Helena Zengel kann nach Globe-Nominierung "schreien vor Glück"

Von 
Patrick Heidmann
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Spielt mit zwölf Jahren an der Seite von Tom Hanks in „Neues aus der Welt“ und kann auf einen Golden Globe als „beste Nebendarstellerin“ hoffen: Die Berlinerin Helena Zengel. © Netflix, Kineo / Weydemann Bros.

Schon mit fünf Jahren entdeckte Helena Zengel die Schauspielerei für sich. Nach kleinen Rollen vor allem in Fernsehproduktionen wurde sie 2019 bekannt, als auf der Berlinale der Film „Systemsprenger“ von Nora Fingscheidt Premiere feierte. Zengel spielt die verhaltensauffällige Benni und wurde für ihre Leistung mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet und für den Europäischen Filmpreis nominiert. Ab dem 10. Februar ist sie nun an der Seite von Tom Hanks im Western „Neues aus der Welt“ auf Netflix zu sehen. Für ihre erste englischsprachige Rolle wurde sie als Beste Nebendarstellerin für den Golden Globe und den Screen Actors Guild Award nominiert.

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Helena, herzlichen Glückwunsch zur Nominierung für den Golden Globe! Wie hast Du davon erfahren?

Zur Person

  • Helena Zengel wurde am 10. Juni 2008 in Berlin geboren und begann im Alter von fünf Jahren ihre junge Schauspielkarriere.
  • Ihr Filmdebüt gab sie im 2014 erstausgestrahlten Krimi „Mörderische Hitze“, einer Episode der ZDF-Reihe „Spreewaldkrimi“ mit Hauptdarsteller Christian Redl.
  • Es folgten weitere Rollen, ehe Zengel mit „Systemsprenger“ der Durchbruch gelang. Ihr Spiel der verhaltensauffälligen neunjährigen Benni wurde mit dem Deutschen Filmpreis als Beste Hauptdarstellerin geehrt. seko

Helena Zengel: Das war der schönste Tag meines Lebens! Ich war gerade beim Möhren kaufen für mein Pferd, meine Mama hat auf mich gewartet und als ich zurück kam, war die PR-Agentur am Telefon und Mama meinte: „Du hast es geschafft, Du bist für den Golden Globe nominiert!“ Im ersten Moment konnte ich gar nichts sagen, weil ich wirklich nicht damit gerechnet hatte. Das ist so unglaublich für mich, ich bin immer noch total überwältigt - irgendwie sprachlos und gleichzeitig könnte ich schreien vor Glück!

Wonach suchst Du - ich nehme an gemeinsam mit Deiner Mutter - überhaupt aus, welche Rollen für Dich in Frage kommen?

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Zengel: Meistens lesen meine Mutter und ich Drehbücher an zwei, drei Abenden und sprechen dann darüber. Die Geschichte und die Rolle müssen mir gefallen, das ist entscheidend. Aber wir achten natürlich auch darauf, dass die Sache meinem Alter angemessen und nicht zu krass oder intim ist.

Und was hat Dich konkret an „Neues aus der Welt“ gereizt?

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Zengel: Die Geschichte fand ich spannend und ich hatte große Lust, im Wilden Westen und mit Pferden zu drehen. Das Mädchen, das ich spiele, spricht ja nicht wirklich beziehungsweise spricht sie nur ein bisschen die Sprache der Kiowa. Das fand ich eine coole Chance, denn es gibt vor der Kamera als Schauspielerin kaum etwas Schwieriges, als sich auszudrücken ohne zu reden. Und in Hollywood mit jemandem wie Tom Hanks zu drehen, war natürlich auch einmalig.

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Seid Ihr nach den Dreharbeiten noch in Kontakt geblieben?

Zengel: Klar! Tom hat kein WhatsApp, aber wir schreiben uns Textnachrichten oder Emails und schicken uns Fotos oder Videos. Zum Start des Films jetzt gerade besonders, aber auch zu Weihnachten, Silvester oder zum Geburtstag. Es ist natürlich schade, dass die Promotion-Tour für den Film wegen Corona ausgefallen ist und wir uns nicht persönlich sehen konnten. Darauf hatte ich mich nämlich sehr gefreut. Aber das kann man nun einmal nicht ändern.

Du musst im Film auch reiten. Das musstest du wahrscheinlich nicht so ausgiebig trainieren, schließlich hast du selbst ein Pferd. Wusste der Regisseur Paul Greengrass das?

Zengel: Ich habe es ihm erzählt, als er mir bei unserem ersten Treffen in London berichtet hat, dass ich im Film viel mit Pferden zu tun haben werde und keine Angst vor denen haben müsse. Da konnte ich ihn gleich beruhigen, dass er sich darum bei mir keine Sorgen machen muss.

Also war es ein Kinderspiel für dich?

Zengel: Naja, das war schon eine Umstellung von meinem Pferd zuhause. Westernpferde reitet man ganz anders - und sie verhalten sich auch anders. Unser Pferd zum Beispiel hat einen sehr schnellen Trab, aber bei den Filmpferden dachte ich immer, die bleiben gleich stehen. Ich fand es richtig cool, das mal machen zu können, bei unserem Stall gibt es Westernreiten und diese Rodeo-Drehungen eigentlich kaum.

Nach „Systemsprenger“ hat auch deine Figur in „Neues aus der Welt“ wieder ein ziemlich heftiges Schicksal. Passiert es Dir manchmal, dass Du die Emotionen der Rolle nicht sofort ablegen kannst und mit nach Hause nimmst?

Zengel: Nö, das hatte ich noch nie. Egal ob am Set oder wenn der Film fertig ist, hatte ich noch nie ein Problem damit, meine Rolle abzulegen. Dadurch, dass wir die Rollen vorher und nachher gründlich durchsprechen und bearbeiten und ich immer weiß, worum es geht, finde ich das nicht schwierig. Bei Benni in „Systemsprenger“ haben mich viele gefragt, ob ich da nicht manchmal die Rolle und die Realität vermischt habe. Aber so lange mir selbst klar ist, wer ich bin und wer die andere Person ist, dann nehme ich da nichts mit nach Hause.

Apropos „Systemsprenger“: der Film war ja ein riesiger Erfolg und hat sicherlich in Deinem Leben vieles verändert. Was war denn der aufregendste Moment der letzten Jahre?

Zengel: Ich habe mich natürlich sehr gefreut, den Deutschen Filmpreis zu gewinnen. Das war eine große Ehre. Aber der glücklichste und tollste Moment in meiner Karriere war bislang wirklich der, als Paul Greengrass gesagt hat, dass ich die Rolle in „Neues aus der Welt“ habe. Da war ich wirklich total aufgelöst und bin nur wild herumgesprungen vor Freude.

Wirst Du denn jetzt bei der Schauspielerei bleiben? Oder hast Du auch noch andere Berufswünsche?

Zengel: Eigentlich möchte ich bei der Schauspielerei bleiben, weil sie mir wirklich viel Spaß macht. Das ist wirklich meine Leidenschaft. Aber ich könnte mir zum Beispiel auch vorstellen, irgendwann mal nebenbei Drehbücher oder auch Romane zu schreiben. Oder sogar Regisseurin zu sein.

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