Kulturpolitik - Karlsruher Gemälde wird zurückgegeben Hoffnung auf einen Kompromiss

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dpa/tog
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Ein expressionistisches Gemälde aus der Staatlichen Kunsthalle in Karlsruhe, welches das Land Baden-Württemberg an die Erben des jüdischen Vorbesitzers zurückgeben möchte (diese Redaktion berichtete), könnte wenigstens zeitweise doch in Karlsruhe zu sehen sein. Diese Möglichkeit deutete jedenfalls die Direktorin des traditionsreichen Museums, die aus Ludwigshafen stammende Kunsthistorikerin Pia Müller-Tamm, an.

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Nach dem Willen der Erben soll das Gemälde „Geschwister“ von Erich Heckel dem Virginia Museum of Fine Arts im US-amerikanischen Richmond gestiftet werden und dort weiterhin öffentlich zu sehen sein. „Dies bietet die Chance, mit dem Museum über die Möglichkeit einer Kooperation nachzudenken“, sagte Müller-Tamm. Heckels „Geschwister“ verbinde ab nun die beiden Kunsthäuser.

1967 der Kunsthalle gestiftet

Setzt auf Verständigung: Direktorin Pia Müller-Tamm. © Uli Deck/dpa

Mit der Entscheidung zur Rückgabe, die das Kunstministerium mitgeteilt hatte, reagierte das Land auf die Einschätzung der beratenden Kommission für NS-Raubgut. Es sei von einem NS-verfolgungsbedingten Entzug auszugehen, hatte diese zuvor mitgeteilt und somit die Restitution empfohlen. Das Gemälde wurde von Erich Heckel (1883-1970), einem Hauptvertreter der expressionistischen Kunst in Deutschland, 1913 gemalt. Es befand sich laut der Kommission bis 1934 im Besitz des Historikers Max Fischer. Wegen seiner jüdischen Abstammung wurde dieser von den Nationalsozialisten verfolgt und verließ 1935 Deutschland. Die von seinen Eltern geschaffene Sammlung gehörte zu den wichtigsten deutschen Privatsammlungen expressionistischer Kunst.

Heckels Gemälde gelangte unter ungeklärten Umständen wieder in den Besitz des Künstlers, der es 1967 dann der Kunsthalle in Karlsruhe stiftete. dpa/tog