Jazz - Gitarrist Claus Boesser-Ferrari und Sängerin Jutta Glaser beeindrucken bei Online-Konzert im Mannheimer Ella & Louis durch die Intensität ihrer Darbietung Grandios: Claus Boesser-Ferrari und Jutta Glaser im Ella & Louis

Von 
Georg Spindler
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Machen die Bühne zum Spielplatz: Jutta Glaser und Claus Boesser-Ferrari im Mannheimer Jazzclub Ella & Louis. © gespi

Es war eine grandiose Vorstellung. Der Laudenbacher Freistil-Gitarrist Claus Boesser-Ferrai und die Leimener Sängerin Jutta Glaser nahmen bei ihrem Online-Konzert im Mannheimer Jazzclub Ella & Louis das virtuelle Publikum mit auf eine Reise durch fantastische Sound-Landschaften. Das Duo der beiden Klangzauberer gab eine von der ersten bis zur letzten Sekunde packende Darbietung.

Jazz im Ella & Louis Grandios: das Duo Boesser-Ferrari/Glaser

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Allein die Körpersprache (zu sehen auch auf unserer Fotostrecke im Morgenweb) signalisiert das hohe Maß an Konzentration und Intensität, mit der die Zwei zu Werke gehen. Jutta Glaser, die Augen geschlossen, völlig selbstversunken, Boesser-Ferrari, die Gesichtszüge angespannt bis zum Äußersten, voller Hingabe an die Musik und den Moment.

Die Exkursion ins Unbekannte beginnt völlig offen: Der Gitarrist entfesselt gespenstisch heulende Sphärengeräusche, die an die Audioaufzeichnungen kosmischer Winde erinnern. Die Vokalistin erforscht dazu den inneren, menschlichen Gefühlskosmos: mit Raunen, Stöhnen, Wimmern, Greinen.

Als die Klangschwaden sich lichten, konturiert sich scheinbar Bekanntes: Ein wortloses, melismatisches Lied ertönt wie aus archaischen Tiefen, vom Saiteninstrument sind fein ziselierte Tonfolgen zu vernehmen. Und irgendwann ein Text: „Es geht eine dunkle Wolke herein“, das düstere Volkslied aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges.

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Das beschließt auch gut 50 Minuten später als Reprise die Darbietung. Aber dazwischen spielt sich eine unerhörte Exkursion durch Raum und Zeit ab. Gelegentlich tauchen Melodien auf, die man zu kennen scheint. Mal das alte schottische Volkslied „She Moved Through the Fair“, dann ganz kurz der Bluesrock-Hit „Oh Well“ von Fleetwood Mac und schließlich Jimi-Hendrix‘ psychedelisches Instrumental „Third Stone From The Sun“, das hier klingt wie ein entspannter Folksong, den ein Farmer auf der Veranda seines Hauses auf der Klampfe zupft.

Konzept der „imaginären Folklore“

All diese Anklänge tauchen freilich ohne Verweise auf ihre Herkunft auf. Boesser-Ferraris seit Jahren immer mehr verfeinertes Konzept einer „imaginären Folklore“, die volksmusikantisch ist, ohne volkstümlich zu sein, wird hier kongenial geteilt von Jutta Glaser. Sie präsentiert die Songs ohne Texte, in Vokalisen, setzt ihre Stimme rein instrumental und lautmalerisch ein.

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Beide sind unerschöpflich im Erfinden neuer Sonoritäten und reagieren höchst sensibel aufeinander. Als der Gitarrist sich fernab jeglicher Eingängigkeit in abstrakte Klangräume vertieft, in denen es klirrt, schrabbelt, prasselt und knarzt, ist die Sängerin - girrend, kieksend, hechelnd, plappernd - ganz bei ihm. Und wenn er mit einem Mal ein ländliches Folk-Szenario ausbreitet, reagiert sie darauf adäquat dunkel raunend mit einer Art Blues-„Cry“.

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Einmal kommt es sogar zu einem bizarren Stimmen-Dialog. Da spricht Boesser-Ferrari in den Tonabnehmer und das Schallloch seines Instruments. Sprachfetzen und Wortfragmente hallen, Glaser setzt eine Art Abendlied dagegen, dessen Ursprung rätselhaft bleibt. Man lauscht dem Dialog gebannt. Wie dem ganzen hochkarätigen Konzert.

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