Film - Cinema Quadrat zeigt Roland Rebers „Todesrevue“ Greller Protest

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Dass der Tod in der gesellschaftlichen Wahrnehmung meist mit bitterem Ernst einhergeht, ist nicht neu. Dass sich mit Roland Reber ein Regisseur aus Ludwigshafen traut, seine eigene „Todesrevue“ als grellen Protest gegen die schwarze Tristesse zur Filmsatire auszugestalten, imponiert da schon mehr. Zumal der 90-Minüter außerhalb seiner Form mit Wonne gegen die Konventionen des dramatischen Erzählens verstößt – und genau damit reüssiert.

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Bei der Präsentation im Mannheimer Cinema Quadrat findet sich eine Handvoll begeisterter Cineasten ein, die so manches Mal auflachen dürfen. Über Todgeweihte, die im Sarg schon einmal Probeliegen, die Tänzerin, die dem eigenen Verfall nichts entgegenzusetzen hat – und den Leichenfahrer, der seine Kunden flugs ins Jenseits kutschiert.

Sterbehilfe-Debatte aufgegriffen

Dass einem das Lachen immer wieder im Halse steckenbleibt, ist dabei durch und durch gewollt – und zeigt, wie weit Reber dachte, als er den „Würger von Mannheim“ nach dem Tod seines Vaters 1984 als Theaterstück inszenierte. Der um Sterbehilfe wimmernde Patient jedenfalls gemahnt hier nicht weniger an die jüngsten Debatten als die Talkshow, in der die Kandidaten dem Publikum als Opfer zum Fraß vorgeworfen werden. Reber schreibt dazu in einem Statement: „Viele Zuschauer meinten damals, solch eine interaktive Unterhaltungs-Show, in der die Kandidaten für ein paar Likes jede Demütigung ertragen, gäbe es nicht. Heute gibt es sie.“

Wie frei, radikal und doch irgendwie auch augenzwinkernd diese Botschaft nach außen dringt, ergibt sich nicht zuletzt aus dem Kontext eines Films, der ohne Förderstruktur und mit minimalem Budget den Mut zur Drastik entfaltet. Produzentin Marina Anna Eich sagt dazu: „Wir wollten einen Film, der in jeder Hinsicht gegen den Strom fließt.“ Dieses Ziel hat diese bemerkenswerte Hommage an das Leben erreicht.