Pop - De Phazz und STÜBAphilharmonie interpretieren auf ihrer gemeinsamen Veröffentlichung „de capo“ alte Songs neu Federleicht aufgeschüttelt

Von 
Martin Vögele
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Die Band De Phazz. © Promotion DP

Eine Erfahrungsbilanz vorweg: Wenn sich Pop-Schaffende und Sinfoniker zu einer gemeinsamen musikalischen Unternehmung verabreden, dann erwächst daraus weder notwendigerweise noch allzu oft ein wirklicher Mehr-Hörwert. Wenn aber ausgewiesene Connaisseure der elektronischen Jazz-, Soul- und Latin-Fusionsmanufaktur wie das 1997 in Heidelberg gegründet Bandkollektiv De Phazz und ein so aufgeschlossen-kompetenter Klangkörper wie die Erfurter STÜBAphilharmonie zusammenfinden, dann mag etwas Bemerkenswertes entstehen. So der Fall bei „de capo“, ein kollaboratives Album, das sich in formvollendeter Beschwingtheit gegen die trübseligen Graustufen der vorwinterlichen Tage stellt. Der Langspieler ist gleichsam ein orchestrales „best of“, bei dem die De-Phazz-Originalbesetzung mit den STÜBAphilharmonikern unter dem Dirigat von Paul Momberger musiziert; produziert wurde das Album von De-Phazz-Mastermind Pit Baumgartner.

Flair wie im Agentenfilm

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Zehn Stücke der „Godfathers of Lounge“ sind hierfür von ihren Sofa-Liegewiesen geholt und so gründlich aufgeschüttelt worden, dass sie nun federleicht aus den Lautsprechern fliegen. Man ist mithin entzückt, wenn bei „Roses“ irisierende Streicher und fein getupfter Harfenklang auf die ätherische Stimme von Barbara Lahr treffen, wenn sich die Groove-Beats mit Glockenspiel-Schimmer und stattlichen Bläsern verbinden. Der Song erfährt hierdurch eine luftdurchströmte Opulenz, um gleichwohl seine (quer-) treibenden Unterströmungen zu bewahren.

„Mambo Craze“ fühlt sich hier an, als würde Sängerin Pat Appleton zu einem unbeschwert-sonnigen Strandspaziergang in Begleitung einer formidablen 60er-Jahre-Combo einladen, bei „Jazz Music“ scheinen Orchester und Band mit Burt Bacharach blendend gelaunt durch einen Ballsaal zu tanzen. „No Lie“ kombiniert dagegen flirrend-fieberndes Agentenfilm-Flair mit Entspannungs-Grooves und Karl Friersons geschmeidigem Stimmsoul. Auch „Anchorless“ lässt sich auf „de capo“ angenehm neu aus veränderter, Orchester-funkelnder Soundperspektive entdecken. Ende Dezember und Anfang Januar treten De Phazz und STÜBAphilharmonie bei zwei Release-Konzerten auch live – in Jena und Hamburg – auf. „Weitere Termine in Planung“, heißt es in der Presseinformation, was uns Anlass zur Hoffnung auf ein Gastspiel in der De Phazz-Heimatregion gibt.

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