Film - Festivalchef Sascha Keilholz bangt um Vielfalt Furcht vor großem Kinosterben

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dpa
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Auch Kinofans müssen in Zeiten von Corona darben. Die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten haben in ihrem jüngsten Beschluss die Filmtheater weiter vom Publikumsverkehr ausgeschlossen. Die bange Frage ist, wie lange sie durchhalten (wie berichtet). Die Corona-Krise könnte nach Ansicht von Sascha Keilholz (Bild), dem neuen Chef des Filmfestivals Mannheim-Heidelberg, schlimmstenfalls das Ende etlicher Programm-Kinos bedeuten. „Es trifft alle ähnlich hart, die Programm-Kinos trifft es aber am schmerzlichsten, während kommunale Kinos in der Regel von den Gemeinden unterstützt werden und viele konzerngeführte Multiplexe noch Reserven haben“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

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Corona könne ein Kinosterben auslösen – nach Jahren einer leicht steigenden Zahl der Filmtheater, insbesondere in städtischen Gebieten. Derzeit gibt es 1734 Kinos in Deutschland – Ende der 1950er Jahre waren es noch 6000 bis 7000, wie Keilholz erklärt. Inzwischen gibt es Initiativen, die gemeinsamen Filmgenuss im Großformat erlauben – ohne gegen die Abstandsregeln zu verstoßen. So heißt es beim Kommunalen Kino in Freiburg statt „Homeentertainment“ „Hinterhofentertainment“. Autokinos sind eine weitere Alternative.

Insgesamt 80 000 Arbeitsplätze

Die gesamte Branche mit ihren bundesweit 80 000 Arbeitsplätzen – darunter auch Produktion und Filmverleih – leide unter der Corona-Krise, erläutert Filmwissenschaftler Keilholz. Vom aktuell veränderten Nutzungsverhalten profitierten in erster Linie Streamingdienste wie Netflix und Amazon. Keilholz: „Wenn neue Filme zuerst online laufen, geht den Kinos die Exklusivität verloren und sie haben immer weniger Zeit, einen Film auszuwerten, und damit auch weniger Einnahmen.“ Das Phänomen des „video on demand“ werde es auch den Organisatoren von Filmfestivals erschweren, herausragende neue Filme zu zeigen. Gutscheine und über das Kino bestellte Filme seien gute Ansätze, aber in Anbetracht der Krise der Kinos häufig nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein.

Die Klagen der Kinos bleiben nicht ungehört: So bekommt jedes gewerbliche Kino im Südwesten, das im vergangenen Jahr einen Preis der Medien- und Filmgesellschaft des Landes Baden-Württemberg (MFG) erhielt, einen Zuschlag von 5000 Euro. Das sind rund 60 Art-House-Kinos von 255 Kinos. 

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