Sprache: IDS-Kongress in Mannheim beschäftigt sich mit "Sprache intermedial" Mediales Navigationsproblem

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Thomas Groß

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Ludwig Eichinger, Direktor des Instituts für Deutsche Sprache, illustriert das Thema der IDS-Jahrestagung anekdotisch: Als noch Schriftsprache der Maßstab und ein Fernziel nur zu notieren war, da waren Missverständnisse, wie sie ihm derzeit widerfahren, ausgeschlossen. Sein Navigationsgerät schickt den Autofahrer und gebürtigen Bayern Eichinger an gänzlich unbeabsichtigte Orte, weil es die eingesprochenen Fahrtziele falsch identifiziert.

"Sprache intermedial", so das Tagungsthema im Mannheimer Rosengarten, das ist die Sprache in verschiedenen Facetten betrachtet - als Schrift, als stimmlich Artikuliertes und im Verhältnis zu anderen Medien, die keine sprachlichen sind, etwa zu Bildern oder Filmen. Also widmet man sich auch dem vielbeschworenen Medienwandel und der Frage, welche Auswirkungen er auf die Sprache hat - seien es nun alltäglich erfahrbare, wie in Eichingers Fall, oder theoretisch zu fassende.

Dass zum Auftakt der Tagung eher die Theorie das Wort hat, ist beim IDS eine gute Tradition. Die Philosophin Sybille Krämer trug dem gestern Rechnung mit ihrem Vortrag "Zur Medialität der Kommunikation". Es ging ihr um den Nachweis, dass der Schrift per se ein bildliches Moment eignet und die Stimme Bedeutungen transportiert, etwa Gestimmtheiten des Sprechenden, die nicht durch sprachliche Zeichen vermittelt sind. Multimedial ist mithin schon die Sprache als solche. Der folgende Vortrag knüpfte daran an, indem er Interjektionen, verbale Einwürfe wie "Ach" oder "Oh", die eher Emotionales transportieren als eine buchstäbliche Bedeutung, zu systematisieren und im Ganzen der Sprache zu verorten versuchte.

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Tradition hat es bei der Tagung auch, dass dort der mit 7500 Euro dotierte Hugo-Moser-Preis an Nachwuchsforscher verliehen wird. Alexandra Lenz erhielt ihn für ihre Studie über "Besitzwechsel-Verben" (wie geben, nehmen, bekommen) und deren Verwendungsvielfalt.

Um zu unterstreichen, dass Sprache und Sprechen eine sinnlich-ästhetische Facette haben, sorgten die Organisatoren für ein Novum - und luden den Sprechkünstler Timo Brunke ein. Der führte ein (Selbst-) Gespräch mit "Frau Sprache", gab purer Lautlichkeit Ausdruck und lotete die Grade des Bedeutens vom Tiefsinn bis zum Unsinn aus. Goethes "Willkommen und Abschied" hört sich ganz anders an, wenn der Vortragende dazu isst und trinkt. Und die "Bundesverfassungswurst" hat ebenfalls Charme. Auch Humor ist offenbar ein Medium, zumal, wenn er sprachlich verfasst ist.