Kunst: In Schwetzingen wird das umfangreiche Werk des inzwischen 85-jährigen Malers Heinz Friedrich im Rathaus und im Palais Hirsch gewürdigt Junge Schnösel und großartige Stillleben

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Christel Heybrock

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Menschen haben ihn seit jeher fasziniert. "Einige tausend" Porträts habe er bisher gemalt, heißt es im schmalen Katalog, den der Kunstverein Schwetzingen für Heinz Friedrich herausgab - die meisten im Auftrag, und noch immer nehmen die Aufträge für den 85-Jährigen kein Ende.

Er hat nie nach Fotos gemalt, bei Friedrich muss man "sitzen", auf einem kleinen Podest im Atelier, und ein paar Stunden Zeit haben, vielleicht gar über ein, zwei Tage. Das Ergebnis: man fühlt sich durchschaut, erkannt, aus einer Distanz heraus verstanden. Die Geburtstagsschau im Palais Hirsch vereint Friedrichs große Themen in über 30 Exponaten aus mehr als einem halben Jahrhundert künstlerischer Entwicklung: Stillleben, Landschaften, Schwetzinger Ansichten, Blumen - und eben Menschenbilder. Längst Vergessenes und kürzlich wieder Entdecktes aus Friedrichs Frühwerk wie ein Selbstbildnis von 1955 oder das Doppelporträt der Eltern von 1968 zeigen einen begabten, ehrgeizigen Künstler. Nicht zuletzt über Reisen nach Afrika und Südostasien gewann er ein verblüffendes Einfühlungsvermögen in Posen, Gesten und Bewegungen von Menschen. Über die großen Porträts, die pfälzischen Landschaften und die Stillleben (wie das "Stillleben in Weiß" mit dem leeren Tafelgeschirr) aus den 70er bis 90er Jahren zieht sich ein Reifeprozess, eine wachsende Souveränität, die längst nicht zum Stillstand kam. Mit 85 malt Friedrich immer noch, und vor allem die kleinen Formate der letzten Jahre beweisen eine neue, bisher unerreichte Meisterschaft.

Ein Strauß halb welker Rosen, ein "Wickensträußchen" oder blühende Apfelbäume sind mit ihren Farbschichten und kantigen Pinselstrichen von erstaunlicher Dichte und Energie. Die Figurenbilder jung, frisch und frech - Badende im Schwimmbad reduziert auf scheinbar grobe Konturen, aus etwas Distanz von unglaublicher Plastizität. Die Straßenszene "New Generation" von 2007 mit dem Zigarette rauchenden jungen Schnösel: der Augenblick einer Geste wird zur Dauer und zum Dokument eines Lebensgefühls.