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Kunst

Kurioses und Konkretes

Pfeifer & Kreutzer bei Sebastian Fath Contemporary

Von 
Susanne Kaeppele
Lesedauer: 

In den schönen Räumen der Galerie Sebastian Fath Contemporary in der Werderstraße tun sich sehr seltsame Dinge: Ein plüschiger, schwarzer Kasten gibt plötzlich Geräusche von sich! Er ist also nicht nur flauschig und nett, nein, er ist auch bedrohlich und sehr merkwürdig. Zudem hängt er in Ohrhöhe an der Wand, und wenn die Betrachterin in seine Nähe kommt, fängt er an, diese seltsamen Laute von sich zu geben. Aber wenn sich die Tür zum Ausstellungsraum öffnet, ist noch Merkwürdigeres zu sehen: Eine Stellage aus Metallständern beheimatet puschelige Teile, die an Mikrofone erinnern, sich dabei absenken, weggehetzt werden und am Schluss nur das vollkommene Rätsel übrig lassen. Denn sie werden von Scheibenwischern gejagt.

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Wir sind auf jeden Fall schon vollends im Universum des vielversprechenden Künstlerpaars Pfeifer & Kreutzer angekommen. Kurz zur Biografie der beiden: Anne Pfeifer, geboren 1987 in Lindenfels, Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München, und Bernhard Kreutzer, geboren 1986 in München, Studium an der dortigen Hochschule für Film und Fernsehen.

Vieldeutige Titel

Wenn man sich die Lebensläufe so anschaut, wird einiges klarer: Sie haben Interesse an lustigen Geschichten und können sie auch erzählen. Denn wenn sich etwa die Arme in „Distance“ (2019, Video) nicht berühren können, weil sie in verschiedenen Bildkästen verharren müssen, sind gleich viele Themen angesprochen: von Michelangelos „Erschaffung Adams“ aus der Sixtinischen Kapelle und damit der Menschwerdung bis zu der Nichtberührung während Corona. Sprich, kluge Kunstschaffende sind hier am Werk und holen uns aus dem Alltag in die Gegenwart unserer Zeit.

Wenn etwa ein Scheibenwischer in „Hare“ (2020) ein graues Plüschfell rhythmisch streichelt, ist die Assoziation an ein Trommelfell (im Sinne des Musikinstrumentes) nicht fern. Aber dann kommen auch wieder an konkrete Formen gemahnende Vorgänge ins Bild: Ein schwarzes Rechteck rotiert auf gelber Platte, bewegt sich mit Geräusch, verlässt also so die Ebene der „normalen“ konkreten Kunst und tritt ein ins Universum der Musik der Maschinen. Der Ausstellungstitel „Tau“ benennt dann auch schon vieles: das dicke Tau, das in der Seefahrt wichtig ist, den morgendlichen Niederschlag und den Buchstaben des griechischen Alphabets. Sehr lustig!

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