Film - „Mishima: Ein Leben in vier Kapiteln“ im Cinema Quadrat Harmonie von Schrift und Schwert

Von 
Wolfgang Nierlin
Lesedauer: 

Als Yukio Mishima (Ken Ogata) am Morgen des 25. September 1970 sein Haus verlässt, liegt das Buch „Hagakure – Der Weg des Samurai“ auf seinem Schreibtisch. In Uniform und mit Schwert begibt sich der japanische Schriftsteller auf die Fahrt zum Hauptquartier der Armee, wo er mit einem Staatsstreich die Herrschaft des Kaisers restituieren möchte. Dabei wirkt der Putschist konzentriert und zielstrebig wie ein Samurai. Die „Wiederbelebung der Männlichkeit“ im Körperkult und durch eine entschlossene Tat korrespondiert für Mishima mit dem „Willen zum Tod“. Weil seine Ansprache kein Gehör findet, vollzieht der 45-jährige Künstler schließlich Selbstmord.

Ken Ogata spielt die Hauptrolle des Yukio Mishima. © Rapid Eye Movies
AdUnit urban-intext1

In der Rahmenhandlung seines kunstvoll gestalteten, biografischen Films „Mishima: Ein Leben in vier Kapiteln“ von 1985, der jetzt als Director’s Cut im Kino wiederveröffentlicht wird, zeigt der amerikanische Filmemacher Paul Schrader seinen Helden als anachronistische Figur. Schon die Autofahrt der Uniformierten durch das Straßengewirr der grauen Großstadt verweist auf die innere Distanz des schönheitstrunkenen Kriegers zur Hässlichkeit der Konsumwelt. Mishimas Streben nach Reinheit und kaiserlicher Treue, stilvoll inszeniert und mit gesellschaftskritischer Verve propagiert, ist längst aus der Welt gefallen.

Kampf um Ideale

„Schönheit“, „Kunst“, „Taten“ sowie „Harmonie von Feder und Schwert“ lauten die Titel der vier Kapitel, in denen Schrader den Weg seines Samurai durch eine widersprüchliche Existenz nachzeichnet. Wie schon in Martin Scorseses Film „Taxi Driver“, zu dem Schrader das Drehbuch geschrieben hat, sucht in „Mishima“ ein Einzelkämpfer nach Freiheit und Erlösung in einer Welt, die jene Werte verloren hat, von denen der Held träumt. In der Ästhetisierung seines Lebens zum Gesamtkunstwerk überwindet Mishima schließlich den Widerspruch zwischen Körper und Geist, Wort und Tat; in der Inszenierung seines Todes findet er die Harmonie von Schrift und Schwert.

Freie Autorenschaft