Das Gespräch - Revolverheld um Gitarrist Niels Kristian Hansen spielen am Samstag im Mannheimer Autokino / Warten auf neue CD „Jeder hat seinen VIP-Bereich“

Von 
Tanja Capuana-Parisi
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Das Coronavirus hat zahlreiche Konzerte und Festivals auf dem Gewissen. Eigentlich soll die Band Revolverheld im September in Frankenthal singen – man wird abwarten müssen, ob die Pandemie das zulässt. Ganz müssen Fans der Deutsch-Pop-Rocker dennoch nicht darauf verzichten: Das Quartett wird am 13. Juni beim Carstival in Mannheim auf der Autokino-Bühne stehen. „Natürlich wussten wir nicht genau, was uns erwartet“, sagt Gitarrist Niels Kristian Hansen. „Wir waren vorher aufgeregt und wussten nicht genau, wie das wird.“ Es sei eine andere Situation, vor Autos und nicht vor Publikum zu stehen. „Wir sind auch gewohnt, in kleinen Clubs zu spielen und komplette Nähe zum Publikum zu haben“, sagt er. „Wir haben gesagt, da muss man sich irgendwie darauf einlassen und das einfach mal ausprobieren.“

In Hannover stand Niels Kristian Hansen mit Revolverheld bereits aufeiner Autokino-Bühne. © IMago
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Inzwischen hat der 40-Jährige mit seinen Kollegen mehrere Autokinokonzerte gespielt. „Es war wirklich großartig und hat ganz viel Spaß gemacht.“ Auch von Besuchern gibt es positives Feedback. Sie hätten sich erstens gefreut, wieder rauszukommen. „Zweitens ist das im Auto, was wir bei Konzerten so gesehen haben, eigentlich eine ganz romantische und spezielle Geschichte.“ Viele Fans dekorieren Autos mit Lichterketten, haben Picknickkörbe dabei und feiern in intimen Rahmen. „Jeder hatte eine Art VIP-Loge, seinen eigenen geschützten Bereich.“

Am 13. Juni beim Carstival

  • Niels Kristian Hansen wurde am 22. April 1980 in Hamburg als Niels Kristian Grötsch geboren.
  • Er ist Gitarrist der Band Revolverheld, die 2002 von ihm, Johannes Strate, Kristoffer Hünecke, Jakob Sinn und Florian Speer (der die Band 2012 verlassen hat) gegründet wurde, damals unter dem Namen Manga.
  • Zu ihren größten Hits gehören „Ich mach für dich das Licht an“, „Spinner“ und „Halt dich an mir fest“.
  • Am Samstag, 13. Juni, treten Revolverheld beim Mannheimer Carstival ab 20.30 Uhr auf (Karten: carstival.de, 94,81 bis 126,07 Euro pro Auto). Ein Open Air im Frankenthaler StrandBad soll am 10. September 2021 stattfinden.

Weniger Interaktion mit Publikum

Normalerweise bekommt die Band akustisch viel von ihrem Publikum mit. „Wir sind es gewohnt, nach einem Song Applaus zu bekommen.“ Doch wie ist das Gefühl, wenn der Beifall wegfällt? „Total lustig auf der einen Seite. Man muss sich natürlich darauf einstellen“, erklärt der Künstler. „Es wird viel gehupt.“ Gleichzeitig machen sich Fans mit Lichthupe und Scheibenwischer bemerkbar. Andere halten über das Dachfenster Plakate hoch. „Es war fast wie bei einem normalen Konzert, nur eben ein bisschen anders. Wir haben es trotzdem auf der Bühne mitbekommen, wenn dem Publikum etwas gefallen hat“, sagt er. „Bis jetzt war es eine großartige Erfahrung, und ganz toll, dass es alle es so annehmen.“

Glaubt er, dass sich Autokinos durchsetzen? „Ich könnte mir grundsätzlich vorstellen, dass es eine Form ist, die interessant ist und eine schöne Abwechslung zu dem, was man sonst kennt.“ Dennoch gibt Hansen zu bedenken, dass bei Autokino-Konzerten die Kapazität begrenzt ist. „Insofern wird es nicht die Konzerte ersetzen, wenn man keine Beschränkungen mehr hat.“

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Was Fans beim Autokino erwartet, unterscheidet sich nur wenig von dem, was sie kennen. „Die Leute können sich wie gewohnt auf ein relativ normales Konzert freuen, nur dass sie eben in ihrer eigenen kleinen VIP-Loge sitzen“, sagt Hansen. „Natürlich ist die Bühne ein bisschen anders.“ Aktionen, bei denen Leute auf die Bühne geholt werden, können nicht stattfinden. „Es geht um die Musik – und die können wir ganz normal machen.“

Studioaufnahmen verschoben

Proben fanden normal statt. „Unsere Locations sind so, dass wir mit genügend Abstand proben können.“ Verändert haben sich andere Aspekte des Arbeitens. „Wir arbeiten an einem neuen Album und haben vieles ins Homeoffice verlagert.“ Geplante Studiosessions musste die Gruppe verschieben. Daher hat sich der Termin der CD verschoben. „Aber wir sind schon relativ weit und es wird auch demnächst sicherlich noch dieses Jahr schon das eine oder andere zu hören geben.“

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Auch Hansens persönliches Leben hat Corona beeinflusst. „Ich habe eine kleine Tochter zu Hause, die geht normalerweise in die Kita.“ Hansen befürchtet, dass es noch eine Weile dauern könnte, bis Menschen die komplette Freiheit zurückbekommen. Er kann es aber kaum erwarten, wieder auf der Bühne zu stehen. „Wir sind Musiker geworden, weil wir gerne Musik machen.“ Livekonzerte machen am meisten Spaß. „Insofern freue ich mich umso mehr, dass wir zumindest mit den Autokino-Konzerten die Möglichkeit bekommen haben, ein Stück Normalität wieder zu haben.“

Freie Autorenschaft Kulturredaktion, Lokalredaktion, Wochenende. Schwerpunkte: Bunte Themen, Reisereportagen, Interviews, Musik (von elektronischer Tanzmusik bis Pop), Comedy und Musicals