheim zur Firma Freudenberg, deren Unternehmensleitung er bis zu seinem Ruhestand im Jahr 2004 angehörte.
  • Hüchting ist Präsident der TSG 1862 Weinheim, für die Freien Wähler im Ortschaftsrat von Lützelsachsen, gehört dem Vorstand des Gemeindebauvereins Weinheim-Lützelsachsen, und leitet die Initiative „Kunst und Diakonie“.
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Der 77-Jährige hatte den Aufruf dazu in den „Weinheimer Nachrichten“ gelesen: „Das ist eine feine Sache, da mach’ ich mit!“, erzählt er im Gespräch mit dieser Redaktion. So bildhaft, nah und authentisch das Geschehen auch anmutet: „Die Figuren, Hinnerk und Gesa, sind frei erfunden“, erklärt Hüchting, die Handlung ebenso. „Das einzig Reale ist die untergelegte Geschichte eines jungen Menschen, der versehentlich auf einer Sandbank abgesetzt wird“ – und dabei ums Leben kommt. Vor vielen, vielen Jahren sei das tatsächlich geschehen, berichtet er.

Tjark Evers hieß der zur Legende gewordene junge Mann, der, bevor er am Tag vor Heiligabend 1866 zwischen Langeoog und Baltrum ertrank, den Wellen noch eine an seine Eltern gerichtete Abschiedsflaschenpost überantworten konnte. „Das, was die Hauptfigur erlebt, ist in meiner Vorstellung eine Metapher dafür, dass es in einer Zeit, in der man in große Trauer oder Depression fällt, hilft, aktiv zu werden, etwas zu tun – und zwar für andere, nicht für sich“, merkt der Weinheimer an. „Das will ich mitgeben: Nicht resignieren, sondern etwas tun.“

Geschichten für Kinder

Die Vermutung des Lesers, dass bei ihm eine besondere Bindung zu den ostfriesischen Inseln besteht, trügt nicht: „Schon seit meiner Kindheit bin ich regelmäßig auf Baltrum gewesen, meine Eltern haben da damals ein Häuschen gekauft, und auch vorher schon waren wir immer dort. Das ist eine Ferienheimat geworden für mich, und für unsere Kinder auch.“ Drei erwachsene Kinder und sechs Enkelinnen haben er und seine Frau, die im Weinheimer Stadtteil Lützelsachsen leben. Ursprünglich stammt Hüchting aus Norddeutschland, hatte in Hamburg, Bremen und Hannover gelebt, bevor er an die Bergstraße zog, wo er bei der Firma Freudenberg arbeite, deren Unternehmensleitung er bis zu seinem Ruhestand im Jahr 2004 angehörte.

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Die Kinder waren es auch, die den Grundstein für sein literarisches Schreiben gelegt haben: „Als unsere Kinder klein waren, habe ich ihnen zum Schlafengehen als Abendgeschichte immer etwas erzählt. Und irgendwann dachte ich, Mensch mach’ daraus doch eine Fortsetzungsgeschichte, mit einer Figur, die alles Mögliche erlebt“, erinnert er sich. „Das habe ich gemacht, und mit großer Begeisterung sind sie dem gefolgt.“ Sehr viele Jahre später habe die älteste Tochter, zu diesem Zeitpunkt schon längst erwachsen, gefragt, warum er die Geschichten nicht aufschreibe. Hüchting tat es, aber war damit unzufrieden – „weil es eigentlich nur eine Aneinanderreihung von Abenteuern war“.

So begann er in den Fortsetzungsgeschichten um die Figur eines kleinen Fuchses Erfahrungen zu behandeln, die ein junger Mensch im Laufe seines Heranwachsens mitnehmen kann – Mut, Liebe, Freundschaft oder die Überwindung von Angst.

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Auf diese Weise entstand das Buch „Fridolin Fuchs“. Ein Kinderbuch, ein Roman und zwei Novellen-Anthologien sollten folgten.

Ehrenamtlich engagiert

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Ermuntert ihn der Gewinn dazu, Neues zu schreiben? „Ich habe schon viel geschrieben und brauche dazu keine weitere Motivation“, entgegnet Hüchting. „Es bestätigt mich eher,“ sagt der 77-Jährige, der sich auch ehrenamtlich engagiert – unter anderem im Vorstand der Gemeindebauvereins Lützelsachsen.

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