Pop - Der Winteraward im Jugendkulturzentrum Forum kombiniert Wohlfühl-Atmosphäre mit musikalischen Häppchen Es ist nicht alles Gold, was fetzt

Von 
Rüdiger Ofenloch
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Spielen düstersten Metal: die Band Durtal.

© Rittelmann

Nudelsalat trifft auf Hardcore, Kinder-Schokolade auf Elektro-Pop: Der Winteraward im Mannheimer Jugendkulturzentrum Forum kombiniert Wohlfühl-Atmosphäre mit musikalischen Häppchen, die in der 45-Minuten-Packung angenehm kurz und knackig serviert werden. Dabei ist nicht alles Gold, was fetzt. Aber immerhin: Ein paar echte Perlen sind bei der mittlerweile vierten Auflage des selbst ernannten Underground-Festivals dabei.

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Es kommt nicht von ungefähr, dass Pervarious schon im Zwei in den Quadraten gespielt haben. Die Disko ist vorrangig für feine Elektro-Musik bekannt - und genau das liefern die Mannheimer. Sie selbst bezeichnen sich als "elektronischen Live-Act", und direkt auf der Bühne produziert beeindruckt der mal wuchtige, mal fein gesponnene Sound noch mehr als von der Platte. Dabei hätte man Yolanda Diefenbach fast übersehen: Zwischen den brachialen Klangkonstruktionen und ausgewachsenen Mannsbildern, die diese aus ihren Maschinen stampfen, wirkt sie fast verloren.

Pointiert und einfühlsam

Aber aufgepasst: Was aus diesem Mädel herauskommt, ist genauso pointiert wie einfühlsam, die Musik bei aller klanglichen Komplexität doch klar und verständlich. Wer hier nicht wenigstens eine Welle erwischt, sollte es vielleicht doch lieber an Land versuchen. Oder eine Nummer bodenständiger. Go Get It nennt sich die zweite vielsprechende Mannheimer Formation, die an diesem Abend zu überzeugen weiß. Irgendwo zwischen klassischem Britpop und den frühen Killers bringen die vier Jungs das Forum erstmals so richtig zum Beben. Was nicht zuletzt dem durchaus charismatischen Treiben von Frontmann und Sänger Klaus Häublein, aber auch den eingängigen Melodien und dynamisch arrangierten Songs zu verdanken ist. Für die dritte Perle des Abends haben einige der über 400 Besucher ein paar Kilometer Anreise mehr in Kauf genommen. Fewsel machen elegisch veranlagten Stoner-Rock mit irren Gitarrenschnörkeln. Die Wiesbadener sind Virtuosen ohne Größenwahn - eine angenehme Erscheinung, auch wenn die Musik alles andere als leichte Kost ist. Das gilt auch für die meisten der restlichen vier Bands des Abends.

Stamm! bieten zum Auftakt soliden Bluesrock, Durtal düstersten Metal. Static Void (Punk) und Orbit The Earth (Postcore) machen zum Schluss noch einmal qualitativ hochwertigen Krach. Wenn man bedenkt, dass das Ganze nicht einmal etwas kostet, muss man den Veranstaltern rund um Joachim von Hunnius ein noch größeres Kompliment machen und sagen: Bitte mehr davon!