Kunst - Das Festival Wunder der Prärie des Mannheimer Büros Zeitraumexit träumt dieses Jahr von Wandel im städtischen Raum Expeditionen in die Zukunft

Von 
Bernd Mand
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Die Feudenheimer Au wird beim Festival zum Ort urbaner Visionen.

© Tröster

"Für mich stellt das Wunder der Prärie für diese Stadt auch immer ein Fenster in die Welt dar", erzählt Kulturamtsleiterin Sabine Schirra im Gespräch bei der Pressekonferenz zur diesjährigen Ausgabe des genreübergreifenden Festivals für Darstellende Künste. Auch wenn das viele Eidgenossen in der gehobenen Stadtverwaltung ungern hören und in kulturpolitischen Debatten den Kunstbegriff meist noch beharrlich mit Kategorien aus dem 18. Jahrhundert definieren: Das biennale Festival von den Machern des Künstlerhauses Zeitraumexit begibt sich auch dieses Jahr wieder auf einen international besetzten Forschungszug durch die Stadtgesellschaft.

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"Laut geträumt" heißt das Motto der neuen Ausgabe, die vom 18. bis zum 28. September stattfindet und sich ausgehend von den städtebaulichen und gesellschaftlichen Veränderungen Mannheims auf die Suche nach Gestaltungsmöglichkeiten unseres jetzigen und zukünftigen Lebensraums macht. Ohne Angst vor Widersprüchen oder tradierten Wirklichkeitsmustern und mit einem festen Vertrauen in die Kunst.

Möglichkeiten erforschen

Es sind zwei kleine Worte, die programmatisch vor das Festival gestellt werden und beim Blick auf die Besetzung der Gastspielplätze keine leere Versprechung darstellen dürften. So kehrt die Arbeitsgemeinschaft Anastrophale Stadt, die 2011 von Georg Winter für das Wunder der Prärie gegründet wurde und vielen noch mit ihrer klug-spektakulären Untersuchungsstation im Hafenbecken in Erinnerung sein dürfte, zurück und wird sich in der Feudenheimer Au mit den Möglichkeiten der Kleingartenanlage als Zukunftsmodell im städtischen Raum auseinandersetzen. Raumlaborberlin, die 2008 mit ihrem selbst gebauten U-Boot auf dem Fluss einluden, werden mit ihrer innerstädtischen Installation "cold war/hot dogs" nach den Spuren der abgezogenen US-Streitkräfte suchen. Mit einem selbstgebauten Panzerfahrzeug und dem Collini Social Club, den Jan-Philipp Possmann und Oliver Rack als mobile Agora zwischen Diskussionsforum und Minibar gestalten.

Robert Schoen und Ricarda Franzen setzen dagegen auf Lego-Bausteine und Hörspiele in ihrer Audioperformance "Soziale Bausätze", die sich mit dem Thema Partizipation und Teilen beschäftigt. Während der kanadische Performance-Künstler Jacob Wren in der Alten Feuerwache bei "Every Song I've Ever Written" selbst verfasste Songs zum Besten geben wird und sie von freiwilligen Bands covern lässt. Oder Stefan Römer in der Galerie Stoffwechsel der fortschreitenden Gentrifizierung im Jungbusch auf die Spur kommt.

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Zwischen Performance, Live-Art und Kunst wird hier im Spätsommer danach gefragt werden, wem die Stadt eigentlich gehört und dazu ein stadtübergreifender Raum gebaut, an dem Träumen ausdrücklich erwünscht ist. Aber am besten schön laut, so, dass es auch alle hören. Denn der fromme Wunsch im stillen Kämmerlein hat ja noch selten was bewegt.