Theater - Intendant Tilman Gersch und Kulturdezernentin Cornelia Reifenberg planen für die Ludwigshafener Bühnen eine (fast) normale Spielzeit Im Pfalzbau wird es keine Geisterspiele geben

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Stefan M. Dettlinger
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Es ist, wann immer in diesen Zeiten eine am Reißbrett entworfene Saison vorgestellt wird, ein bisschen wie beim Roulette. Man weiß jetzt schon: Es wird wohl, erstens, anders kommen, und zweitens, als man denkt. Auch bei den Pfalzbaubühnen ist das Spiel nicht anders. „Wir haben ein Programm gemacht, als gäbe es kein Morgen“, sagt Intendant Tilman Gersch bei der Pressekonferenz am Dienstagvormittag: „Jetzt müssen wir eben sehen, was im September ist.“

Pfalzbaukracher: Molières „Amphitryon“ (Schaubühne Berlin). © Thomas Aurin
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September. Am vierten des Monats will der Pfalzbau nämlich seine Saison eröffnen – mit einem Tanzpaukenschlag aus Frankreich: der Choreographie „Nouvelles Pièces Courtes“ von Philippe Decouflé mit der Compagnie DCA, eine Produktion, die aus der seit 12. März brachliegenden aktuellen Spielzeit übernommen wird. Kurator der Tanzsparte wird nach Nanine Linning nun für zwei Jahre Marco Goecke, der auch gleich das Tanztheater Wuppertal Pina Bausch mit „Palermo Palermo“ (10.-12.12.) im Rahmen der Festspiele an den Rhein zu holt. Insgesamt stehen für das mit einem 6,2 Millionen-Etat ausgestattete Haus 153 Vorstellungen von 88 unterschiedlichen Produktionen auf dem Programm, davon allein 34 in der Sparte Tanz, 31 im Bereich Kinder- und Jugendtheater, 29 im Schauspiel sowie Musiktheater, Konzerte und Extras.

Ludwigshafens Kulturdezernentin Cornelia Reifenberg (CDU) ist bei der ersten physischen Pressekonferenz seit langem sichtliche Vorfreude auf ein „echtes“ Kulturleben anzumerken. „Es ist wichtig, dass das kulturelle Leben wieder beginnt“, sagte sie, nachdem sie ihren Mundschutz abgenommen hatte. „Wir alle sehen die kulturellen Berufe als systemrelevant an. Wir sehen Kultur als Lebensmittel, wie Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sagte. Geisterspiele werden es nicht bringen. Wir wollen ein Programm vorstellen, das auch durchgeführt und nicht zur Makulatur wird.“ Man wolle an das anknüpfen, was zuletzt erreicht wurde: Zuschauerrekord, Einnahmerekord. Freilich: Das war vor Corona.

„Die Ratten“ als Bürgerprojekt

Doch nach den Theatern in Hamburg und München steht nun Thomas Ostermeiers private Berliner Schaubühne im Zentrum einer Werkschau. Auf dem Spielplan finden sich da etwa Herbert Fritschs grotesk-komische Inszenierung von Molières Komödie „Amphitryon“ oder die zum Theatertreffen eingeladene Aufführung „Die Ehe der Maria Braun“ nach dem Film von Rainer Werner Fassbinder – inszeniert vom Hausherren Ostermeier himself.

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Gersch betont immer wieder, dass seine Bühnen hochkarätiges Schauspiel mit Entertainment verbinden. Eine Öffnung in die Stadt und hin zu den Bürgern, die bereits sein Vorgänger Hansgünther Heyme begonnen hatte, entwickelt er nun mit einem Bürgerprojekt zu Gerhart Hauptmanns „Die Ratten“ weiter. Komplettiert wird der Spielplan durch weitere internationale und nationale Gastspiele sowie Eigenproduktionen. Ob das alles so wird stattfinden können, hängt von Corona ab. Doch Gersch ist zuversichtlich: „Wer hätte gedacht, dass am 25. Mai die Theater wieder öffnen.“ Man sieht: Die Hoffnung stirbt gerade auf dem Theater zuletzt – trotz Roulette.

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Ressortleitung Stefan M. Dettlinger leitet das Kulturressort des „MM“ seit 2006.