Coronavirus - Fraunhofer-Studie schließt Ansteckungsgefahr im Klassikkonzert nahezu aus – der Mannheimer Fritjof von Gagern hofft auf Einfluss auf die Politik Erkenntnis macht dem Nationaltheaterorchester Mut

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Stefan M. Dettlinger
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Warten auf Einsatz: Cellist Fritjof von Gagern und GMD Alexander Soddy. © Musaka

Eine Studie des Fraunhofer Heinrich-Hertz-Instituts im Konzerthaus Dortmund macht dem Orchester des Nationaltheater Mannheim Hoffnung, bald wieder auf die Bühne zu dürfen. Das sagt der Vorsitzende der Musikalischen Akademie Fritjof von Gagern dieser Redaktion. „Die neue Studie macht unglaublich Mut! Für den interessierten Laien klingen die Autoren, das Fraunhofer Institut und das Bundesumweltamt, absolut seriös“, so von Gagern.

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Die Auswertungen der experimentellen Untersuchungen des Hertz-Instituts zeigen nach eigenen Aussagen, dass insbesondere im Saal unter den gegebenen Bedingungen die Gefahr der Übertragung von Infektionen durch Aerosolübertragung nahezu ausgeschlossen werden könne, so das Ergebnis der Forscher. Vor allem die vorhandene zentrale Lüftungsanlage sowie das Tragen eines Mund-Nasenschutzes verringerten die Aerosol- und CO2-Belastung stark, so dass theoretisch eine Vollbesetzung im Saal denkbar wäre, heißt es weiter im Text. Von Gagern äußert: „Ich hoffe inständig, dass die Erkenntnisse schnell in die politische Entscheidungsfindung einfließen.“

Luftaustausch im 20-Minuten-Takt

Natürlich bleibt die Vollbesetzung von Konzert- und Theaterhäusern vorerst ein Traum. Unter Einbezug der Zuwege und Foyers empfiehlt die Studie nämlich eine Saalbelegung im Schachbrettmuster und damit 50 Prozent der Saalkapazität.

Nicht nur in Dortmund. Mit der Studie könnten auch Aussagen für andere Konzerthäuser oder Theater ähnlicher Größenordnung getroffen werden. Gründe hierfür seien neben den Faktoren Temperatur oder Luftfeuchtigkeit vor allem auch die Größe des Saals – und vor allem die Lüftung, die in Dortmund das gesamte Luftvolumen in 20 Minuten-Intervallen komplett austauscht. Und hier kommt die Studie zum Schluss: „Da die meisten Konzert-, Opern- und Theaterhäuser eine ähnliche Lüftung haben, ist die Studie übertragbar.“

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Auch nach Ansicht von NRW-Kultur- und Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen (parteilos) bestätigt das die Relevanz der Studie. „Das Thema Belüftung ist ein entscheidender Faktor für die Wiedereröffnung von Kultureinrichtungen“, wird Pfeiffer-Poensgen auf der Webseite des Konzerthauses zitiert. Die Studie sei daher „ein wertvoller Baustein für die Bemühung, den Spielbetrieb auch in Pandemiezeiten zu ermöglichen“.

Daran denkt der Mannheimer von Gagern aber erst mal nicht. „Für Februar rechne ich nicht mit Konzerten vor Publikum“, sagt er, „auch nicht mit Maske und Schachbrettmuster. Vielleicht würde das zu Ostern passen?“ Der Dortmunder Intendant Raphael von Hoensbroech mutmaßte bereits im September: „Konzerthäuser und Theater sind keine Infektionsorte.“ Die vorliegende Studie diene nicht der Kritik an bisherigen Entscheidungen: „Die vergangenen Monate haben gezeigt, dass die Politik wissenschaftlich fundierte Entscheidungsgrundlagen benötigt. Mit unserer Studie wollen wir dazu beitragen, dass die Konzerthäuser und Theater bei Öffnung wieder hinreichend Publikum zulassen können.“

Ressortleitung Stefan M. Dettlinger leitet das Kulturressort des „Mannheimer Morgen“ seit 2006. Er schreibt dort in erster Linie über Musiktheater und Klassik, aber auch über andere kulturelle Thematiken.