Der neue Film - Regisseur Daniel Auteuil spielt in „Verliebt in meine Frau“ neben Gérard Depardieu / Witzige, doch substanzlose Komödie Hartnäckiges Buhlen um Geliebte

Von 
Gebhard Hölzl
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Ein Zufallstreffen setzt alles in Gang. Auf der Straße läuft Daniel (Daniel Auteuil) seinem alten Freund, dem wohlsituierten Verleger Patrick (Gérard Depardieu), über den Weg. Man kommt ins Gespräch und bedauert, sich lange nicht gesehen zu haben – was in einer Verabredung zum Abendessen mündet. Diese muss Daniel aber erst vor seiner Frau Isabelle (Sandrine Kimberlain) rechtfertigen, ist diese doch auf den Kumpel ihres Gatten schlecht zu sprechen. Grund: Patrick hat ihre beste Freundin wegen seiner neuen, wesentlich jüngeren Partnerin (Adriana Ugarte) sitzenlassen. Da ist weibliche Solidarität gefragt.

Patrick (Gérard Depardieu) hat seine Frau für die jüngere Emma (Adriana Ugarte) verlassen. © Weltkino Filmverleih GmbH
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Natürlich kommt es dank Daniels geschickter Argumentation, trotz Isabelles heftiger Gegenwehr, zum Diner. Die Zeichen stehen bei „Verliebt in meine Frau“ auf Boulevardkomödie – in Form eines gemischten Doppels. Eine französische Spezialität, wort- und gestenreich, basierend auf dem Theatererfolg „L’envers du décor“ („Hinter der Fassade“ auch „Die Kehrseite der Medaille“) von Florian Zeller.

Prägende Figuren der französischen Filmlandschaft

Gérard Depardieu wurde 1948 im französischen Châteauroux geboren.

Er zählt seit den 1970er Jahren zu den wichtigsten französischen Charakterdarstellern.

Zuletzt spielte Depardieu in „Verliebt in meine Frau“ mit, der ab Donnerstag, 11. Oktober in die Kinos kommt, und in „To The Ends Of The Earth“, der zum 4. Dezember in Frankreich anläuft.

Daniel Auteuil ist einer der populärsten Schauspieler Frankreichs. 13 Mal wurde Auteuil für den Filmpreis César nominiert, den er als Knecht in „Jean de Florette“ (1986) beziehungsweise abgetakelter Entertainer in „Die Frau auf der Brücke“ (1999) gewann.

Vier Spielfilme hat Auteuil bislang inszeniert – angefangen mit „La fille du puisatier“ (2011) –, zu drei davon auch das Drehbuch verfasst. lim/geh

Spiel mit Klischees ist ein alter Hut

Auf der Bühne war Auteuil in dem Konversationsstück bereits zu sehen, nun hat er es als Regisseur nach dem Drehbuch Zellers für die Leinwand adaptiert. Ohne die Vorlage fürs Kino groß aufzubrechen. Hauptschauplatz bleibt die geräumige, leicht unordentliche großbürgerliche Wohnung, die im Verlauf der Handlung kaum verlassen wird. Man trinkt Wein und Champagner, reicht Canapés, zur Hauptspeise gibt’s Lammbraten, als Dessert Windbeutel mit Schokolade.

Alles sehr stilvoll, elegant und einladend. Wäre da nicht Emma, diese laut Isabelle „30-jährige Schlampe“, die – kaum schält sie sich aus ihrem weißen Mantel – bei Daniel Begehrlichkeiten weckt. Schulterlanges Haar, ein strahlendes Lächeln, ein eng anliegendes, an einer Seite schulterfreies rotes Kleid. Der Gastgeber, angetan mit rot-weißer Karoschürze, ist hingerissen, vermag nur noch zu stammeln. Er imaginiert sich in eine Affäre mit der jungen Schönheit. Vor seinem geistigen Auge zieht sie sich im Esszimmer bis aufs schwarze Spitzenunterhöschen aus, bleibt ihm lediglich die Frage nach der Farbe ihrer Schamhaare …

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Frivol, pikant… das kennt man. Wie auch das Grundgerüst der Geschichte, die sich deutlich an Anton Tschechows Klassiker „Onkel Wanja“ orientiert, worauf im Film mittels eines Theaterbesuchs auch explizit hingewiesen wird. Aber ist dieser Einbildung oder Wirklichkeit? Das ist der Kniff dieser Verfilmung, bei der sich Daniel regelmäßig in Kopfwelten wiederfindet. Im Flugzeug sitzt er beispielsweise, auf dem Weg nach Venedig, wohin er mit Emma durchbrennt. Man erinnert sich an den verhinderten Frauenhelden Woody Allen, der sich in Herbert Ross’ „Mach’s noch mal, Sam“ als Alter Ego von Humphrey Bogart an seine von Diane Keaton verkörperte Angebetete Linda heranmachte.

Alles durchaus witzig, wenn auch nicht neu. Genau da liegt das Problem dieser Geschlechterkomödie. Sie überrascht nicht, findet keinen frischen Ansatz. Besonders bezüglich der Figuren, die allesamt arg klischeehaft angelegt sind.

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Auteuil gibt den Großstadtneurotiker auf Französisch, der sich in einer typischen Lebenskrise befindet und in einem zweiten (Liebes-)Frühling träumt: „In ihr lag die Verheißung auf ein verrücktes Leben. Intensiv und schwindelerregend. Zum ersten Mal war er endlich aufgewacht.“ Der sonst so präsente Depardieu verkommt mangels Charakterzeichnung an seiner Seite zum Stichwortgeber, wuchtet seinen fülligen Leib rast- und ratlos durchs Bild, während die attraktive Ugarte, bekannt als eine von Pedro Almodóvars Musen, auf ihre äußerlichen Reize reduziert wird. Allein die wunderbar kantige Kimberlain mit ihren markanten Gesichtszügen weiß ihre Rolle mit Leben zu füllen, giftet ihren liebestrunkenen Gemahl an, wirft ihm wütend „Fleischbeschau“ vor, setzt geschickt Pointen und Spitzen.

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Handwerklich ist dieser Spaß um amouröse Verwirrungen tadelsfrei umgesetzt. Die gegensätzlichen Sichtweisen der Geschlechter prallen aufeinander, ohne jedoch tiefer ausgelotet zu werden. Unaufdringlich, strikt funktional, ist die Kamera-arbeit, ironisch erklingt Barbaras Chanson „Lippenbekenntnisse“ auf dem Soundtrack. Das vermeintlich starke Geschlecht kommt nicht besonders gut weg, was durchaus in Ordnung geht – nur etwas mehr Substanz hätte dieser Altherrenfantasie nicht geschadet.

Info: Filmstarts der Woche unter morgenweb.de/kino

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