Klassik - Abschluss der Konzertreihe „Modern Times“ Kriegsgräuel und aufwühlende Musik

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urs
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Würde sich das Frage- in ein Ausrufezeichen verwandeln lassen? Zumindest äußert der Intendant der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz, Beat Fehlmann, die Hoffnung auf einen zivilisatorischen Lerneffekt, den die Musik zu spielen vermag. Zu Beginn des letzten Konzerts in der Reihe „Modern Times“, die sich mit den Gräueln des Ersten Weltkrieges (1914-1918) befasst hat, weist Fehlmann der Musik eine Rolle zu, die aus der Vergangenheit zu lernen hilft.

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Noch aber bleiben mit Charles Ives’ Orchestersatz „The Unanswered Questions“ alle Fragen offen. Den stoischen Fluss der Streicher stören die Bläser mit dissonanter Unruhe, doch sie prallt am mystischen Gleichmut ab. Edward Elgars Cellokonzert in e-Moll schwankt zwischen wehmütiger Resignation und trotziger Attitüde, die in Julian Steckel einen zu schmerzlicher Hingabe bereiten Interpreten finden.

Der Cellist liefert eine hochdramatische Darbietung, die Elias Grandy dank seines einfühlsamen wie entschlossenen Dirigats mit dem Orchester verzahnt. Johann Sebastian Bachs Präludium aus der ersten Cellosuite, die Steckel zugibt, wirkt wie eine Antwort, die über allen Fragen schwebt.

Béla Bartóks Konzertfassung von „Der wunderbare Mandarin“ wühlt dagegen mit gewalttätig wirkenden Klängen auf. Gleißende Violinen, alarmierende Bläser, stampfende Pauken und inmitten des Tobens und Wütens eine messerscharfe Generalpause – das hat schon etwas Entgrenzendes.

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Mit Ravels „La Valse“ karikiert die Staatsphilharmonie jegliche Wiener Seligkeit. Man mag darin zumindest ein Ausrufezeichen hinter der Frage sehen, was Musik vermag: dem Irrsinn einen Ausdruck zu geben. Ihn hierdurch zu bannen, wäre auch von der Musik zu viel verlangt. urs