Geburtstag - Blues-Legende Eric Clapton wird 75 Jahre alt / Bisher drei Konzerte in der SAP Arena Mannheimer Meilensteine

Von 
Jörg-Peter Klotz
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„Clapton is God“ – dass der schon früh in seiner Karriere zur Bluesrock-Legende geadelte Eric Clapton „Gott ist“, stand Mitte der 1960er Jahre plötzlich an einer Wand im Londoner Bezirk Islington. Diese Frühform von Graffiti ging genau so um die Welt wie die Musik des singenden Gitarristen, der als Solist, aber auch mit Bands wie den Yardbirds, John Mayall’ & The Bluesbreakers, Blind Faith, Derek & The Dominos und vor allem Cream Rockgeschichte schrieb. Am Montag, 30. März, wird der stille Weltstar mit dem Ehrentitel „Slowhand“ 75 Jahre alt – und weist bescheiden alles Göttliche von sich: „Ich bin nur ein Blues-Gitarrist.“ Aber einer, der schon als Teenager der Beste seines Fachs werden wollte. Das Magazin „Rolling Stone“ kürte ihn 2003 immerhin zum Zweitbesten nach Jimi Hendrix.

2014 spielte Eric Clapton vor 10 700 Fans in der SAP Arena. © Uwe Anspach/dpa
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Zuletzt hatte die Legende mitunter menschliche Schwächen gezeigt: Nachdem 2013 bei ihm eine neurologische Erkrankung diagnostiziert worden war, klagte Clapton in Interviews über chronische Schmerzen und Hörprobleme. Es fordere ihn schon, nur die Gitarre zu stimmen, sagte er der BBC. Das erklärt, warum manchen seiner Live-Auftritte zuletzt die überbordende Spielfreude und Leidenschaft fehlte, die etwa sein Konzert am 23. Juli 2006 zu einem der absoluten Meilensteine in der Geschichte der SAP Arena gemacht hat.

Da Clapton die vergleichsweise gute Akustik der Mannheimer Halle schätzt, kehrte er 2014 und 2019 mit soliden Shows und ähnlichem Repertoire zurück. Vereinzelte Glanzlichter setzt er dabei vor jeweils mehr als 10 000 Fans immer noch: Unvergessen, als Clapton 2019 ausgerechnet im schwungvollen Gassenhauer „I Shot The Sheriff“ eines der leisesten und feinfühligsten Gitarrensoli einstreut, das im Rock überhaupt nur vorstellbar ist. Das gelingt ihm so atemberaubend fesselnd, dass man eine gefühlte Ewigkeit in der vollen Arena absolut nichts Anderes hört – bis ein Zuhörer das Ende erahnt und seiner Begeisterung mit einem lauten „Eeeeeeeericcc“ Luft macht. „Es ist schön, wieder hier zu sein“, dankt der live sonst extrem wortkarge Hauptdarsteller gelöst. Und sichtlich dankbar, dass er seinem enormen Ruf immer noch gerecht werden kann.

Trauer in Hits verarbeitet

Er hat ja auch schon ganz andere Klippen umschifft und wie sein großes Vorbild, Blues-Pionier Robert Johnson (1911-1938), an mancher lebensverändernden Kreuzung gestanden. Der Cream-Hit „Crossroads“ zählt nicht umsonst zu Claptons größten Werken. Wie „Layla“, das die nicht erwiderte Liebe zu George Harrisons Frau Patti verarbeitet, die zu langjährigen Suchtexzessen führte, oder die Ballade „Tears In Heaven“ über den Unfalltod seines vierjährigen Sohnes Conor 1991. Das alles ist überwunden, vor seinem 75. gibt sich Clapton kämpferisch: „Ich bin entschlossen, so lange zu leben wie ich kann“, sagte er dem „Rolling Stone“. Auch mit 75 Jahren bleibt der Altmeister der Bühne treu. Seine aktuelle Sommer-Tournee wurde aufgrund der Corona-Pandemie auf 2021 verschoben.

Ressortleitung Stv. Ressortleiter Kulturredaktion